Zum Hauptinhalt springen

Schockwellen in Südasien

Bei einem Anschlag auf die sri-lankische Cricket-Nationalmannschaft sind in Pakistan mindestens acht Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Beobachter vermuten hinter der Tat islamische Extremisten oder tamilische Rebellen.

«Wir wollen nur noch nach Hause», sollen die sri-lankischen Cricketspieler nach der Attacke gesagt haben. Die Sportler waren gerade auf dem Weg zu einem Testspiel gegen den Gastgeber Pakistan im Ghadhafi-Stadion, als maskierte Männer am Dienstag gegen neun Uhr morgens ihren Minibus mit Granaten und Schnellfeuerwaffen attackierten. Fast 30 Minuten spielten sich bürgerkriegsähnliche Szenen ab – und das mitten im Herzen der ostpakistanischen Millionenmetropole Lahore, die bisher noch als relativ sicher galt. Der Anschlag hat Schockwellen durch Südasien gesandt. Cricket ist hier Volkssport Nummer eins – und der Anschlag vergleichbar mit einer Terrorattacke auf eine europäische Fussballmannschaft. Sechs Cricketspieler und ein britischer Ko-Trainer wurden verletzt, zwei angeblich durch Kugeln. Sechs Polizisten, die zur Eskorte gehörten, und zwei Zivilisten kamen ums Leben. Indiens Regierung warnte, der Terror könne auf Indien überspringen – Lahore liegt direkt an der Grenze.Rätseln über AttentäterDas spektakuläre Attentat zeigt, wie schwach der pakistanische Staat ist. Selbst in den urbanen Zentren scheint er immer weniger in der Lage, die Menschen zu schützen. Dabei war klar, dass die Cricketspieler ein Terrorziel ersten Ranges sind. Und Islamabad hatte den ausländischen Spielern allerhöchsten Schutz zugesichert. Trotzdem gelang es den Terroristen, den Bus zu attackieren. Angeblich war er nicht einmal kugelsicher. Nach Angaben der Polizei eröffneten die zehn bis zwölf Attentäter mit Mörsern, Granatwerfern und Maschinengewehren das Feuer, zunächst schossen sie auf die Reifen, dann auf den Bus. Die Spieler warfen sich auf den Boden. Bisher bekannte sich niemand zu der Bluttat. Die Täter werden in radikal-islamischen Kreisen vermutet. Allerdings führt Sri Lanka selbst einen Bürgerkrieg gegen die Tamilen-Rebellen der LTTE. Sri Lankas Regierung beeilte sich, zu erklären, die LTTE könne nicht hinter der Tat stecken. Die sri-lankische Mannschaft war für die indischen Auswahl eingesprungen, die ihre Teilnahme an der Cricket-Tour nach der Terrorattacke auf Mumbai Ende November 2008 zurückgezogen hatte. Auch Australien hatte aus Sicherheitsgründen abgesagt. Der indische Aussen-Staatssekretär Sharma sagte, Terrorgruppen in Pakistan hätten erneut bewiesen, dass sie jederzeit und überall zuschlagen können. Das Muster von MumbaiIn der Nähe von Lahore in der Provinz Punjab hat die Gruppe Lashkar-e-Toiba ihren Sitz, die auch für die dreitägige Terrorattacke auf Mumbai mit fast 200 Toten verantwortlich gemacht wird. Pakistanische Zuständige erklärten, der Anschlag gleiche dem Muster von Mumbai. Die Terroristen scheinen zusehends zu Häuserkampf- und Bürgerkriegs-Taktiken zu greifen. Der pakistanische Schifffahrts-Minister Sardar Nabil Ahmed Gabol behauptete, Indien stecke hinter dem Anschlag. Auch Lahore immer unsichererDer Anschlag wirft ein alarmierendes Schlaglicht auf die Sicherheitslage in dem 160 Millionen Einwohner zählenden Land. Der Atomstaat erlebt eine «Afghanisierung». Der Terror greift von den wilden Grenzregionen zu Afghanistan auf das «moderne» Pakistan über. Lahore ist die Hauptstadt der Provinz Punjab, die das wirtschaftliche und politisches Zentrum Pakistans ist. Die Metropole mit ihren Einkaufszentren, Universitäten und Cafés galt noch vor Kurzem als relativ sicher. In jüngster Zeit mehren sich auch dort Vorfälle. Erst Anfang des Jahres hatten Extremisten eine Reihe von kleineren Bomben in Theatern gezündet, weil Theater ihnen als sündhaft gelten. Im vergangenen Jahr hatte es mehrere Bombenattentate gegeben. >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch