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Bund will zweiten Felsenauviadukt

Der Felsenauviadukt gilt als Nadelöhr im Nationalstrassennetz. Die Verbreiterung der Brücke hat sich als nicht realisierbar erwiesen. Nun schlägt der Bundesrat den Bau einer neuen Brücke vor – gegen den Willen von Stadt und Kanton.

Nach neusten Zählungen passieren täglich gegen 120000 Fahrzeuge den sechsspurigen Felsenauviadukt. Kein anderer Strassenabschnitt der Schweiz weist ein so hohes Verkehrsaufkommen auf. Und die Belastung nimmt weiter zu: Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) rechnet bis 2030 mit einer Zunahme der Verkehrsleistungen im motorisierten Personenverkehr um rund 20 Prozent. Eine noch stärkere Zunahme erwarten die Verkehrsfachleute im Güterverkehr. Mit der Erweiterung von Fahrstreifen will der Bund einen Teil der Engpässe im Nationalstrassennetz beseitigen. Beim Felsenauviadukt ist dies allerdings nicht möglich. Das schlanke Werk des renommierten Brückenbauers Christian Menn lässt aus statischen Gründen keine Verbreiterung zu. Deshalb begnügt sich das Bundesamt für Strassen (Astra) mit der Gesamterneuerung der 34-jährigen Stadttangente Bern. Die hauptsächlichen Arbeiten sollen in diesem Jahr in Angriff genommen werden.Ausbau auf acht SpurenLaut dem «Bundesbeschluss über das Programm zur Beseitigung von Engpässen im Nationalstrassennetz und über die Freigabe der Mittel», der bis 17. April zur Vernehmlassung aufliegt, will der Bundesrat den Engpass zwischen Weyermannshaus und der Verzweigung Schönbühl durch Ausbau der Nationalstrasse A1 auf acht Spuren beseitigen. Für die gesamte Engpassbeseitigung hat der Bund gemäss Infrastrukturfondsgesetz 5,5 Milliarden Franken bereitgestellt. Nach Vorschlag des Bundesrats müsste ein zusätzlicher Felsenauviadukt gebaut werden. Damit weicht er allerdings vom Vorschlag des Kantons Bern ab, der vor Jahresfrist eine Tunnellösung zwischen Grauholz und Weyermannshaus vorschlug.Stadt und Kanton sind skeptischDer Gemeinderat der Stadt Bern hat bereits ablehnend auf den Bundesratsentscheid reagiert: Auf den Bau einer neuen Autobahnbrücke über die Aare müsse verzichtet werden, schreibt der Gemeinderat in seiner Stellungnahme. «In diesem dicht besiedelten Raum kann nur die von Stadt und Kanton Bern favorisierte Lösung mit einem weiteren unterirdischen Bypass realisiert werden.» Die Stadt Bern bevorzugt den vom Kanton vorgeschlagenen Tunnel: zwei acht Kilometer lange, je zweispurige Röhren, welche die Aare im Bereich Worblaufen unterqueren würden. In der Zweckmässigkeitsbeurteilung Bern (ZMB) zur Weiterentwicklung des Verkehrssystems in der Agglomeration Bern ist die Tunnellösung nebst zahlreichen weiteren Projekten enthalten.Immerhin habe der Bund diesen Abschnitt der A1 als Engpass anerkannt, sagt Ulrich Seewer, Leiter der Fachstelle Gesamtmobilität bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern. Seewer zweifelt allerdings an der Verträglichkeit und Akzeptanz einer neuen Autobahnbrücke. Die Stellungnahme des Kantons steht aber noch aus.Die Bedenken des BundesratsDer Bundesrat begründet seinen abweichenden Vorschlag unter anderem mit den Kosten: Die Investitionskosten von 2390 Millionen für die zwei Röhren stünden «in keinem Verhältnis zu den rund 400 Millionen, die der Ausbau der bestehenden Nationalstrasse kostet», schreibt der Bundesrat. Trotz den finanziellen Mehraufwendungen würde die Tunnellösung die bestehende Situation nicht erheblich verbessern: Der Felsenauviadukt bliebe – einschliesslich der damit verbundenen Beeinträchtigung durch Verkehrsimmissionen – erhalten. «Hinzu kämen neue Beeinträchtigungen von Siedlung und Landschaft durch die Anschlussbauwerke der neuen Tunnel, den Flächenbedarf für die Deponie des Ausbruchmaterials und die hohen Aufwendungen für den Tunnelbetrieb.» Vorbehalte gebe es zudem aus hydrologischen Überlegungen: «Die von Kanton und Stadt bevorzugte Lösung sieht die Unterquerung der Aare vor, was die Grundwasserströme negativ beeinflussen kann.»Weil die sicherheitstechnischen Anforderungen an Tunnel massiv angehoben wurden, steigen die Bau- und Betriebskosten. Allein in Nachrüstungen von Strassentunnel die noch durch die Kantone gebaut wurden, will der Bund in den nächsten Jahren 1,2 Milliarden investieren. Über 100 der bestehenden 219 Nationalstrassentunnel erfüllen laut Astra die Standards bezüglich Lüftung, Fluchtwege, Signalisation und Energieversorgung nicht. Verbreiterung gescheitertDas Astra hegte zunächst Pläne für die Verbreiterung des Felsenauviadukts; die sechs Spuren hätten um je einen Standstreifen erweitert werden sollen. Umfassende Untersuchungen an der Brücke zeigten aber, «dass die Verbreiterung technisch machbar, aber mit hohem technischem und finanziellem Aufwand verbunden wäre», hält Astra-Sprecher Thomas Rohrbach fest. Das Brückenbauwerk sei aber in «sehr gutem Zustand».>

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