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Politiker gegen «Tierschutz-Taliban»

Der Besitzer hat kapituliert und gibt seine Schwarzschwäne weg. Nun steigen die Politiker auf die Barrikaden, damit die exotischen Vögel auf dem Thunersee bleiben können.

Einer der schwarzen Schwäne auf dem Thunersee. (Franziska Scheidegger)
Einer der schwarzen Schwäne auf dem Thunersee. (Franziska Scheidegger)

Am Dienstag schien es, als würde das letzte Kapitel einer 20-jährigen Geschichte abgeschlossen: Markus Krebser, der Besitzer der Schwarzschwäne vom Thunersee, liess verlauten, er gebe alle seine Tiere weg. Damit setze er den «Anfeindungen und den immer unverständlicheren und zermürbenden Auseinandersetzungen» ein Ende («Bund» von gestern). Krebser hatte nach dem Entscheid des Kantons vom 14. Mai keine andere Möglichkeit mehr gesehen. Der Kanton hatte ihn unter anderem dazu verpflichtet, seinen grossen Garten mit einem Netz zu überspannen und den Schwänen die Flügel zu stutzen.

Wie sich nun zeigt, ist die Geschichte noch längst nicht zu Ende. Verschiedene Politiker wollen aktiv werden, allen voran der Sigriswiler SVP-Nationalrat Adrian Amstutz. Bereits gestern Abend haben sie sich zu einer Sitzung getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Heute soll darüber informiert werden. Amstutz wollte gestern noch nicht sagen, wer mitmacht. Er sagte lediglich, es seien Politiker aller staatlichen Ebenen involviert.

Es sei für ihn unverständlich, sagte Amstutz, wenn sich die Bürokratie eines Landes so lange mit einem Scheinproblem befasse. Bei den Schwarzschwänen sei es seit 20 Jahren erwiesen, dass sie kein Problem darstellten.

«Legitimierte Fertigmacher»

Amstutz gehörte vor zwei Jahren zu den Erstunterzeichnern einer Petition von Schwanenfreunden. Diese forderten, «dass der Schwarzschwan auf dem Thunersee ohne Begrenzung des Bestandes und auf Zusehen hin frei leben und sich vermehren kann». Das Anstechen der Eier sollte gemäss Petitionären so gehandhabt werden wie bei den weissen Schwänen. Diese Forderung brachte die Tierschützer aufs Tapet und veranlasste schliesslich die Kantonsbehörden zu handeln.

Amstutz bestätigte dem «Bund» gestern auch die Sätze, die er dem «Thuner Tagblatt» am Vortag zu Protokoll gegeben hatte: «Die Tierschutz-Taliban haben sich durchgesetzt. Das ist traurig für die schönen Schwarzen Schwäne, traurig aber auch für uns Menschen am Thunersee.» Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Dies hofft auch das «Thuner Tagblatt», das sich seit jeher für die Schwarzschwäne einsetzt: Die «amtlich legitimierten Fertigmacher und Paragrafenreiter» hätten ihr Ziel erreicht, heisst es im Kommentar von gestern – und zwar «entgegen dem Willen der Volksseele, die sich hinter die Schwäne stellt».

Die Hoffnung der Schwanenfreunde liegt nun zunächst beim Grossen Rat. Dieser behandelt nächste Woche die Motion der beiden Thuner SVP-Grossräte Andreas Lanz und Carlo Kilchherr. Lanz sagte gestern, die Schwarzschwäne seien eine touristische Attraktion. Hier werde leichtfertig eine Gratisofferte ausgeschlagen. Zu überlegen sei aber ein nationaler Weg.

Auf diesen Weg setzt auch Matthias Kummer, Präsident des Vereins Thunersee – Schwanensee. Als Erstes sei die Frage einer bundesrätlichen Ausnahmebewilligung zu klären. Langfristig gehe es um Ausnahmebestimmungen in den entsprechenden Gesetzesartikeln.

Nach dem Negativentscheid des Kantons war von der Thuner Bevölkerung erstaunlich wenig zu hören – kein Sturm der Entrüstung, nichts. Kummer glaubt, das Volk werde sich erneut hinter die Schwäne stellen. So siehts auch Andreas Lanz: Wichtig sei, dass der Verein nicht aufgebe. Viele Leute in Thun fühlten sich in dieser Sache von den Behörden abschätzig behandelt.

Verena Wagner, Präsidentin von Pro Natura Region Thun, glaubt nicht, dass der nationale Weg für die Schwanenfreunde zum Ziel führen wird. Sie verweist auf die «vielen internationalen Abkommen und Vereinbarungen». Sie könne sich nicht vorstellen, dass das Bundesgesetz den Schwarzschwänen angepasst werde. Pro Natura hatte sich konsequent gegen die Forderungen der Petition gewehrt.

Und Markus Krebser: Würde er die Schwarzschwäne zurückholen, wenn sie auf dem Thunersee eine Zukunft hätten? Ganz schliesse er das nicht aus, sagte er gestern. Seine Rolle sähe er aber eher als Berater. Zunächst wäre es aber an der Stadt Thun und am Kanton Bern, etwas für diese Sache zu leisten.

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