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Ein bisschen tot

«Es gibt nur entweder – oder. Man kann nicht ein bisschen tot sein, ein bisschen verliebt oder ein bisschen frei.» So spricht Georgiana Spencer, Herzogin von Devonshire, bei einem Bankett im herrschaftlichen Hause ihres Mannes, bei dem unter anderem der Befreiungskampf Amerikas diskutiert wird. Es ist das Schicksal der bezaubernden Schönheit, dass sie genau das leben muss, was sie verneint: An der Seite ihres kühlen, an ihr nur als Gebärerin eines Statthalters interessierten Mannes ist sie verdammt zu einer Existenz im engen Korsett ihrer Zeit, des 18. Jahrhunderts, und ihres Standes, des englischen Hochadels. Sie ist ein bisschen frei, ein bisschen verliebt und ein bisschen tot.Der Kostümfilm «The Duchess» von Saul Dibb basiert auf der Biografie «Georgiana: Duchess of Devonshire» von Amanda Foreman. Keira Knightley verkörpert diese Frau (1757–1806), die in ihrem Hang zu Mode, Luxus und Spiel eine Verwandte von Marie-Antoinette war und deren Leben Parallelen zu dem von Lady Di aufweist, übrigens ebenfalls eine Spencer. Auch Georgiana wurde von ihrem Mann (Ralph Fiennes) nicht geliebt, immer wieder hintergangen und gar zu einer Ménage à trois gezwungen. Auch Georgiana wurde von der Öffentlichkeit geliebt, sie war ein Star des Gesellschaftslebens, berühmt für ihre extravaganten Roben wie überhaupt für ihren Sinn für Mode sowie für ihre literarischen und politischen Salons.Drama einer unterdrückten FrauRegisseur Dibb verzichtet in seinem opulent ausgestatteten (Oscar für die Kostüme) und in wunderschönen Tableaus komponierten Drama auf jegliche Aktualisierungen – die Geschichte spricht für sich selbst. Er konzentriert sich auf die Ehe zwischen Georgiana und dem Herzog von Devonshire; die politischen Aktivitäten und dunklen Seiten der Herzogin (so etwa ihre Spielsucht) kommen kaum oder gar nicht vor. Keira Knightley überzeugt vor allem in ihrem jugendlichen Überschwang, Ralph Fiennes ist schlicht perfekt in der Rolle des kaltherzigen Gatten, der seine Frau mit ihren Kindern erpresst und selbst unter den Zwängen leidet, die er zugleich ausübt. «The Duchess» mag der Persönlichkeit Georgianas nicht vollauf gerecht werden und ihr Leben zu sehr auf das einer unterdrückten Frau reduzieren. Trotzdem gefällt der souverän inszenierte Film nicht nur durch seine Schauwerte, sondern auch als intelligente Studie eines Paars und seiner Zeit. (all)Splendid 1/Pathé Westside>

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