Der Weltpostverein auf der Kleinen Schanze

Auf der Kleinen Schanze erinnert ein 100 Jahre altes Denkmal aus Bronze und Granit an die Gründung des Weltpostvereins in Bern. Die Postal Union gilt als wichtiger Arbeitgeber und beschert der hiesigen Hotellerie jährlich 15000 Übernachtungen.

Fünf Frauengestalten – Symbol der Kontinente – umkreisen den Gesteinsglobus des Denkmals auf der Kleinen Schanze. (Adrian Moser)

Fünf Frauengestalten – Symbol der Kontinente – umkreisen den Gesteinsglobus des Denkmals auf der Kleinen Schanze. (Adrian Moser)

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Am Weltposttag von heute Freitag wird die Kleine Schanze zum internationalen Festgelände: Der Weltpostverein, die Universal Postal Union (UPU) mit Sitz in Bern, feiert das 100-Jahre-Jubiläum der Errichtung des Weltpostdenkmals mit Ansprachen und Musik. Ein Überraschungsgast wird laut Programm eine neue Plakette enthüllen. Die Schweizerische Post und La Poste de France geben je eine Sondermarke heraus; im Rathaus und in der Kaserne Bern finden weitere Anlässe statt (siehe Zweitstoff).

Die UPU wurde 1874 in Bern gegründet. Sie ist nicht nur die zweitälteste internationale Organisation der Welt, sondern auch die einzige Uno-Organisation mit Sitz in der Bundesstadt. Im 19. Jahrhundert kontrollierten einige wenige private Firmen den Postverkehr in Europa; es herrschten chaotische Zustände. Unter dem Vorsitz der Schweiz versammelten sich 22 Staaten zum ersten internationalen Postkongress, der in der Folge zur Gründung des «Allgemeinen Postvereins» führte. Bern wurde UPU-Sitz und erhielt einige Jahre später auf dem Hügel jener Erhebung, die zur alten Stadtbefestigung gehörte, das Denkmal.

Fünf Frauengestalten

Seit 1909 erinnern fünf Frauengestalten, die um den steinernen Globus kreisen und die fünf Kontinente symbolisieren, an die Geburtsstunde des weltumspannenden, geordneten, postalischen Systems. Etwas unterhalb der tonnenschweren Gesteinsformation ruht ausgestreckt eine weitere Frauenfigur: Gemäss kunsthistorischer Deutung handelt es sich um Berna, die Repräsentantin der Stadt.

Auch wenn die Stadt auf fachlicher Ebene mit der UPU keine Kontakte pflegt, zeigt sie sich als stolze Gastgeberin: «Die Uno-Organisation ist eine wichtige Arbeitgeberin und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor», sagt Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät (sp), der heute auf der Kleinen Schanze die Grussbotschaft an die Botschafter und Botschafterinnen richtet.

Bernhard Rhyn, Geschäftsführer des Tourismusunternehmens Bern Incoming, unterstreicht die Bedeutung des Weltpostvereins für die Bundesstadt: Es handle sich um die wichtigste internationale Organisation für Bern überhaupt, auch wenn dies in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werde. Gemäss den Schätzungen der Bern-Tourismus-Tochter verursachen allein die beiden jährlich stattfindenden, mehrwöchigen UPU-Sitzungen gegen 15000 Übernachtungen. Die meisten der Abgeordneten seien Stammkunden der Hotellerie, gut vernetzt und buchten ihre Übernachtungen direkt, sagt Rhyn. Die Postfachleute aus aller Welt nutzen regelmässig die Direktverbindungen ab Bern-Belp nach Paris und München oder die Interkontinetalflüge ab Genf oder Zürich.

Von Algerien bis Uruguay

191 Staaten sind Mitglied der UPU. Den Verwaltungsrat, der vom 26. Oktober bis 13. November in Bern zur Herbstsession zusammenkommt, bilden Vertreter aus 41 Staaten, von Algerien bis Uruguay. Einige der rund 150 ständigen Mitarbeitenden des Weltpostvereins an der Weltpoststrasse haben ihren Wohnsitz in der Siedlung Wittigkofen. Laut UPU sind weltweit 5,5 Millionen Menschen im Postsektor tätig. Sie verarbeiten jährlich 438 Milliarden Brief- und 6 Milliarden Paketsendungen. Die Normen des internationalen Brief-, Paket- und Zahlungsverkehrs werden in Bern ausgehandelt.

René de Saint-Marceaux

Das Denkmal, in Besitz der Eigenossenschaft, war das Resultat eines internationalen Künstlerwettbewerbs. Auf die Ausschreibung im Jahr 1901 gingen über 120 Projekte ein; die Entwürfe wurden in der städtischen Reitschule ausgestellt. 1904 traf die Jury die Wahl: Der Pariser Künstler René de Saint-Marceaux durfte seine Idee verwirklichen. 1909 wurde das Denkmal eingeweiht. Der «Bund» würdigte den Anlass in der Ausgabe vom 4. Oktober mit einem Gedicht auf der ersten Seite über den «weltumfassend grossen Gedanken». (Der Bund)

Erstellt: 09.10.2009, 08:42 Uhr

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