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Rock-’n’-Roll-Schwindel

Art Brut, die lustigste Rockband Englands stellt ihr drittes Album vor. Einmal mehr im Zentrum: Eddie Argos und seine unironisch vorgetragenen Texte über das Verlierertum – und die Begeisterung für den Rock ’n’ Roll.

Eddie Argos (2. v. l.) stellt die existenziellen Fragen, die jede popbegeisterte Teenage-Angst-Seele quälen. (zvg)
Eddie Argos (2. v. l.) stellt die existenziellen Fragen, die jede popbegeisterte Teenage-Angst-Seele quälen. (zvg)

Im Jahr 2005, als britische Bands wie Franz Ferdinand und Bloc Party nach oben gespült wurden, tummelte sich unter den Legionen von jungen Rockbands eine Truppe, die so inbrünstig wie lustig die Freuden des Bandseins in den famosen Einzeiler «We formed a band» zu packen vermochte. Art Brut heisst diese Truppe, und ihr Sänger Eddie Argos sorgt mit seinem tölpelhaften Sprechgesang für das unverwechselbare, für das einzige originelle Element in dieser unspektakulären, beinahe dilettantischen Rockband mit Rotz-Einschlag. «Bang Bang Rock and Roll», das Debüt des englisch-deutsch-gemischten Fünfers, war dank dieser unbekümmerten Unbedarftheit eine Sensation, und der pummelige und rabaukenhafte Herr am Mikrofon, der Hennessy auf Morrissey reimt und die männlichen Impotenzängste träf beschreibt, mutierte zum Antipophelden. Trinken und schwelgenNach dem fulminanten Karriere-Start kam die Band bei einem Major-Label unter Vertrag, der Zweitling «It’s a Bit Complicated» folgte zu schnell auf den Instant-Klassiker, so dass es kaum überrascht, dass Art Brut für ihr eben erschienenes drittes Album wieder bei einem kleineren Plattenhaus untergekommen sind. «Art Brut vs. Satan» startet mit dem grossen Kater von Eddie Argos, der weiterhin konsequent aus seiner Ich-Perspektive den Alltag durchpflügt und meistens verkatert und in fremden Frauenbetten aufwacht.Neben diesen Eskapaden enthält das vom ewigen Pixies-Kopf Frank Black mätzchenfrei produzierte Album eine Handvoll an rührenden Nummern: Das Sänger-Ich von Argos bekennt sich zu Superheldencomics und Schoggi-Milchshakes, die Leute hängen ihm das Peter-Pan-Syndrom an, es fährt begeistert Bus und Zug und entdeckt einmal mehr eine neue Lieblingsband: «I hope I’ve finally found / A band that’s not going to let me down» – obwohl einige Bandmitglieder so alt seien wie seine Eltern. Argos lästert über die Propheten U2 («Why is everyone trying to sound like U2? / That’s not a very cool thing to do»), über Lichtshows mit Trockeneis («I wanted rock and roll / I got a science museum») und stellt tumb und einfach, unironisch und lustig, naiv und punktgenau die existenziellen Fragen, die jede popbegeisterte Teenage-Angst-Seele quälen.

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