Zum Hauptinhalt springen

Israels Regierung eilig einberufen

Vor einem arabischen Publikum vom Mord an sechs Millionen Juden zu sprechen, das sich über Holocaust-Leugner bisher wenig empört hat, nötigt den Israelis Respekt ab. Umso glaubwürdiger scheint der neue US-Präsident, wenn er den Siedlungsbau als Verletzung von Abkommen brandmarkt und Sätze sagt wie: «Die Zeit für einen Siedlungsstopp ist gekommen.» Dem israelischen Friedenslager hätte Barack Obama mit seiner –Kairoer Rede keinen grösseren Dienst erweisen können. Obama verbreite einen Optimismus, wie man ihn lange nicht gespürt habe, sagte der Chef der Links-Partei Meretz, Haim Oron.Druck auf Netanyahu wächstDer Aufwind für Friedensaktivisten dürfte die rechtslastige Koalition unter Benyamin Netanyahu noch mehr unter Druck setzen. Kaum hatte Obama seine Ansprache in der Kairo-Universität beendet, rief Regierungschef Netanyahu in Jerusalem das Kabinett zu Konsultationen ein. Seine Regierung befindet sich ihrer Verweigerungshaltung im Friedensprozess auf ziemlich verlorenem Posten. Wie sehr, veranschaulichte Obamas gestrige Rede. Der US-Präsident hält das 2-Staaten-Konzept nicht nur persönlich «für die einzige Lösung», die Israelis und Palästinensern ein Leben in Frieden und Sicherheit ermöglicht. Vielmehr sei die 2-Staaten-Lösung auch «im Interesse Israels, Palästinas, Amerikas und im Interesse der Welt».Viele Israelis sind perplexIn ihrer Stellungnahme vermied die israelische Regierung jeden Widerspruch zu Obama, sondern unterstrich eigene Forderungen nach Anerkennung des jüdischen Staates durch die arabische Welt. Netanyahu muss seine Regierung zusammenhalten. Denn die Minister der Arbeitspartei bekennen sich offen zur 2-Staaten-Lösung. Die Siedlerlobby indes macht für die Gegenkampagne mobil: Netanyahu müsse «wie ein stolzer rechter Führer» Obama samt seiner «Diktatversuche» in die Schranken weisen. Viele können noch nicht ganz fassen, dass Obama tatsächlich wie ein engagierter, aber unparteiischer Vermittler auftritt. Derart unvoreingenommene Töne haben Israelis selten aus amerikanischem Mund zu hören bekommen. Inge Günther, Jerusalem>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch