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Meteoriten u. a. Geheimnisse

Schwarz, schwer und von einer ungewöhnlich kompakten Beschaffenheit ist der Stein, den der Bub gefunden hat. Und der Vater zögert keinen Moment. «Das ist ein Stück von einem Meteorit», verkündet er laut, und alle Spaziergänger drehen den Kopf. Der Brocken aus dem Weltall hat den Sonntag der Familie gerettet. Und für den Moment wohl auch wieder einmal die Ehe der Eltern. Die Mutter der fünfköpfigen Familie hatte bei der Tiefkühltruhe mit hausgemachten Glaces, die ein innovativer Bauer vor den Kuhstall gestellt hatte, mit dem Verweis auf die Guetzli im Rucksack keinen Halt einlegen wollen. Dies wiederum hat den Vater zur Bemerkung veranlasst, dass seine Stelle keineswegs gefährdet sei, die Bank letzte Woche den Zins der variablen Hypothek gesenkt habe und manisches Sparen die Wirtschaft vollends bachab gehen lasse. Mit ein paar gekauften Glaces das Sackgeld der gebeutelten Bauern aufzubessern, welche unter anderem die Zeche der Globalisierung mit einem beschämend tiefen Milchpreis bezahlen müssten, zeuge wenigstens von einem Minimum an Solidarität. Was ihm die Frau geantwortet hat, verschweigen wir, weil das Klischee der Ehefrau, die immer das letzte Wort hat, hier nicht weiter zementiert werden soll. Umso mehr, da die Familie dank dem Stücklein Meteorit nullkommaplötzlich bei den grossen Themen der Weltgeschichte gelandet ist: Der Vater doziert die Meteorit-Theorie vom Aussterben der Saurier, die Mutter übersetzt kooperativ für den Kleinsten die Fachwörter, und beim Fazit, dass ein Meteorit jederzeit wieder für eine weltweite Katastrophe sorgen könnte, biegt die ganze Familie friedlich ab. In nicht ganz einfachen Zeiten haben die grossen und kleinen Geheimnisse der Weltgeschichte Hochkonjunktur. Parallel zu den Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft steigt das Interesse der Amerikaner für die Tricks ihres ersten Superheros, des legendären Entfesselungskünstlers Houdini, und das gute alte Österreich hebt ausgerechnet jetzt das Tauchverbot im Toplitzsee auf, wo angeblich Schätze aus dem Dritten Reich versenkt worden sind. Nicht etwa, dass Österreich spekuliert, mit den Tausenden von Kilo Gold und den Brillanten, die im Schlamm vermutet werden, den maroden Staatshaushalt sanieren zu können. Die versenkten Kisten sollen angeblich auch Listen von Opfern des Naziregimes enthalten, die ein Konto in der Schweiz hatten. Ein bisschen Zündstoff also, um die EU-Bosse von Österreichs drohendem Staatsbankrott abzulenken. Wenn die Knallerei dann vorbei ist, muss sich die Schweiz dieses Papierrelikt unbedingt sichern. Für ein Museum für das grösste helvetische Geheimnis. Brigitta NiederhauserVoller GeheimnissE Broadway-Variété, bis 16. Mai. Di bis Sa, 19 Uhr, Gaswerkareal Bern.>

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