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Im Embryo-Stadium

Die Discomusik erlebt ihren dritten Frühling: Die Musiker von Jessica 6 waren die Begleitband der Disco-Rezyklierer Hercules & Love Affair. Nun wollen sie selber Stars werden.

Disco und ein bisschen Homoerotik: Jessica 6 aus New York City. (zvg)
Disco und ein bisschen Homoerotik: Jessica 6 aus New York City. (zvg)

Dass sich ein Frontsänger irgendwann seiner Band entledigt und ein Soloprojekt ins Leben ruft, ist in der Musikwelt ein verhältnismässig gängiges Geschehen. Etwas seltener ist es indessen, dass sich gleich eine ganze Begleitband von ihrem Vorgesetzten emanzipiert und sich selber zum Soloprojekt ernennt.

Diesen Werdegang hat die Gruppe Jessica 6 hinter sich. Hercules & Love Affair heisst die Kapelle, von welcher Jessica 6 abstammt, jener Band, die im vorigen Jahr die Welt in Atem hielt, indem sie der guten alten Discomusik zu einem fulminanten Revival verhalf. Eine Herkunft, die musikalisch durchaus spürbar ist. Wie bei Hercules & Love Affair verweist das Tun dieser Band statt in die Zukunft ins Plusquamperfekt der Musikgeschichte. In eine Zeit, in der die Discomusik noch Handarbeit war und dennoch mit feudalem Glamour aufwarten konnte, und in eine Kulisse, in welcher der Dancefloor vornehmlich als Bühne der Homoerotik diente. Hier, im schwülen Umland der Disco-Queens und der Dancefloor-Diven, setzt das Rezyklieren sowohl von Jessica 6 wie bekanntlich auch von Hercules & Love Affair ein.

Disco mit 80s-Einschlag

Die Kühlerfigur von Jessica 6 ist genau eine solche Disco-Queen: Die transsexuelle Figurella-Frau Nomi Ruiz hat bereits mit Debbie Harry (Blondie) und CocoRosie die Bühne geteilt. Bei Hercules & Love Affair kam ihr mitunter die undankbare Aufgabe zu, die wunderbaren Studio-Gesänge des Antony Hegarty (Antony And The Johnsons) live umzusetzen, da der Herr bekanntlich keine Lust hatte, mit der Disco-Combo konzertant in Erscheinung zu treten.

Während der ausgiebigen Touren mit Hercules sollen ihre Bandgenossen Morgan Wiley (Keyboard) und Andrew Raposo (Bass) zur Erkenntnis gekommen sein, dass die Frau Ruiz selber das Rüstzeug zum Star hat. Seit Anfang Jahr ist man nun am Schreiben eigener Songs, zwei davon wurden der Öffentlichkeit bisher unterbreitet: «Fun Girl» ist ein geschmeidiger Disco-Stampfer mit einem gehörigen Schuss 80s-Soul, während «Not Anymore» mit Pianobegleitung und viel Gefühligkeit vollumfänglich klingt wie eine Ballade der unvergessenen 80s-Helden Yazoo. Dass das gut kommen wird, ist jedenfalls bereits in diesem Embryo-Stadium der Band vernehmbar.

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