Zum Hauptinhalt springen

Erste Risse im Taliban-Bündnis

Die Offensive der Armee gegen die radikalen Islamisten in Pakistan zeigt Wirkung. Doch deren harter Kern gibt sich noch nicht geschlagen.

Pakistans Gotteskrieger sind in der Defensive. Kürzlich hat die Armee das Swat-Tal nordwestlich von Islamabad wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Und nun sind den Sicherheitskräften Muslim Khan, einer der wichtigsten Taliban-Anführer im Swat-Tal, sowie vier weitere hochrangige Kommandanten ins Netz gegangen.Es ist einer der grössten Erfolge für die Armee, die im April in die Region einmarschiert ist. Muslim Khan war der Sprecher der Taliban im Swat-Tal. Er galt als Vermittler zwischen den rund einem Dutzend grössten militanten Gruppen, die sich Ende 2007 zur pakistanischen Taliban-Bewegung (TTP) zusammengeschlossen hatten.Zweimal erobertKhan hatte sich in den letzten Wochen immer wieder aus dem Untergrund gemeldet und angekündigt, die Taliban würden sich neu organisieren und das Swat-Tal in Kürze zurückerobern. Das war ihnen seit 2007 bereits zwei Mal nach kleineren Offensiven der Armee gelungen.Doch diesmal ist die Armee mit schwer bewaffneten Elitesoldaten in das Swat-Tal einmarschiert, und sie patrouilliert bis heute in starken Verbänden durch die Städte und Dörfer der Region. Sie beabsichtigt offenbar, so lange zu bleiben, bis sich die Sicherheitslage auf Dauer verbessert hat.Den Taliban droht die SpaltungMit Khans Festnahme dürfte sich auch klären, was aus dem Anführer der Taliban im Swat-Tal, Maulana Fazlullah, geworden ist. Im Juli sagte die Armee, der Taliban-Chef sei bei einem Angriff schwer verletzt worden und sei «so gut wie tot». Sprecher Muslim Khan hat diese Angaben bis zuletzt vehement dementiert. Kommentatoren in Pakistan sehen in der Festnahme Khans und der vier anderen Taliban-Kommandanten zwar nicht den Wendepunkt im Kampf gegen die Militanten. Doch die Beobachter sind sich einig, dass die TTP dadurch weiter geschwächt wird.Als Anfang April Baitullah Mehsud, der oberste Anführer der pakistanischen Taliban, bei einem US-Raketenangriff ums Leben kam, brach unmittelbar danach zwischen den verschiedenen Gruppierungen, aus denen sich die TTP zusammensetzt, ein Machtkampf um die Nachfolge aus. Es dauerte drei Wochen, bis die TTP den Tod Mehsuds einräumte und Hakimullah Mehsud zu seinem Nachfolger ernannte.Doch dieser Entscheid gilt als Kompromiss, um die Risse innerhalb der TTP zu kaschieren. Hakimullah Mehsud ist sehr jung, erst Ende 20, gilt als draufgängerisch und ist für seine Brutalität gefürchtet. Er soll einige der schwersten Anschläge der TTP in Pakistan befehligt haben, etwa jenen auf das Pearl-Continental-Hotel in Peshawar vor wenigen Wochen. Mehsud fehlen zudem das diplomatische Geschick und das Charisma, das Baitullah Mehsud besessen haben soll. Ob es ihm auf Dauer gelingen wird, die zumeist nach Stammeszugehörigkeit aufgestellten und häufig sogar verfeindeten Taliban-Gruppen zusammenzuhalten, ist fraglich.Anti-Taliban-MilizenSo haben in den letzten Wochen einige kleinere Gruppen, die unter der Führung der TTP gekämpft haben, angekündigt, die Waffen niederzulegen. In Südwaziristan, der Hochburg der Mehsuds, und in angrenzenden Regionen hat die Regierung der Nordwest-Grenzprovinz (NWFP) offenbar mehrere einflussreiche Stämme dazu bewegt, Anti-Taliban-Milizen aufzustellen. Diese sollen nach dem Ende des Fastenmonats Ramadan gegen die Militanten losschlagen.Das Ende der pakistanischen Taliban ist dennoch nicht absehbar. Erst am Wochenende kam es im Stammesgebiet Khyber zu Gefechten, bei denen 22 Taliban-Kämpfer getötet wurden. Und am Sonntag töteten Militante in der Nähe des Khyber-Passes mit einer ferngezündeten Bombe drei Anhänger einer paramilitärischen Einheit.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch