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Winter brachte nicht viel Schnee, aber lange

Es hat im abgelaufenen Winter weder aussergewöhnlich viel noch aussergewöhnlich oft geschneit in Bern. Wegen kühlen und trockenen Wetters blieb der Schnee aber so lange liegen wie noch nie. Dies ist wohl der Grund, weshalb das Gefühl aufkam, Bern habe noch nie einen so strengen Winter erlebt.

Die Tabelle zum Winter.
Die Tabelle zum Winter.

Darf man es riskieren? Darf man die Schlussbilanz zum Berner Winter 2008/2009 endlich bringen? Oder steht uns noch eine Überraschung bevor? Der Statistik zufolge ist das zwar möglich: Am 1. Mai 1945 beispielsweise fiel in Bern über 1cm Schnee. Aber die Chance auf ein so spätes Ereignis ist klein: «Schneefälle ab Mitte April sind in Tieflagen selten», schreibt Meteo Schweiz, das Bundesamt für Klimatologie und Meteorologie, auf seiner Homepage. Also: Man darf Bilanz ziehen. Die These vom 7. FebruarAm 7. Februar hatte der «Bund» getitelt: «Winter in Bern – alles nur halb so wild». Da sich die Stadt im Verlauf des Februars und auch Anfang März noch das eine oder andere Mal in Weiss präsentierte, muss diese These natürlich überprüft werden. Wiederum werden zwecks Einordnung des Winters die Schneedaten von Meteo Schweiz seit Messbeginn im Jahr 1931 herangezogen. Ein Winter im statistischen Sinn ist der Zeitraum vom ersten Schneefall nach dem Sommerhalbjahr bis zum letzten Schneefall nach dem Winterhalbjahr. In den drei Tabellen unten steht beispielsweise das Jahr 2009 für den Winter 2008/2009. Die Schneemessstation Bern steht in Wabern in der Gemeinde Köniz. Nicht einmal ein Meter SchneeWie der rechten Tabelle zu entnehmen ist, war der Berner Winter 2008/2009 mit einem Neuschneetotal von gesamthaft 91cm kein besonderer Jahrgang. In der Rangliste der schneereichsten Winter seit Messbeginn 1931 liegt er lediglich auf Rang 15. Angeführt wird die Rangliste vom Winter 1962/1963 mit total 148 cm Neuschnee.In Bern hat es im vergangenen Winter auch nicht aussergewöhnlich oft geschneit (mittlere Tabelle). An 21 Tagen fiel in Bern-Wabern mindestens 1cm Schnee – solche Tage werden als Schneetage bezeichnet. Damit liegt der Winter 2008/2009 im langjährigen Vergleich seit 1931 nur auf Rang 23. Im Winter 1952/1953 wurden dagegen 35 Schneetage verzeichnet.Die «ewige» SchneedeckeBezüglich Schneemengen und Schneetagen war der abgelaufene Winter also weit von einem Rekord entfernt, die These vom 7. Februar wird bestätigt. Weshalb aber waren trotzdem viele Leute der Überzeugung, dieser Winter sei der krasseste gewesen, den es je in der Bundesstadt gegeben habe? Diese Empfindung hat nicht direkt mit dem Schneefall, sondern mit den meteorologischen Rahmenbedingungen zu tun. Im Dezember fiel eine beachtliche Menge Schnee, die dann aufgrund des konstant kühlen und trockenen Wetters sehr lange liegen blieb. Diese Tendenz hatte sich bereits in der Zwischenbilanz vom 7. Februar abgezeichnet. Noch nie seit Messbeginn 1931 lag in Bern-Wabern so lange eine Schneedecke von mindestens 1cm Höhe wie in diesem Winter. 102 Tage waren es, auf Rang 2 folgt der Winter 1962/1963 mit 86 Tagen. «Normalerweise gibt es im Verlauf eines Winters den einen oder anderen Warmlufteinbruch, der die Schneedecke zumindest vorübergehend zum Schmelzen bringt», sagt Stephan Bader, Klimatologe bei Meteo Schweiz. Doch diesmal seien die Temperaturen konstant kühl gewesen. «Es gab aber auch keine Ausreisser hin zu extrem tiefen Temperaturen», ergänzt Bader. Seit dem 11. März liegt bei der Messstelle in Bern-Wabern kein Schnee mehr.Diese «ewige» Schneedecke ist nach Ansicht Baders der Hauptgrund für die besondere Wahrnehmung des Winters in der Bevölkerung. Ein weiterer Grund sei, dass der frühe Wintereinbruch Ende Oktober sowie ein paar happige Schneefall-Einzelereignisse den Eindruck erweckt hätten, es handle sich um einen Extremwinter. Die richtigen StatistikenEin «Bund»-Leser hatte am 10.Februar in einem Leserbrief moniert, die hier wiedergegebenen Statistiken seien nicht die richtigen, um den Winter einzuordnen. Vielmehr müsste beispielsweise die Grösse «Maximale Neuschneehöhe pro 24 Stunden» angegeben werden. Bader von Meteo Schweiz verneint: «Ein Winter kann nicht aufgrund von Einzel- und Extremereignissen charakterisiert werden. Diese sagen nichts aus.» So sei etwa der Winter 1974/1975 ein sehr flauer gewesen, aufgrund von Einzelereignissen im April aber plötzlich zum Lawinenwinter geworden. «Es wäre aber falsch zu sagen, der Winter 74/75 sei ein strenger gewesen», sagt Bader. Die von Meteo Schweiz veröffentlichten Statistiken dagegen liessen Aussagen zu, wie «produktiv» ein Winter effektiv gewesen sei.Zentralschweiz und GotthardAuch im übrigen Kanton Bern war der Winter 2008/2009 bezüglich Schneemengen nirgendwo rekordverdächtig. Bader analysierte für den «Bund» die Messstation Grimsel, die seit den 60er-Jahren in Betrieb ist: «Es sieht nicht nach speziell grossen Mengen aus, doch kann es dort in den nächsten Wochen noch schneien.» Schweizweit gesehen wurde am meisten Schnee in der Zentralschweiz, im Gotthardgebiet und im übrigen Tessin registriert. Ob es Rekordmengen waren oder nicht, wird sich erst zeigen: Bei Höhenlagen ist es noch zu früh für eine Abschlussstatistik.

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