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«Immer soll ich an allem Schuld sein»

In Madiswil sol ein Mann seine Schwägerin erschossen haben. Vor dem Kreisgericht Aarwangen-Wangen streitet der 57-Jährige alles ab.

Anfang November 2007 wurde auf dem Parkplatz beim Coop in Madiswil eine tote Frau in ihrem Wagen entdeckt. Die 47-Jährige aus der Region war erschossen worden. Mit Hochdruck suchte die Polizei nach dem Täter und verhaftete schliesslich den Bruder ihres Ex-Mannes. Doch vieles bleibt bis heute unklar, und der mutmassliche Täter streitet alles ab: «Immer soll ich an allem Schuld sein», sagte der 58-Jährige gestern vor dem Kreisgericht Aarwangen-Wangen. Er muss sich vor dem Gericht wegen vorsätzlicher Tötung verantworten.Auch zwei Kinder der getöteten Frau sagten vor Gericht, sie könnten sich nicht vorstellen, dass ihr Onkel ihre Mutter erschossen hätte. Früher hatten alle, die fünfköpfige Familie des Opfers und zwei Schwager, zusammen auf einem Bauernhof gelebt. «Wir haben nicht viel geredet in der Familie», sagte die 18-jährige Tochter. Dafür wurde offensichtlich in der Nachbarschaft und im Dorf umso mehr getratscht, etwa über die «spezielle Beziehung» zwischen dem Opfer und ihrem Schwager, dem Angeklagten. Ihre Mutter sei oft bei ihm im Stöckli gewesen und habe mit ihm ferngesehen, erzählte die Tochter. Sie habe ihn an Jodlerabende begleitet, sagte der Angeklagte, und vor allem habe sie für ihn gekocht. Der Angeklagte leidet seit über zwanzig Jahren an Diabetes, und nur seine Schwägerin habe gewusst, wie er sich richtig ernähren könne. Trotz allem habe zwischen ihm und seiner Schwägerin nie eine intime Beziehung bestanden, sagte der Angeklagte.Die Ex-Frau mit Pistole bedroht«Überraschend» sei die Frau 2006 ausgezogen, sagten die Kinder und der Angeklagte. Der Ex-Ehemann erschien gestern nicht vor Gericht und der zweite auf dem Hof lebende Schwager verweigerte die Aussage. Der vorsitzende Richter Friedrich Aebi zitierte aber aus den Einvernahmen, dass der Schwager eifersüchtiger gewesen sei als ihr damaliger Ehemann, als die Frau zu einem anderen Mann in ein Nachbardorf gezogen sei. Dort soll der Angeklagte mehrere «Auftritte» gehabt haben und Steine und Dreck an das Fenster seines Kontrahenten geworfen haben. «Er war jähzornig», erzählte der damalige Partner der Getöteten. Der Schwager habe das Opfer verfolgt und die Frau immer wieder treffen wollen, um sie dazu zu bewegen, wieder nach Hause zu kommen.Gegenüber Freundinnen habe die Frau vor ihrem Tod gesagt, dass sie sich bedroht fühle und dass er sie vielleicht erschiessen werde, sagte der Richter. Bereits einmal bedrohte der Angeklagte eine Frau mit einer Pistole – vor über zwanzig Jahren im Gerichtssaal in Aarwangen, als er von seiner Ehefrau geschieden wurde. «Ich habe niemanden erschossen», beteuerte der Angeklagte gestern immer wieder, der seit der Scheidung keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern hat.Auf die Mutmassung durch das Gericht, es könnte ein Unfall oder eine Kurzschlusshandlung gewesen sein, stieg der Angeklagte nicht ein. Viele Indizien sprechen aber gegen seine Unschuld. So soll das Opfer auf einem Zettel notiert gehabt haben, dass es sich beim Coop in Madiswil mit jemandem – vermutlich seinem Schwager – treffen wolle. Seit diesem Tag wurde die Frau vermisst und fünf Tage später tot aufgefunden. An ihrem wahrscheinlichen Todestag verschwand der Schwager nach dem Mittagessen für über eine Stunde, wie die Kinder des Opfers erzählten. Anscheinend habe er zwei Nachbarn besuchen wollen, die aber beide nicht zu Hause waren. «In dieser Zeit kann man längstens bis Madiswil fahren», sagte der Richter.«Der Grund ist wegen ihr»Erst bei der zweiten Hausdurchsuchung beim Angeklagten fanden die Polizisten ein Testament, das er offensichtlich in der Zwischenzeit geschrieben hatte. Er teilte darin sein Vermögen auf die drei Kinder des Opfers auf und versah das Testament mit der Notiz: «Der Grund ist wegen ihr.» Wenn er jemanden erschiessen würde, dann am ehesten sich, sagte der Angeklagte. Bereits nach dem Wegzug seiner Schwägerin soll er Suizidgedanken geäussert haben und war deswegen auch eine Weile in einer psychiatrischen Klinik.Der Prozess wird heute mit der Einvernahme von weiteren Zeugen und Experten fortgesetzt. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

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