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Chaletbau als Finanzspritze

Tourismusorte wie Grindelwald bekämpfen seit Jahren die «kalten Betten». Trotzdem werden immer noch mehr Zweitwohnungen gebaut, weil es ein lukratives Geschäft ist. Jetzt operieren die Investoren über die ansässigen Hotels.

Trotz Wintereinbruch arbeitet noch eine Handvoll Handwerker auf der Überbauung Fuhrenmatte oberhalb des Bahnhofs in Grindelwald. Die Chalets sind fast fertig, bewohnbar scheinen sie aber noch nicht zu sein. Ausser bei einem steigt vom Kamin auf dem Dach eine dünne Rauchwolke in den Himmel. Die winterliche Idylle mag aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die 14 Wohnungen der acht Luxus-Chalets, wie sie auf einer Tafel zum Verkauf angeboten werden, und die 21 Wohnungen des Residenzbaus hinter dem Romantikhotel Schweizerhof für Zweifel sorgen. Peter und Rudolf Roth aus Grindelwald, die mit Recherchen eine Untersuchung der Missachtung des Erstwohnungsanteilplans (Ewap) auslösten («Bund» vom 9. Dezember), machen weitere Vorwürfe: Nutzungsbeschränkungen zugunsten der sogenannten hotelmässigen Bewirtschaftung sei nur dazu da, Ewap zu umgehen.Mehr als «Hotelservice»?Seit 2007 steht im Baureglement, dass Wohnungen, die in einem engen baulichen und betrieblichen Zusammenhang mit einem Hotel stehen, hotelmässig bewirtschaftet werden können und deshalb vom Ewap ausgenommen seien. Die Nutzungsbeschränkung sei im Grundbuch anzumerken und mit den Käufern der Wohnungen seien Verträge abzuschliessen. Der Gegenstand dieser Verträge geht über «Hotelservice» hinaus, den die Tafel am Eingang der Überbauung anpreist. «Die Besitzer müssen die Wohnungen dem Hotel zur Verfügung stellen», erklärt Emanuel Schläppi, Gemeindepräsident von Grindelwald, und ergänzt: «Sie müssen ihre Wohnungen anbieten. Ob der Hotelbetrieb sie nutzt, ist eine Marktfrage.» Wenn in diesem Fall das Romantikhotel Schweizerhof gar nie Betten mit Hotelgästen belegen kann oder will, bleiben die Betten in den Chalets und dem Residenzbau kalt, ausser sie werden von ihren mehrheitlich ausländischen Besitzern gewärmt.Hotels seien Risikokapital und könnten sich für Renovationen kaum finanzieren, sagt Rolf Neuenschwander, Bauverwalter in Grindelwald. Wohnungen bauen und diese verkaufen, sei eine Variante, die Finanzierung für Hotelinvestitionen sicherzustellen, sagt Schläppi. Zum einen würden die Hotels auf diesem Weg einfacher Kredite bei den Banken erhalten, andererseits könnten sie das Geld aus dem Verkauf der Wohnungen direkt investieren.Unterirdisch verbunden«Hotelmässig bewirtschaftet öffnet Tür und Tor für Missbrauch», sagt René Brigger, Rechtsanwalt aus Basel, der die Gebrüder Roth im Kampf gegen die Überbauung Fuhrenmatte bis vor Bundesgericht vertrat. Die Chalets am Hang machen nicht den Eindruck, dass sie zum «Schweizerhof» gehörten. «Alle benutzen die gleiche Einstellhalle, und die Chalets sind mit einem Treppenlift verbunden», sagt Schläppi. Die Fehler mit Ewap scheinen die Baubehörden sensibilisiert zu haben – im Grundbuchamt sind die «Nutzungsbeschränkungen zugunsten hotelmässige Bewirtschaftung» eingetragen. Obwohl gemäss der Internetseite der Bauherrschaft Swiss Alp Resort AG bis auf vier alle Wohnungen verkauft sind, hat die Gemeinde Grindelwald aber weder die Verträge kontrolliert noch das Verzeichnis von hotelmässig bewirtschafteten Wohnungen angelegt. Dies werde Mitte nächstes Jahr erstellt, hiess es auf der Bauverwaltung. Diese Kontrollelemente hat die Gemeinde im Baureglement festgelegt. Dort steht auch, dass die Bruttogeschossfläche der hotelmässig bewirtschafteten Wohnungen nicht mehr als die Hälfte der gesamten Bruttogeschossfläche des Hotelbetriebs ausmachen darf. Die hotelmässig bewirtschafteten Wohnungen sind gemäss Internetseite der Bauherrschaft zusammen 4581 Quadratmeter gross. Doch niemand will die Bruttogeschossfläche des «Schweizerhofs» preisgeben. «Es ist zu viel am laufen im Hintergrund», sagt der Hotelier des «Schweizerhofs», Otto Hauser. «Die Flächen waren sicher im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens bekannt», sagt Schläppi, der auch keine Angaben machen kann. Er wolle dies aber «haargenau» geprüft haben.Weder Helfer noch VerhindererDie Fläche hätte Bestandteil des Baubewilligungsverfahrens sein müssen, damit die Behörden hätten wissen können, wie viele hotelmässig bewirtschaftete Wohnungen zu bewilligen gewesen wären. «Das Verfahren liegt zehn Jahre zurück, vielleicht hat man diesem Punkt zu wenig Beachtung geschenkt», sagt Schläppi. 1999 hiess die Gemeindeversammlung das Projekt des ehemaligen Chefarzts und Präsidenten des Paraplegikerzentrums Nottwil, Guido A. Zäch, gut. Wegen Spendengeldermissbrauch zog er das Projekt zurück. Schliesslich wurde auf der bestehenden generellen Baubewilligung ein neues, umfangreicheres Projekt der neu gegründeten, aber teilweise aus den gleichen Investoren bestehenden Swiss Alp Resort AG bewilligt. Die Gebrüder Roth bekämpften das Projekt bis vor Bundesgericht, weil es der Regierungsstatthalter versäumt habe, das Projekt zu publizieren und damit ein Einspracheverfahren zu ermöglichen. Das Bundesgericht urteilte nicht in der Sache und liess Roths abblitzen.«Ich wehre mich dagegen, dass die Gemeindebehörden Helfer der Bauwirtschaft sein sollen», sagt Schläppi. Sie seien zwar auch keine «Verhinderer», es gehe darum, das Problem mit den «kalten Betten» zu bekämpfen. Vielleicht kommen dazu bald auch noch kalte hotelmässig bewirtschaftete Betten, denn das nächste Projekt steht seit Langem an; das Hotel Fiescherblick in Grindelwald will ebenfalls Wohnungen bauen. Auch andere Tourismusorte wie Gstaad oder Därligen haben bereits oder wollen auch hotelmässig bewirtschaftet bauen. >

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