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Jerzy Buzeks Traum

Polens Ex-Premier wird neuer Präsident des Europäischen Parlaments

StrassburgZwei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat das EU-Parlament erstmals einen Osteuropäer zu seinem Präsidenten gewählt. Der frühere polnische Ministerpräsident Jerzy Buzek erhielt gestern bei der Wahl in Strassburg 555 der 713 abgegebenen Stimmen. Der 69-Jährige tritt damit die Nachfolge des CDU-Politikers Hans-Gert Pöttering an. Für den Chemieprofessor aus Oberschlesien geht damit ein persönlicher, europäischer Traum in Erfüllung.Buzek trat erstmals 1997 ins Rampenlicht, als der bis dahin unbekannte Professor überraschend zum Ministerpräsidenten nominiert wurde. Nur wenige erinnerten sich daran, dass Buzek bereits in den Achtzigerjahren ein aktiver Mitstreiter der Gewerkschafts- und Freiheitsbewegung Solidarnosc war. Später gelang es ihm, eine Professur im Ausland zu erhalten. Kaum jemand erwartete, dass er zurück nach Polen kommen und sich wieder politisch engagieren würde. Doch Buzek sei immer für Überraschungen gut, schrieb kürzlich das Nachrichtenmagazin «Polityka»: «Steh in der Ecke und warte darauf, dass sie dich finden», sei das ungewöhnliche Erfolgsrezept Buzeks, das schon seit 30 Jahren bestens funktioniere. Als einer der wenigen Regierungschefs Polens hielt er eine ganze Amtszeit durch, und dies mit einer Partei, die aus dem exotisch anmutenden Zusammenschluss von rund dreissig rechten Gruppierungen bestand. Viele der angepackten Reformvorhaben konnte Buzek aber nicht umsetzen. Dafür gilt er als derjenige Politiker, der Polen erfolgreich in die Nato führte. Zur Popularität Jerzy Buzeks trug aber auch dessen Tochter, die bekannte Schauspielerin Agata Buzek, bei. Zunächst argwöhnten Polens Medien, die Schauspielschülerin erhalte nur deshalb Angebote von bekannten Regisseuren, weil sie die Tochter des polnischen Premiers sei. Inzwischen wird der Politiker Buzek aber schon mal gefragt, ob er eigentlich mit der Charakterdarstellerin Agata Buzek verwandt sei.Gabriele Lesser, Warschau

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