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«Totengräber der Hausarztmedizin»

Der Streit um die neuen Labortarife eskaliert: Rund 15 000 Hausärztinnen und -ärzte sind gestern in der ganzen Schweiz auf die Strasse gegangen. Obwohl die Ärzte den Druck weiter erhöhen wollen, gibt man sich im Departement Couchepin gelassen. Sprecher Jean-Marc Crevoisier enthielt sich jeglicher Kommentare. Die tieferen Labortarife würden wie geplant in zwei Schritten ab Mitte Jahr in Kraft gesetzt. Die Hausärzte wollen jedoch nicht locker lassen: Als erstes übermitteln sie keine Todesfallstatistiken mehr ans Bundesamt für Gesundheit (BAG). Jeden Monat würden weitere Massnahmen ergriffen, falls Couchepin und das BAG nicht einlenkten, sagte François Héritier, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM), an der Kundgebung in Delsberg. Die Patienten sollen dabei nicht zu Schaden kommen. Geplant ist laut SGAM-Sprecher Bernhard Stricker, weitere Statistiken nicht mehr an den Bund zu geben. Scharfe Worte fielen an den Kundgebungen im ganzen Land – und die Zielscheibe des Ärgers war stets Pascal Couchepin. Der Gesundheitsminister sei der «Totengräber der Hausarztmedizin», er veranstalte ein «Spargekläff» und solle in seine Heimatstadt Martigny zurückkehren, hiess es etwa. Ausgelöst hatte Couchepin all diese Kritik mit der Senkung der Tarife für Laboruntersuchungen. Damit mache er es den Hausärzten unmöglich, selber ein Labor kostendeckend zu betreiben, kritisieren die Allgemeinpraktiker. Ohne Labor werde den Hausärzten aber eines der wichtigsten diagnostischen Werkzeuge genommen. Dank dieser Präsenzdiagnostik könnten die Hausärzte heute rund 80 Prozent der Patienten selber abschliessend behandeln, ohne sie weiterzuverweisen und Folgekosten zu verursachen. Darüber hinaus warfen die Hausärzte Couchepin vor, er betreibe eine Anti-Hausarzt-Politik, die für eine grosse Zahl von Praxen das Aus bedeuten werde. Hintergrund dieser Kritik sind die grossen Lohndifferenzen zwischen Allgemeinpraktikern und Spezialisten. Professor Peter Tschudi vom Basler Institut für Hausarztmedizin kündigte an der Basler Kundgebung eine Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin» an. In den nächsten Jahren würden in den beiden Basel rund 200 Hausärzte pensioniert. Der Nachwuchs aber fehle. (sda)>

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