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Rhapsodie einer Grossstadt

Eine Stadt, drei Regisseure, ein grandioser Episodenfilm: Die Franzosen Michel Gondry und Leos Carax und der Koreaner Joon-Ho Bong haben je einen Kurzfilm für «Tokyo!» beigesteuert.

Mischung aus Antichrist, Jesus und Popstar: Denis Lavant spielt in Leos Carax' Kurzfilm ein Monster aus der Kanalisation. (zvg)
Mischung aus Antichrist, Jesus und Popstar: Denis Lavant spielt in Leos Carax' Kurzfilm ein Monster aus der Kanalisation. (zvg)

Das Triptychon sprüht nur so von Originalität und visuellen Einfällen. Das Enfant terrible des französischen Kinos, Leos Carax («Les amants du Pont-Neuf»), meldet sich nach knapp zehn Jahren als Regisseur mit seinem Beitrag «Merde» zurück und landet einen Wurf. Ein Monster gewordener Mensch taucht aus der Kanalisation auf und treibt sein Unwesen in der Stadt. Merde ist eine der unheimlichsten und originellsten Filmfiguren seit Langem. Als eine Mischung aus Antichrist, Jesus und Popstar torkelt er fluchend, mit unverständlichen Hasstiraden und auch mal mit Handgranaten um sich werfend durch die Strassen Tokios. Verkörpert wird dieses in Kauderwelsch sprechende, misanthropische Geschöpf, das alle beleidigt und die Bewohner Tokios doch fasziniert, übermenschlich gut von Carax’ Stammschauspieler Denis Lavant. Ein furioser, radikaler Film, mit einer überwältigend inszenierten Anfangssequenz.Verspielte OdysseeMichel Gondry («Science of Sleep») hat wieder einmal einen Film über sich selber gedreht. In «Interior Design» wird der Filmbastler von einem jungen Japaner verkörpert, der von einer Karriere als Avantgarderegisseur träumt. Seine Freundin fühlt sich daneben ziemlich überflüssig. Nach einer surrealen Transformation findet sie endlich eine Aufgabe im Leben. Gondry findet eigenwillige Bilder für diese melancholisch-verspielte Odyssee durch Tokio. Sein unglaublicher Ideenreichtum und seine Fähigkeit, fantasievolle Welten zu erschaffen, zeigen sich in diesem exquisiten Kurzfilm erneut. Der Film des Südkoreaners Joon-Ho Bong («The Host») bildet den Abschluss dieser hochstehenden Mini-Trilogie. «Shaking Tokyo» ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem Hikikomori – das sind Menschen, die in gesellschaftlicher Isolation leben und das Haus nie verlassen – und einer hyperventilierenden Pizzakurierin. Die zarten Annäherungsversuche der beiden werden von einem der vielen Erdbeben Tokios erschüttert.

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