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Nun sind Menschen im Bärengraben

Die Übergangslösung bis zur Eröffnung des neuen Bärenparks Ende Oktober: Ab morgen können Bären suchende Touristen den Bärengraben für einmal aus anderer Perspektive betrachten.

Der Tierpark-Direktor Bernd Schildger (rechts) im Bärengraben – für einmal an ungewohnter Stelle. (Beat Schweizer)
Der Tierpark-Direktor Bernd Schildger (rechts) im Bärengraben – für einmal an ungewohnter Stelle. (Beat Schweizer)

Seit dem 30. April und dem Tod seines letzten Bewohners Pedro steht der Bärengraben leer. Der neue Bärenpark wird erst am 22. Oktober dieses Jahres eröffnet. Dannzumal soll das skandinavische Braunbärenpaar Finn und Björk, derzeit wohnhaft im Tierpark Dählhölzli, in den Bärenpark einziehen. Doch wie soll der grosse Bärengraben, der auch Bestandteil des Bärenparks sein wird, in der Zwischenzeit genutzt werden? Die Frage stellt sich gerade jetzt, zu Beginn des Sommers, da die Tourismus-Hochsaison anbricht.

Die bürgerlichen Stadtratsparteien FDP, BDP und SVP hatten mit einem dringlichen Postulat gefordert, dass Finn und Björk vorzeitig aus dem Tierpark in den Bärengraben umgesiedelt werden sollen («Bund» vom 12. Mai). Heftige Reaktionen unter der Berner Bevölkerung, die ihrerseits in zahlreichen Leserbriefen Vorschläge einbrachte, waren die Folge. Gestern nun haben Bern Tourismus und der Tierpark Dählhölzli ihr gemeinsam erarbeitetes Projekt zur Übergangsnutzung des Bärengrabens vorgestellt.

«Sich wie ein Bär fühlen»

Zur Hauptattraktion des Projekts zählen geführte Besichtigungen des Bärengrabens. In Gruppen von maximal zwanzig Leuten soll es Touristen ermöglicht werden, in den Bärengraben hinabzusteigen und diesen für einmal aus der Sicht der Bären zu erleben. Die Besichtigungstour dauert eine halbe Stunde, ist kostenlos und wird viermal am Tag durchgeführt. Begleitet werden die Besucherinnen und Besucher von zwei Aufsichtspersonen, die nebst ihrer erklärenden Funktion auch dafür sorgen sollen, dass es zu keinen Unfällen kommt. Insbesondere die Kletterbäume sowie der Wasserteich könnten für Kinder gefährlich werden. Letzterer ist mit doppelten Sperrschranken abgeschirmt worden. Auf diese Weise soll auf der einen Seite die Sicherheit der Besucher gewährleistet sein, auf der anderen Seite jedoch auch das Gesamtbild des Bärengrabens nicht übermässig verunstaltet werden, sagt Markus Lergier, Direktor von Bern Tourismus. Auch wenn kein Bär im Graben ist, gilt aber: Betreten auf eigene Gefahr. Diese Variante der Übergangsnutzung erlaube dem Besucher, sich selber wie ein Bär zu fühlen, so Lergier weiter. Die Forderungen der bürgerlichen Stadtratsparteien seien aus Tierschutzgründen «gar nicht in Frage gekommen», wie er betont. «Finn und Björk sind an ein grösseres Gehege gewöhnt und hätten auf eine Umsiedlung in den Bärengraben mit Verhaltensstörungen reagiert.»

Bärenwärter mit Sommerjob

Bärenwärter Walter Bosshard ist ebenfalls überzeugt davon, dass diese Variante eine gute Lösung des Problems darstellt. Ob er denn nun in den Sommermonaten ohne Bär nicht arbeitslos sei? «Auf keinen Fall», erwidert er. Die Vorbereitung des Bärenparks gebe genug zu tun; zudem werde er bei den öffentlichen Besichtigungen im Bärengraben als Touristenführer amtieren und von seinen Erfahrungen erzählen, die er im Verlauf seiner drei Jahre als Bärenwärter gesammelt habe.

In der Rikscha zum Tierpark

Ein weiteres Element des Projekts zur Übergangsnutzung besteht darin, den Touristen Rikschafahrten vom Bärengraben zum Tierpark Dählhölzli anzubieten. Das Unternehmen Rikscha-Taxi Schweiz wird mit insgesamt sechs Fahrzeugen operieren, zwei davon sollen jederzeit am Bärengraben bereitstehen. Das Tourist Center im Alten Tramdepot gibt die Gutscheine ab, welche zusätzlich zur Gratisbesichtigung des Bärengrabens auch zu einer Rikschafahrt hin und zurück für zehn Franken berechtigen. Im Gutschein inbegriffen ist zudem eine 50-Prozent-Ermässigung auf einen Eintritt in den Tierpark. Für weitere Ideen zur Übergangsnutzung des Bärengrabens sei man grundsätzlich offen, sagt Bern-Tourismus-Direktor Lergier. So werde derzeit geprüft, ob eine Webcam-Liveübertragung des Alltags des Bärenpaares aus dem Tierpark machbar sei.

«Gutes Ersatzprogramm»

Was sagen die ehemaligen Postulanten der bürgerlichen Stadtratsparteien zur Übergangslösung? Kurt Hirsbrunner (bdp) zeigt sich erfreut über das umgesetzte Projekt. Er sei sich bewusst, dass die bürgerlichen Parteien mit ihrem Postulat vielen Tierfreunden auf die Füsse getreten seien, was ihm sehr leid tue. Nun habe das Postulat am Ende doch noch zu etwas Gutem geführt, denn es habe bewirkt, dass sich der Stadtberner Gemeinderat intensiv mit dem Problem des leer stehenden Bärengrabens auseinandergesetzt und eine Lösung vorangetrieben habe. «Ich bin glücklich darüber, dass den Touristen nun ein gutes Ersatzprogramm geboten wird», gibt sich Hirsbrunner versöhnlich. «In den Bärengraben hinuntergehen werde ich aber trotzdem nicht, sonst steinigen mich die Leute am Ende noch.»

Nachwuchs lässt auf sich warten

Ende Oktober, wenn der neue Bärenpark eingeweiht wird, sollen die öffentlichen Besichtigungen im kleinen Bärengraben weitergeführt werden, erklärt Bernd Schildger, Direktor des Tierparks Dählhölzli. In den ehemaligen Stallungen zwischen den beiden Gräben werde zudem ein Geschenkartikelladen eingerichtet, der Plüschtiere und sonstige Souvenirs feilbietet.

«Der grosse Bärengraben wird Finn und Björk als Refugium dienen, sollten sie sich an gewissen Tagen aus dem Weg gehen wollen», so Schildger weiter. Ob bald mit Nachwuchs von ihnen zu rechnen sei, könne nicht mit Sicherheit gesagt werden. Bei den Braunbären könnten von der Paarung bis zur Geburt der Jungen sechs bis neun Monate vergehen, je nachdem, wie schnell sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einniste. Bärenwärter Bosshard bestätigt dies: «Von Mai bis August ist Paarungszeit; voraussichtlich sollte der erhoffte Nachwuchs also zwischen Dezember 2009 und Februar 2010 eintreffen.» Platz ist im neuen Bärenpark auf jeden Fall genug vorhanden: Mit einer zehnmal grösseren Fläche als der bisherige Bärengraben wird er auch den Bären ganz neue Perspektiven eröffnen: so zum Beispiel den Blick hinauf zum Münster während eines kühlen Bades in der Aare.

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