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«Bern neu gründen» ist gegründet

Der Verein «Bern neu gründen» hat gestern nach seiner Gründung auf dem Gurten die Vision der Kernagglomeration präsentiert. Der Verein will die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bern und ihren Nachbargemeinden fördern.

Der private Verein versteht sich als Bewegung von unten zur Stärkung des wirtschaftlichen Zentrums und als Antwort auf die räumliche Aufteilung der Schweiz in drei starke Metropolitanräume, in der die Bundesstadt aber lediglich auf Rang vier steht. Dabei hatte das Alte Bern sich bis anno 1798 in seiner grössten Ausdehnung in der Geschichte von Zürich bis nach Genf erstreckt.

Claude Longchamp, Historiker und Politologe aus Hinterkappelen und Leiter des Forschungsinstituts GFS Bern, gehört zu den führenden Köpfen des Vereins «Bern neu gründen». Im Anschluss an die gestrige Gründungsversammlung auf dem Gurten erinnerte er an die Geschichte Berns, in deren Verlauf sich Grösse und Grenzen immer wieder verändert hätten. Bern sei mehrmals neu gegründet worden, so Longchamp. Ihre letzte grosse Veränderung in der Ausdehnung erlebte die Bundesstadt nach dem Ersten Weltkrieg 1919 mit der Eingemeindung von Bümpliz.

«Mehrwert produzieren»

Die «Einverleibung einer Aussengemeinde» durch die Stadt Bern kommt laut Longchamp heute gewiss nicht mehr infrage. Der Zusammenschluss zu einem grösseren Ganzen müsse demokratisch erfolgen und einen «Mehrwert produzieren». Auf welchem Weg das Zusammenwachsen geschehe, sei offen: Der Verein will einen Dialog auslösen und hat über die Formen der Zusammenarbeit eine Studie in Auftrag gegeben.

Fusionen seien kein Tabu, aber nicht das vorrangige Ziel, sagte Rosmarie Kiener, Wohlener Gemeinderätin (sp plus) und Regionale Geschäftsführerin des WWF Bern. Zusammen mit FDP-Grossrat Christoph Stalder hat sie das Kopräsidium inne. Als Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des neuen Vereins fungiert Fürsprecher Christian Cappis, der bereits als Geschäftsführer des Netzwerks Espace Mittelland für die Stärkung des Wirtschaftsraums Bern gekämpft hatte.

Stalders 1.-August-Rede

Stalder hatte in seiner 1.-August-Rede 2001, damals in der Funktion des Stadtratspräsidenten, über die Vision von Grossbern gesprochen – und damit zahlreiche Persönlichkeiten vor den Kopf gestossen. «Das Nebeneinander und Gegeneinander muss dem Miteinander Platz machen», sagte der Freisinnige Politiker aus der Stadt Bern. Stalder zeigte sich überzeugt, Bern und die Agglomerationsgemeinden müssten zusammenrücken. In den letzten Jahren habe ein Umdenken stattgefunden. Städte wie Luzern und Lugano machten es vor und setzten alles daran, grösser zu werden. Die Bevölkerung in den Gemeinden müssten bei Entscheiden in der Stadt Bern mitbestimmen können, schliesslich seien sie Mitbenützer von städtischen Einrichtungen. Stalder will für ein neues «Wir-Gefühl» kämpfen und den Leuten aus Stadt und Agglomeration ihre gegenseitigen Abhängigkeiten bewusst machen. Stalder betonte zudem, der Verein «Bern neu gründen» stelle keine Konkurrenz zur Regionalkonferenz Bern-Mittelland dar. Das neue regionale Gremium nimmt Anfang nächsten Jahres seine operative Tätigkeit auf (siehe Kasten).

Der Verein zählt nach eigenen Angaben rund hundert Mitglieder. An der gestrigen Gründungsversammlung waren rund 40 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft anwesend. Die Stadt Bern ist mit Gemeinderätin Regula Rytz (gb) und Stadtrat Michael Aebersold (sp) im Vorstand vertreten – beide allerdings auf freiwilliger Basis und nicht in offizieller Mission. Weitere Vorstandsmitglieder sind Annemarie Lehmann-Schoop, Fürsprecherin/Mediatorin und ehemalige FDP-Stadträtin; Thomas Stauffer (fdp), Gemeindepräsident von Kehrsatz; Martin Gerber (sp), Raumplaner und ehemals Gemeindepräsident von Wohlen.

Zum Think Tank gehören nebst dem Politologen Longchamp ein Dutzend Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Planung und Universität, unter ihnen die beiden Berner Professoren Paul Messerli und Hansruedi Müller.

Dialog aufnehmen

Der Verein operiert nach eigenen Angaben mit einem Budget von 5000 Franken und basiert auf Freiwilligenarbeit. Der Verein plant eine breit angelegte Werbekampagne zur Stärkung der Idee der Hauptstadtregion Bern. Er will Gespräche führen mit Kanton, Exekutiven und Legislativen der Zentrumsgemeinden, der Regionalkonferenz, Parteien, Wirtschaftsverbänden, Bildungs- und Kulturinstitutionen. 2010 will er am Politforum Thun teilnehmen, das dem Thema «Gemeindepolitik zwischen Autonomie und Fusion» gewidmet ist.

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