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Der Tunnel, den Linke und Grüne ablehnten

Im Rahmen des Eröffnungsfests vom Samstag darf der Neufeldtunnel zu Fuss besichtigt werden, dann rollt der motorisierte Verkehr hindurch. Der Kanton hat die Röhre im Auftrag des Bunds zur Entlastung der Länggasse erstellt.

Durch das neue Portal im Neufeld rollt ab Sonntag der Autoverkehr. (Valérie Chételat)
Durch das neue Portal im Neufeld rollt ab Sonntag der Autoverkehr. (Valérie Chételat)

Das Viererfeld war drei Jahre lang eine tiefe Baugrube, nun ist es planiert und frisch bepflanzt. Eine Erschliessungsstrasse, Baubaracken, dicke Stahlträger und Maschinen erinnern noch an die Grossbaustelle. Innert dreier Jahre baute der Kanton Bern hier im Auftrag des Bundesamts für Strassen im Tagbau den sogenannten Neufeldzubringer – ein Teilstück des 1960 beschlossenen Nationalstrassennetzes. Diesen Samstag wird der Tunnel mit einem Fest eingeweiht (siehe Kasten).

Vom Westportal, das zwischen dem Parkhaus Neufeld und dem Car-Terminal liegt, und dem Ostportal an der Tiefenaustrasse erstreckt sich die unterirdische, zweispurige, 556 Meter lange Direktverbindung. Die Kosten inklusive der flankierenden Verkehrsmassnahmen (siehe Text oben) belaufen sich auf rund 80 Millionen Franken. Drei Viertel der Kosten trägt der Bund. Wegen neuer Sicherheitsvorschriften verteuerte sich der Bau. Durch das Gefälle von 25 Metern entsteht ein Luftzug, der die Abgase aus der Röhre bläst. Vor Monatsfrist fand eine gross angelegte Rettungsübung statt («Bund» vom 8. Juli).

Über 400000 Kubikmeter Erde mussten entfernt werden. Für das u-förmige Profil, das auf einer Bodenplatte ruht, waren 18000 Kubikmeter Beton nötig. Durchschnittlich standen auf der Baustelle 70 Arbeiter im Einsatz. Der bestehende Autobahnanschluss Neufeld musste umgebaut werden. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Umplatzierung der Hüttendorfsiedlung Zaffaraya.

Zwei statt vier Spuren

Autofahrende, die von Westen oder Osten auf der Autobahn Richtung Bern fahren, erhalten einen direkten Zugang zum Tunnel. Die Rampe bei der Ausfahrt Neufeld Richtung Bremgarten und Aarberg bleibt geschlossen. Es handle sich um ein Überbleibsel des ursprünglichen, vierspurigen Neufeldtunnel-Projekts, sagt Aldo Quadri, Projektleiter Nationalstrassenbau beim Kanton. Inzwischen ist das Projekt redimensioniert worden. Das Fragment der Auffahrrampe dient fortan als Abstellfläche für Unterhaltsdienste.

Als Schlüsselstelle des Bauwerks bezeichnet Quadri die Erstellung des Ostportals unter Verkehr; sowohl die Tiefenaustrasse als auch die darunterliegende Linie des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) blieben uneingeschränkt in Betrieb. Eine sogenannte Nagelwand und eine neue, mit Bohrpfählen verankerte Stützmauer stabilisieren das Gelände. Eine provisorische Brücke ermöglichte während des Baus den privaten und den öffentlichen Verkehr auf der Engestrasse.

Klares Ja zur Tunnelvariante

In der Volksabstimmung vom 3. März 2002 bevorzugten 66 Prozent der Stimmberechtigten die Variante Verkehrsberuhigung Länggasse mit Tunnel – eine Niederlage für Linke, Grüne, VCS , WWF, Läbigi Stadt und weitere Kreise. Die Unterlegenen wollten zwar die Länggasse ebenfalls beruhigen, lehnten aber den Bau des Tunnels ab. Hauptargument: Das Autofahren in der Stadt Bern werde dank der direkten Tunnelverbindung zur Autobahn attraktiver. Der Tunnel sei ein Rückfall in die Zeit der Betonlösungen.

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