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Moskau reagiert verhalten auf US-Entscheid

Raketenabwehr Russlands politische Elite ist verblüfft. Sie hatte wohl selbst nicht daran geglaubt, dass die Amerikaner freiwillig auf ihr geplantes Raketenabwehr-System verzichten könnten. Nun ist den Hardlinern in Moskau ihr liebstes Hassobjekt abhandengekommen. Wenn man sich an die wütenden verbalen Attacken russischer Politiker auf die amerikanischen Pläne erinnert und sich vor Augen hält, dass Moskau vor einem neuen Wettrüsten warnte – dann sind die Reaktionen auf den Entscheid des US-Präsidenten sehr zurückhaltend. Gleiche Sicherheit für allePräsident Medwedew sagte allerdings in einer ersten Stellungnahme, Russland schätze «das verantwortungsvolle Vorgehen des US-Präsidenten, um unsere Vereinbarungen umzusetzen». Er werde am kommenden Mittwoch in New York mit seinem amerikanischen Amtskollegen über alle Aspekte der strategischen Sicherheit und das Thema Raketenabwehr sprechen. «Ich bin bereit, den Dialog fortzusetzen», sagte Medwedew. Er wiederholte die schon von seinem Vorgänger Putin vorgetragene Idee eines gemeinsamen Schutzschirms. Damit würden die Interessen aller Seiten berücksichtigt und allen Staaten im europäischen Raum die gleiche Sicherheit gewährt.In der Duma, dem Unterhaus des Parlaments, sprach der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Igor Barinow, von einem «zweifellos positiven Signal». Allerdings mahnte er zur Vorsicht – in Washington gebe es eine mächtige militärische Lobby. Barinow hielt es indes für möglich, als Antwort auf den amerikanischen Verzicht auf das Raketenabwehrsystem 1300 Atomwaffen abzubauen und dann paritätisch abzurüsten. Russlands Vertreter bei der Nato, Dmitri Rogosin, warnte vor «kindlicher Euphorie». Zugleich wies er Überlegungen zurück, dass nach dem Einlenken der USA nun Russland seinerseits gefordert sei, sich erkenntlich zu zeigen. Es werde keinen «Handel» geben, sagte Rogosin, womit er indirekt auf Vermutungen anspielte, Moskau werde nun ein schärferes Vorgehen gegen Iran unterstützen. Die Amerikaner hätten mit dem Verzicht lediglich «ihre eigenen Fehler korrigiert». Dafür müsse man keine Gegenleistungen erbringen.Ex-Generalstabschef Leonid Iwaschow sieht darin ohnehin nur ein «politisches Manöver». Tatsächlich könnte Washington seine Ziele in Russland auch mit anderen Mitteln zu erreichen versuchen und später trotzdem auf seine alten Pläne zurückkehren, orakelte Iwaschow. Manfred Quiring, Moskau>

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