Gegen den Strich gebürstet

Andreas Meili stellt in Bern ein Album vor, das an die grossen Nonkonformisten des Jazz gemahnt, ohne sie zu kopieren.

«7 Hip Spareribs» ist so ein vertrackter Titel, der einen an keinen geringeren als den grossen Thelonious Monk denken lässt, nur dass sein Autor nicht Monk, sondern Andreas Meili, Luzern, heisst, seines Zeichens Pianist, Komponist und Leader eines seit vier Jahren bestehenden Quartetts, das unter dem Namen Knom das Album «Cuckoo Nutz» (Altrisuoni/Phonag) veröffentlicht hat. Die Berner CD-Taufe von «Cuckoo Nutz» steht unter der Affiche Contemporary Jazz, ein Verlegenheitsbegriff, der mehr verschleiert, als dass er zur Klärung irgendeines Sachverhaltes beiträgt. Zeitgenössischer Jazz ist vieles; in Meilis Fall ist es eine Musik, die zwar unüberhörbar in ihrer eigenen Tradition verwurzelt ist, diese Tradition aber geschickt gegen den Strich bürstet und so gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Säkulums eine Kunstform glaubwürdig vertritt, deren Anfänge über hundert Jahre zurückreichen. Kein IkonoklastDas Gegen-den-Strich-Bürsten geschieht in der Regel recht behutsam – Meili ist kein Ikonoklast, der das Vorgefundene zerschlagen muss, um mit den Trümmern etwas Neues konstruieren zu können. Der Pianist setzt vielmehr dort an, wo Nonkonformisten vom Schlag eines Monk, Waldron oder Hill vor ihm angelangt sind, ohne sie jedoch zu kopieren. Zur Attraktivität von Meilis Musik trägt sicherlich bei, dass sie eine ausgesprochen melodische Seite hat, man höre sich nur das beschwingte Thema von «Demissed» an, wobei der Tenorist Marc Stucki – ein weiterer Name, den man sich fortan merken muss – dieser Nummer in seinem Solo einen geradezu hymnischen Zug verleiht. Dies ist ein schönes Beispiel für das improvisatorische Potenzial, das in Andreas Meilis Kompositionen steckt. «Gone» ist wiederum eine kleine verschattete Ballade, die sich zwar weniger originell als andere Titel des Albums ausmacht, andererseits aber belegt, dass der Spiritus Rector der Band auch dieses Genre versteht. Kompetent zur Hand gehen ihm neben dem erwähnten Marc Stucki André Pousaz am Bass und Claudio Strüby am Schlagzeug, zwei Musiker, die weniger Sidemen als integraler Bestandteil dieser feinen «Working Band» sind. (gmn)VidmarhallenDonnerstag, 18. Dezember, 20.30 Uhr.>

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