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Tödliche Schüsse aus Zorn und Schmach

Weil ein 53-jähriger Kosovare sich von jungen Landsmännern gedemütigt fühlte, erschoss er in Uetendorf einen 25-Jährigen. Grund für die Schiesserei war ein Streit um zehn Franken Spielergeld.

Bereits zum zweiten Mal musste sich das Obergericht mit dem gleichen Fall beschäftigen – und es kam auch gestern wieder zum gleichen Schluss wie im Oktober 2007. Der 53-jährige Kosovare, der 2004 im Albanerclub «Berisha» in Uetendorf einen Landsmann erschoss, habe vorsätzliche Tötung begangen. Das Obergericht hält daran fest, obwohl der Mann zuerst vom Kreisgericht Thun wegen Notwehr freigesprochen wurde und das Bundesgericht den Fall im vergangen Herbst wegen lückenhafter Berücksichtigung des Sachverhalts und zu hoher Strafe ans das Obergericht zurückwies, wie die vorsitzende Oberrichterin Renate Schnell gestern sagte. Die Strafe für den 53-jährigen Kosovaren korrigierte das Obergericht aber nun von ursprünglich sechs auf viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe hinunter. Dies tat das Obergericht offensichtlich auf Geheiss des Bundesgerichts: «Dass die Strafe zu hoch sei, ist nur schwer nachvollziehbar», sagte Schnell.

Streit wegen zehn Franken

Noch am Nachmittag vor der Tat sassen der Täter und sein Opfer gemeinsam an einer Bar in einem Einkaufszentrum in Thun. Am Abend waren sie dann wieder beide im «Berisha». Der Verurteilte spielte mit anderen Männern Karten, wobei es zu einem Streit wegen zehn Franken kam, der in einer Schlägerei endete. Der Kosovare wurde von mehreren jungen und unbekannten Männern geschlagen, unter anderem mit Billardstöcken. Am Kopf blutend, verliess er gemäss dem ersten schriftlichen Urteil des Obergerichts das Lokal und fuhr nach Spiez, wo er und seine Frau mit ihrem gemeinsamen Kind wohnen. Er holte eine Pistole und bot, wie Schnell sagte, vier Männer auf, die sich alle im «Berisha» einfanden. Angeblich wollte der Angeschuldigte herausfinden, wer ihn zuvor verprügelt hatte, um danach zur Polizei zu gehen. Er setzte sich aber Bier trinkend mit seinen Kollegen an einen Tisch. Als der junge Landsmann, mit dem er am Nachmittag an der Bar gewesen war und der sich nicht an der Schlägerei beteiligt hatte, auf seinen Tisch zukam, eskalierte die Situation erneut. «Aus Sicht des Angeklagten schlug sich der junge Mann auf die Seite der jungen Schläger. Das empfand er als Demütigung», sagte Schnell. Als der junge Kosovare ihm mit seinem Revolver auf den bereits verletzten Kopf schlug, erschoss der 53-Jährige seinen Landsmann und Vater von zwei Kindern aus nächster Nähe mit zwei Schüssen.

Die Frechheit, ihn zu schlagen

Der Angeschuldigte habe um sein Leben gefürchtet, weil er gewusst habe, dass der 25-Jährige, gegen den ein Strafverfahren am Laufen war, nicht vor dem Schiessen zurückschrecken würde, sagte Fürsprecherin Eva Saluz. Zudem habe er sich schwach und krank gefühlt und sich nicht auf das geforderte Duell vor der Bar einlassen können. Die Oberrichterin hingegen sagte, der Mann sei nicht in die Bar zurückgekommen, weil er herausfinden wollte, wer ihn geschlagen hätte – dafür hätte er nicht vier Männer aufbieten müssen. «Er kam nur wegen der jungen Männer», sagte sie. Denn er sei gekränkt, zornig und schmerzerfüllt gewesen, weil die Jungen seinen Willen nicht respektiert und ihn gedemütigt hätten, ja sogar die Frechheit gehabt hätten, ihn zu schlagen. Die Pistole habe er zu Hause in Spiez geholt, weil er auch bereit gewesen sei, die Waffe einzusetzen, sagte Schnell.

Nach den tödlichen Schüssen auf den 25-Jährigen schoss ein Mitstreiter des Verurteilten fünf Mal auf einen anderen Mann, der sich einmischen wollte. Das Opfer wurde verletzt, und der Täter wurde vom Obergericht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt. Diese Tat stand aber gestern nicht mehr zur Diskussion.

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