Fokus auf den Garten Eden

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Von den rund 2000 städtischen Familiengartenparzellen hat die Stadtgärtnerei Bern 587 an Ausländer verpachtet, die hier «ihr» Stück Boden beackern. Der in Bern lebende kurdische Filmemacher Mano Khalil, der im Bottigenmoos selber eine kleine Parzelle bepflanzt, macht diesen multikulturellen «Garten Eden» in einem Dokumentarfilm zum Thema.

Hier, im Bottigenmoos, sind 89 der 145 Parzellen an Ausländer verpachtet. «Mich interessiert dieses multikulturelle Zusammenleben des Gartenvolks», sagt Khalil, «und ich suche Antworten auf Fragen wie diese: Wie fühlen sich die Schweizer hier als Minderheit auf ,ihrem‘ Boden? Machen ihnen fremde Gesichter und Traditionen Angst, oder freuen sie sich auf das Neue? Gibt es eine gemeinsame Sprache zwischen Schweizern und Ausländern? Und: Wie sind die Beziehungen unter den Ausländern selber – etwa zwischen den Serben, Bosniern, Kroaten, Albanern oder Slowenen, die hier im Berner Schrebergarten plötzlich wieder Nachbarn sind?»

Die Gartengeschichten

Nicht der Schrebergarten an sich sei das Thema des Films, sondern das Leben im Garten. Die Geschichten der Menschen, die hier ihr Stückchen Land gepachtet haben. Glückliche wie Mohammed und Marguerite Barka, aber auch weniger glückliche Ausländer, die seit Jahrzehnten in der Schweiz lebten, ohne sich wirklich integriert zu haben: «Sie sind in der Schweiz geblieben, obschon ihr Traum vom grossen Geld sich zerschlagen hat. Nun sind sie aber da, reden kaum Deutsch, ihre Kinder sind Schweizer. Ein Zurück in ihre alte Heimat gibt es für sie nun auch nicht mehr, weil sie auch dort Ausländer geworden sind. Sie schweben zwischen zwei Kulturen. Doch die 140 Quadratmeter Schrebergarten sind für sie nun ein Stück Heimat.»

Die Gartenordnung

Mano Khalil will die Gartenidylle jedoch nicht etwa filmisch verklären. «Ein Schrebergarten könnte zwar eine Oase von Freundschaft und Völkerverbindung sein», sagt er, «wenn da nicht der Mensch mit seinen Eigenheiten wäre.» Oft stimmten die Vorstellungen der «Alten» und der «Neuen» über das Gärtnern und die Ordnung im Gartenareal nicht überein, manchmal prallten Welten und Werte aufeinander. Etwa Kindergeschrei oder Unkraut, gesellige Treffen oder unverständliche Regeln seien ein Nährboden für Konflikte – «so, dass die Leute plötzlich die Bienenstiche fühlen, statt die Süsse des Honigs zu geniessen».

Das Gartenfest

Im Film porträtiert Khalil auch einen Italiener, der einst für ein halbes Jahr aus Kalabrien in die Schweiz kam und nun seit 37 Jahren hier lebt – «einer, der nicht Deutsch spricht und eigentlich noch immer das Meer und die Fische liebt». Er stellt auch eine Schweizer Familie vor, die dem Familiengarten nun den Rücken kehren will. Oder ein polnisches Paar, das nun getrennt lebt, im Schrebergarten aber immer wieder zusammenfindet.

Mit einem Gartenfest am 22. August wird sich Mano Khalil bei den Bottigenmoos-Familiengärtelern für ihr Mitmachen im Film bedanken. Dieser wird Ende Jahr fertiggestellt und auch im Schweizer Fernsehen zu sehen sein. (wd) > (Der Bund)

Erstellt: 11.08.2009, 01:15 Uhr

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