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Kein Club für Warmduscher

Da kriegt man nur schon vom Zusehen Gänsehaut: Jeden Freitag von November bis März springen die Mitglieder des «Gfrörliclubs» in die eiskalte Aare. Wieso man sich so etwas antut? «Es macht halt einfach süchtig», lautet die Antwort.

Für Otto-Normalschwimmer ist schon bei 15 Grad Celsius die Schmerzensgrenze erreicht. Sobald im Herbst die Temperatur der Aare unter diesen Wert sinkt, setzen die meisten keinen Fuss mehr in den Fluss. Hier fängt aber für einen «Gfrörli» der Spass erst an: Jeden Freitag von November bis März treffen sich die Mitglieder des gleichnamigen Clubs für einen «Schwumm» in der Aare. Auch diesen Freitag ist es wieder so weit: Um 11.30 Uhr versammeln sich 8 Gfrörlis am Altenbergsteg unterhalb der Kornhausbrücke. «Normalerweise sind wir etwa 10 bis 15 Leute», sagt Christian Binz, Medienbeauftragter des 30 Mitglieder zählenden Clubs. Weshalb heute weniger Leute gekommen sind, weiss er nicht. An der Wassertemperatur von gerade mal 6,3 Grad Celsius liegt es anscheinend nicht. «Sechs Grad – das ist doch für Warmduscher», sagt Binz scherzhaft. Es sei zwar tatsächlich die bislang tiefste Wassertemperatur in diesem Winter, fügt der PR-Gfrörli hinzu. «Unter vier Grad ist das Wasser aber selten.»

«Es macht süchtig»

Unterdessen zahlen die umher stehenden Clubmitglieder die Startgebühr. 50 Rappen pro Person wandern in einen hohlen Kugelfisch aus Gummi. «Das ist die Kasse für unseren Jackpot», erklärt Christian Binz. Wer bis zum 21. März, das Ende der Saison, am längsten im Wasser ausgehalten habe, erhalte zwei Drittel der einbezahlten Beiträge. «Meistens sind das etwa 80 bis 120 Franken.» Wegen des Jackpots alleine mache jedoch niemand beim Gfrörliclub mit, wie Binz sagt. «Es macht halt einfach süchtig.» Die Berner Gfrörlis seien übrigens nicht die einzigen: Bereits gebe es in Solothurn und Zürich Ableger des erst drei Jahre alten Clubs.

«Einfach rein»

Nun schlägt die Stunde der Wahrheit: Bloss mit Badehosen bekleidet stehen die Gfrörlis auf der mit Schnee bedeckten Treppe – Neoprenanzüge und weitere wärmende Massnahmen sind nicht erlaubt. Eine Strategie, wie man sich an die Kälte gewöhnt, gibt es nicht. «Einfach rein» ist die Devise. Getreu diesem Motto springt der erste Gfrörli – ein Mann mittleren Alters – in die Aare. Die restlichen Mitglieder fassen sich an den Händen und folgen ihm. Ziel des Schwumms ist der nächste Ausstieg, etwa 50 Meter flussabwärts. Schreiend und prustend kämpfen sich die Gfrörlis durchs eisige Nass. Auf dem Altenbergsteg steht eine junge Frau und beobachtet die Szene ungläubig.

«Zehen schmerzen am meisten»

Schliesslich erreichen die Gfrörlis den Steg. «Am schönsten ist es, wenn man herauskommt», sagt Annemarie Blaser. Zusammen mit zwei anderen Clubmitgliedern hält sie bislang den Rekord fürs längste Ausharren im Wasser – obwohl sie erst seit einer Saison dabei ist, wie sie sagt. Heute indes bleibt sie auf dem Trockenen, während fünf Mit-Frierende eine weitere Runde im Fluss drehen. Die Frau giesst warmes Wasser aus einer PET-Flasche über ihre feuerroten Zehen. «Das ist nach dem Schwimmen Pflicht», sagt sie. Ihre Kollegin Lucia Lanfranconi pflichtet ihr bei. «Die Zehen schmerzen am meisten.» Der Rest des Körpers prickle hingegen angenehm, wenn man aus der Aare steige. Trotz der tiefen Temperaturen sei der Schwumm heute angenehm gewesen, so Lanfranconi. «Schlimmer war es, als im November die Aare innerhalb einer Woche um zwei Grad kälter wurde.»

Schliesslich hat auch der letzte Gfrörli den Fluss verlassen und steht mit einem dampfenden Becher Punsch am Ufer. «Die nächsten zwei Wochen machen wir wegen der Feiertage Pause», sagt Christian Binz. Einen offiziellen Schwumm werde es während dieser Zeit nicht geben. «Ihr dürft aber natürlich privat in die Aare», so Binz. Aus der Gruppe erhebt sich zustimmendes Gemurmel. Der Fluss dürfte auch die nächsten Wochen über nicht verwaist sein.

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