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Ernst Mühlemann gestorben

Der frühere FDP-Nationalrat und populäre Thurgauer Ernst Mühlemann war einer der einflussreichsten Aussenpolitiker der Schweiz.

Übermorgen wäre er wieder im Bundeshaus gestanden, hätte die Bundesratswahl wie immer knapp und treffend kommentiert und gehofft, einer der zwei FDP-Kandidaten möge gewinnen. Doch dieser Auftritt ist Ernst Mühlemann nicht mehr vergönnt. Am Freitagnachmittag starb er 79-jährig in seinem Haus in Ermatingen. Er schlief in seinem Bürosessel ein und erwachte nicht mehr – überraschend aus einem Leben gerissen, das bis zuletzt von grossem Engagement geprägt war. Mühlemann war hemdsärmelig und bodenständig, aber zugleich eloquent, klug und geistreich. Und er durchlief eine beispiellose Karriere. Selbstverständlich war sie nicht. Mühlemann besuchte das Lehrerseminar in Kreuzlingen und arbeitete als Volksschul- und Sekundarlehrer. 1971 stürzte er mit einem Helikopter zu Beginn eines Manövers ab – und überlebte. Noch im gleichen Jahr erhielt er das Angebot von Robert Holzach, dem Generaldirektor der SBG (heute UBS), das Ausbildungszentrum der Grossbank im Schloss Wolfsberg aufzubauen. Brigadier Mühlemann führte es fast militärisch streng 20 Jahre lang und schmiedete dort das Bankkader.«Butter statt Kanonen»Etliche europäische Grössen wie der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauss sprachen dort, und Mühlemann traf Regierungschefs wie Margaret Thatcher und Michail Gorbatschow. Seine Stärken kamen ihm dabei zugute. Er war offen, neugierig, direkt, konnte auf Menschen zugehen und kontaktierte die Medien jederzeit, wenn er Zustimmung oder Kritik mitteilen wollte. Dass er sich dabei auch in die Schlagzeilen bringen konnte, war ein willkommener Nebeneffekt.Geschickt konnte er zudem berufliche und politische Karriere verbinden. Mit dem Slogan «Bauernsohn aus Illhart» wurde er 1983 überraschend für die FDP in den Nationalrat gewählt. Da die innenpolitischen Themen besetzt waren, schnappte sich der clevere Thurgauer die Aussenpolitik, die ein Schattendasein fristete. Mühlemann erkannte nach 1985 rasch, wie Gorbatschow den Ost-West-Konflikt überwinden würde. Mit dem Slogan «Butter statt Kanonen» unterstützte er diesen Prozess und plädierte für eine schrittweise Öffnung der Schweiz. So war er für den EWR-Beitritt, aber bis zuletzt gegen den EU-Beitritt der Schweiz. Mühlemann wurde zum einflussreichen «Schatten-Aussenminister» – ein Begriff, mit dem auch Bundesräte kokettierten. 1999 trat Mühlemann als Nationalrat zurück, engagierte sich aber weiter, umtriebig wie er war, für die bilateralen Verträge. Thurgauer Zeitung>

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