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Schön wie ein Volvo

Intellektuell angehauchter Rustikalhumor? Ja, das gibt es, wie Matto Kämpfs «Krimi» beweist. Heute Abend ist Buchvernissage.

Der Berner Autor Matto Kämpf. (zvg)
Der Berner Autor Matto Kämpf. (zvg)

Es geschieht an einem Ort, wo die Nebelschwaden ebenso dick sind wie der Stumpenrauch in der Beiz: Ein Toter hängt im Zwetschgenbaum, durchlöchert von einer Mistgabel.

Der 39-jährige Berner Autor, Regisseur und Filmemacher Matto Kämpf, der schon in vielen Arbeiten seine Vorliebe fürs Rustikale unter Beweis gestellt hat, pflanzt die Handlung seines Büchleins «Krimi» in einen dieser hinterwäldlerischen Krachen und erfindet einen währschaften Kommissar, der ebenso kantig ist wie weiland Friedrich Glausers Wachtmeister Studer oder Friedrich Dürrenmatts Bärlach. Kämpfs Gesetzeshüter nimmt Logis in der Dorf-Wirtschaft und befragt den Pfarrer, den Gemeindepräsidenten, den Lehrer und den Dorfkommunisten. Er trifft aber auch auf kübelweise zugesoffene Gaststübler, auf eine Sekte von Höstelern, auf kichernde Webstübler, auf den als Kuhrechtler tätigen Advokaten, auf siechendes Weibervolk in der Sonntagspredigt, auf Kinder, die mit dem Kopf des Toten hornussen, und auf das Margritli, die Serviertocher, von der es heisst: «Sie ist eine protestantische Schönheit, wie ein Volvo.»

Kämpfs Genrepersiflage lebt vor allem von der Sprache, die aus grobem Holz geschnitzt ist, und der Atmosphäre, die nostalgisch-dumpf anmutet wie ein alter Schwarz-Weiss-Film. Dennoch tränkt Kämpf seinen Rural-Krimi auch mit viel absurdem und schwarzem Humor: So endet die Autopsie des Toten, die in der Kegelbahn vorgenommen wird, als ziemliche Sauerei, ein Specht krächzt ein Dire-Straits-Medley, es gibt Lyrifanten, Brunstturner und einen joggenden Goten.

Die Ermittlungen geraten mehr und mehr ins Stocken, und der Kommissar wird eingenebelt vom stumpfen Geist des Dorfes, dem Pflümli und dem Bier, und mit schnapsschwerem Kopf wird er «vollkommen reglos, wie ein altes Reptil».

Literatur im rosa Wurstpapier

Viel Sachdienliches gibt es in diesem knapp 50-seitigen, liebevoll aufgemachten Büchlein nicht, das mit hingeworfenen Skizzen, naiven Zeichnungen und weithergeholten Fotos skurril illustriert ist. Ausserdem blättert man da und dort über ein rosarotes Wurstpapier und spürt die kindliche Freude des Machers an seinem intellektuell angehauchten Rustikalhumor bis in die Fingerspitzen hinein.

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