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Provokationen eines Clowns

Der landesweit beliebte Komiker und Volkstribun Beppe Grillo will Oppositionschef von Italien werden. Seine Kandidatur bringt die Führungsriege des Partito Democratico in arge Verlegenheit.

Mischt die Opposition auf: Beppe Grillo an einer Demonstration im April 2008. (Keystone)
Mischt die Opposition auf: Beppe Grillo an einer Demonstration im April 2008. (Keystone)

Es sind keine freundlichen Worte, die der 61-jährige Beppe Grillo für die Partei übrig hat, deren Chef er werden möchte: Der Partito Democratico (PD), die grösste Oppositionspartei des Landes, sei «eine politische Lebensversicherung für den Psychozwerg Berlusconi, eine Krücke für alle Interessenkonflikte, ein politisches Monster, das links begonnen hat und im Vatikan geendet ist». Am Parteikongress vom Oktober, an welchem ein neuer Sekretär bestimmt wird, müsse eine Lücke geschlossen werden: «Die Lücke einer nicht existierenden Opposition, die keine Ideen hat und zur Lobby geworden ist.»Der «Michael Moore aus Genua»Der linksgrüne Beppe Grillo ist der beliebteste Komiker das Landes – und seit Jahren ein Stachel im Fleisch der italienischen «Partitocrazia». Mit seinen Auftritten füllt das bärtige Energiebündel Stadien, sein Internet-Blog, auf welchem er vornehmlich gegen korrupte Politiker, dubiose Unternehmungen und Umweltskandale zu Felde zieht, verzeichnet täglich über 150000 Zugriffe. Im Jahr 2007 hatte der «Michael Moore aus Genua», wie Grillo auch genannt wird, den bereits legendären «Vaffa-Day» organisiert, zu welchem Hunderttausende Italienerinnen und Italiener strömten. «Vaffa» ist die Abkürzung von «vaffanculo». Das bedeutet «Leck mich am Arsch» und war an die Politiker gerichtet.Die Ankündigung der Kandidatur hat im PD Abwehrreflexe ausgelöst. «Die Partei ist kein Bus, auf den man aufspringen und ein paar Runden drehen kann», erklärte Pierluigi Bersani. Der ehemalige Industrieminister will sich im Oktober ebenfalls um den Posten des Parteichefs bewerben, genauso wie Amtsinhaber Dario Franceschini und der PD-Senator und Chirurg Ignazio Marino. Andere führende Parteiexponenten erinnern daran, dass Grillo noch vor Kurzem gegen den PD gerichtete Bürgerlisten unterstützt habe, also ein Parteigegner sei. Im Übrigen sei die Veranstaltung im Oktober ein «Parteikongress, nicht ein Kabarett oder ein Zirkus».Kaum widerlegbare VorwürfeDie Führungsriege des PD hat gute Gründe, warum sie den Volkstribun Grillo, dieses Sprachrohr der Politikverdrossenen, nicht am Rennen um den Parteivorsitz teilnehmen lassen will. Denn wenn der Komiker dem PD vorwirft, dass er sich nicht um wichtige Themen wie Umweltschutz, Atomenergie, Korruption und Interessenkonflikte kümmere, dann ist dies schwer zu widerlegen: Seit den Wahlen hat die Partei nie zu einer klaren Linie gefunden und beschäftigt sich statt mit Berlusconis immer dreister werdenden Angriffen auf die demokratischen Institutionen Italiens lieber mit sich selber.Vorwahlen als FarceGleichzeitig entlarvt Grillo die vom Partito Democratico bei der Parteibasis durchgeführten «Vorwahlen» als das, was sie immer waren: eine Farce. Sowohl bei der Wahl Romano Prodis zum Spitzenkandidaten im Jahr 2006 als auch bei der Wahl des ersten PD-Sekretärs Walter Veltroni 2008 hatten die Parteioligarchen dafür gesorgt, dass ausser dem designierten Sieger nur chancenlose Gegenkandidaten an den Vorwahlen teilnahmen. Auch im Hinblick auf den Parteikongress vom Oktober wird hinter den Kulissen bereits wieder heftig intrigiert. Ein Beppe Grillo könnte die Rechenspiele böse durcheinanderwirbeln.Die Kandidatur Grillos soll nun mit formalen Argumenten ausgebremst werden: Der Komiker hat nämlich den Anmeldetermin vom 26. Juni verpasst. Grillo lässt sich nicht entmutigen: «Sie werden bestimmt einen Paragrafen, zweiter Artikel, drittes Komma finden, um mich auszuschliessen. Aber ich möchte sehen, ob sie wirklich den Mut dazu aufbringen werden.»>

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