Zum Hauptinhalt springen

Polizei tat sich schwer mit dem Rechnen

Der Kanton gab für die Euro 08 rund 10 Prozent weniger Geld aus als vorgesehen. Weil aber auch die Einnahmen hinter den Erwartungen blieben, belaufen sich die Gesamtkosten auf 6,3 Millionen Franken.

Es war ein friedliches Fest: Die Euro 2008 in Bern. (Beat Schweizer)
Es war ein friedliches Fest: Die Euro 2008 in Bern. (Beat Schweizer)

Teures Missverständnis zwischen Bund und Kanton: Weil die einen von Brutto-Beträgen sprachen und die anderen Netto-Beträge meinten, sieht die Euro-08-Schlussabrechnung weit weniger gut aus als erwartet. 1,5 Millionen Franken kostet den Staat Bern der Berechnungsfehler der Kantonspolizei (Kapo). Das geht aus dem Euro-Schlussbericht hervor, den der Regierungsrat gestern publizierte. Die Fehlkalkulation sei natürlich schon ein Wermutstropfen, sagte der bernische Polizei- und Militärdirektor Hans-Jürg Käser (fdp) auf Anfrage. Er habe keine Freude daran und habe das auch intern kommuniziert. Konsequenzen werde der Fehler für die Kapo aber nicht haben. Laut Käser ist die leidige Sache auf ein Missverständnis zurückzuführen. Dem Regierungsrat sei nicht bewusst gewesen, dass die Kantonspolizei und der Bund nicht vom Gleichen gesprochen hätten. Der Bund klemmt Weniger eingenommen als geplant hat der Kanton auch, weil der Bund nicht die ganze Pauschale von 2,1 Millionen ausbezahlt hat. Laut Schlussbericht nahm er eigenhändig einen Abzug von 230000 Franken vor. Dies mit dem Argument, dass ihm Kosten für die Bereitstellung- und Wiederinstandstellung von Material und Fahrzeugen entstanden sind, welche die Benutzer zu tragen hätten. Diese Sichtweise wird vom Kanton bestritten. Negativ zu Buche schlug sich, dass keine ausländischen Polizisten zum Einsatz kamen. Der Kanton konnte deshalb die dafür budgetierten 400000 Franken nicht in Rechnung stellen. Obwohl das Budget von 5,5 Millionen Franken nicht eingehalten werden konnte, zieht die Kantonsexekutive eine positive Schlussbilanz: Auch nach Berücksichtigung des unerwarteten Mehraufwands stehe Bern im Vergleich der Host-Citys immer noch gut da. So gab die Baselbieter Regierung vor zwei Wochen bekannt, dass allein die Public-Viewing-Arena in Bubendorf ein Defizit von 4,3 Millionen Franken verursacht habe. Noch keine Rechnungsabschlüsse präsentierten bis dato die Kantone Zürich und Genf. Fest steht, dass Stadt und Kanton Bern mit Gesamtausgaben von rund 11,3 Millionen das tiefste aller Euro-Budgets haben. Weniger ÜbernachtungenDas drittgrösste Sportereignis der Welt verschaffte Bern dank den Holländern viel Medienpräsenz. Die Euro sei unbezahlbare Werbung für die Stadt und den Kanton gewesen, sagte Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (sp) auf Anfrage. Was den wirtschaftlichen Nutzen der Euro 08 angeht, fällt die Bilanz höchst zwiespältig aus: Die Betriebe der Hotellerie Bern und Mittelland beispielsweise verzeichneten im letzten Juni 12,8 Prozent weniger Übernachtungen als im Juni 2007. Gar ein Minus von 13 Prozent erlitten die Stadtberner Hotels («Bund» von gestern). Dieser Rückgang erkläre sich dadurch, dass viele Firmen und Reiseveranstalter die Zeit der Euro für Seminare, Kongresse und Reisen nach Bern komplett gemieden haben, heisst es in dem Schlussbericht. Beizen: Sieger und VerliererMehr profitiert als die Hotels habe die Parahotellerie. «Dort war die Auslastung gut», schreibt die Regierung. Sehr unterschiedlich waren die Auswirkungen auf die Gastrobetriebe. Restaurants in Berns Innenstadt und entlang der Fan-Meile hätten «Super-Umsätze» erzielt. «In anderen Gaststätten war der Effekt der Euro dagegen eher negativ.» Dennoch hält der Regierungsrat fest: «Der kurzfristige wirtschaftliche Nutzen fällt positiv ins Gewicht. Der langfristige wirtschaftliche Nutzen ist kaum messbar.»Fans: Kein Interesse an AusflügenInsgesamt reisten rund 200000 Fans aus dem Ausland an. Jedoch waren die wenigsten von ihnen empfänglich für das Angebot an Tagesausflügen, welches Bern Tourismus zusammengestellt hatte. 8024 Supporter kauften sich ein verbilligtes Ticket für eine der beworbenen Sehenswürdigkeiten oder Freizeitattraktionen im Kanton Bern. Die Hälfte der 150000 Broschüren musste nach der EM eingestampft werden. Die Regierung schreibt dazu: «Insgesamt bewahrheitete sich, dass die Gäste/Fans wegen der Fussballspiele und des Gemeinschaftserlebnisses anreisten und somit für Ausflüge in die Region und das Rahmenprogramm kaum empfänglich waren.»Aufschlussreiche Zahlen liefert der Schlussbericht zu den Freiwilligen und den Blaulichtorganisationen. 480 Freiwillige waren als Informanten und Gästebetreuer unterwegs. Über 500 weitere Freiwillige wurden in den Bereichen Public Viewings und Verkehr eingesetzt. Insgesamt waren an den Spieltagen rund 2700 Angehörige von Polizei (1100 Beamte), Zivilschutz, Sanität, Feuerwehr und Armee in Bern im Einsatz. An Nichtspieltagen waren es gegen 1700 Personen, davon 260 bis 350 Polizisten.Toi-Toi-WCs bei Vandalen beliebtDie Polizei hatte verhältnismässig wenig zu tun. 223 Personen wurden vorübergehend festgenommen; dazu kamen 415 Meldungen im Bereich der Kleinkriminalität. «Taschen- und Portemonnaiediebstähle führten die Rangliste an – hier dürfte wohl auch die Dunkelziffer am grössten sein.» Interessant die Feststellung in der Rubrik Sachbeschädigungen: «Spitzenreiter ist überraschend die Brandstiftung an mobilen WC-Anlagen: 24 der Toi-Toi-WCs mussten von der Berufsfeuerwehr gelöscht werden.»>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch