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Berner Clubszene: Bonsoir Tristesse

Aus fadenscheinigen Gründen hätten sie immer noch keine Überzeitbewilligung erhalten, sagen die «Bonsoir»-Betreiber. Regierungsstatthalterin Regula Mader sieht das anders.

Rolf «Bobby» Bähler und Arci Friede vom «Bonsoir» sind genervt. Wie ein Bittsteller komme man sich vor, als Clubbetreiber in Bern sei man automatisch ein «böser Bube», unabhängig von den Inhalten, die man biete. Sie hätten sich stets korrekt verhalten, alles, was sie wollten, sei, einen guten Club zu betreiben mit guter Musik. Keine sturzbetrunkenen Gäste, keine Gewalt, einfach anspruchsvolle Musik, auch einmal eine Ausstellung, Konzerte hin und wieder. Doch einen Grossteil ihrer Zeit und einen noch grösseren Teil ihrer Energie benötigten sie derzeit dafür, mit dem Regierungsstatthalteramt zu «schtürme».

Worum geht es? Seit sechs Monaten kämpfen die Betreiber des im März eröffneten Clubs Bonsoir in der Aarbergergasse um eine provisorische generelle Überzeitbewilligung. Damit könnten sie den im März dieses Jahres eröffneten Club bis um fünf Uhr morgens geöffnet haben, heute muss er am Wochenende um 3.30 Uhr geschlossen werden. «Wir wollen die Bewilligung, damit wir auch mal eine gute Party ausklingen lassen können», sagt Arci Friede.

Beschwerde der Nachbarbetriebe

Die Geschichte beginnt zwei Monate vor der Eröffnung des Clubs Bonsoir. Am 11. Februar reichen die Betreiber das Gesuch für eine provisorische generelle Überzeit ein. Im März beklagt sich ein benachbarter Wirt, in seinem Restaurant seien Vibrationen von der Musik im «Bonsoir» zu spüren. Ein von der Verwaltung engagierter Bauphysiker stellt keine erheblichen Lärmemissionen fest. So weit, so gut. Am 4. Mai informiert das Regierungsstatthalteramt die Bonsoir GmbH, bis zum Ende der Einsprachefrist seien keine Rechtsbegehren eingegangen. Der provisorischen Überzeitbewilligung sollte somit aus der Sicht von Friede und Bähler nichts mehr im Weg stehen. Am 28. Mai erhält die Bonsoir GmbH den nächsten Brief. Dieser enthält nicht etwa die provisorische Bewilligung, sondern die Nachricht, sie hätten bis am 12. Juni Zeit, Stellung zu nehmen zu Vorwürfen der Nachbarbetriebe: Besucher des Clubs Bonsoir belästigten die Gäste der Nachbarbetriebe, die Verschmutzung unter den Lauben habe seit der Eröffnung des Clubs zugenommen, die Lärmemissionen durch die basslastige Musik seien unhaltbar. Die Bonsoir GmbH entkräftet daraufhin die Vorwürfe «mit Unterstützung des Eigentümers, der Hausverwaltung und des Hauswarts», wie Bähler bezeugt. Am 25. Juni treffen sie sich erneut mit den Beschwerdeführern. Diese versprechen, die Beschwerde zurückzuziehen. Am 15. Juli wird die Beschwerde schliesslich zurückgezogen. Anfang September erhält die Bonsoir GmbH schliesslich die verfahrensleitende Verfügung: Das Bewilligungsverfahren wurde sistiert und mittlerweile wieder aufgenommen, die provisorische Bewilligung könne jedoch nicht mehr erteilt werden, da die Bewilligungsfrist Ende August ablaufe.

«Warum ist Barcelona so in?»

«Allein aufgrund eines Beschwerdebriefes, der zudem nach der Einsprachefrist einging, wurde unser Verfahren sistiert», sagt Arci Friede. Die Anschuldigungen seien von keiner Amtsstelle überprüft worden. Seit dem Rückzug der Klage hätten die Behörden noch mindestens sechs Wochen lang und damit während 18 Anlässen die Möglichkeit gehabt, den Betrieb des Clubs zu überprüfen, sagt Bähler.

Dass die Beschwerde nach der Einsprachefrist eingereicht worden sei, spiele keine Rolle, sagte Regierungsstatthalterin Regula Mader gestern auf Anfrage. Ein Verfahren könne jederzeit sistiert werden. Sie verstehe nicht, warum sich die «Bonsoir»-Betreiber nun beklagten: «Wenn schon hätten sie die Sistierung anfechten müssen.» Das Vorgehen des Regierungsstatthalteramts sei immer transparent gewesen. Bis am 22. September kann nun die Bonsoir GmbH dazu Stellung nehmen, welche Massnahmen sie umzusetzen gedenkt, um die definitive Überzeitbewilligung ab Ende Oktober zu erhalten – genau wie jene Lokale, welche die provisorische Bewilligung erhalten haben (siehe Kasten). Er fordere nichts als Gleichberechtigung, sagt Bähler. Denn viele andere Lokale in der Aarbergergasse haben die provisorische Überzeit längst erhalten. Es gehe ihm aber nicht nur um «sein Baby», das «Bonsoir», sagt Bähler. Es gehe auch darum, dass man «in Bern als Nachtclubbetreiber kaum mehr wirtschaften kann». Die Clubkultur müsse legitimiert werden. Das gehe nur, wenn man sich zusammen an einen Tisch setze. Mehrmals hätten sie Mader eingeladen, gekommen sei sie nie. «Warum sind denn Barcelona oder Kopenhagen so in?», fragt «Bobby» Bähler. «Eine attraktive Clublandschaft wäre für die Stadt doch auch eine Marketingchance.»

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