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Ein Tag des Kennenlernens

Ein wahrer Gesprächsmarathon stand gestern am Anfang von Barack Obamas Europareise. Mit Russlands Präsident vereinbarte er, Verhandlungen über ein neues Abrüstungsabkommen aufzunehmen.

Mit einer wahren Kaskade von Zwiegesprächen begann der amerikanische Präsident Barack Obama gestern seine achttägige Europareise. In London, dem Veranstaltungsort des heutigen G20-Treffens, sprach er mit dem britischen Premierminister Gordon Brown, dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew und dem chinesischen Staats- und Parteichef Hu Jintao. Ausserdem traf er mit dem britischen Oppositionsführer David Cameron und mit Königin Elisabeth II. zusammen. Dabei betonten die Gesprächspartner aus England, Russland und China jeweils, dass Berichte über angebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mächtigen dieser Welt stark übertrieben seien. Am Abend schliesslich stand ein Arbeitsessen mit den Teilnehmern des G20-Gipfels auf dem Programm. Mit konkreten Beschlüssen der Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer wird aber erst heute Donnerstag gerechnet – zur Debatte stehen Lösungsansätze zur Bewältigung der globalen Finanzkrise.Abrüstung forcierenMit besonderer Spannung wurde Obamas erstes Zusammentreffen mit Medwedew erwartet. Die US-Regierung hatte in den vergangenen Wochen wiederholt deutlich gemacht, dass sie die Beziehungen zu Russland aufwerten will. So wurde in amerikanischen Medien ein angeblicher Geheimbrief zitiert, in dem die Amerikaner den Russen ein «Quidproquo» vorgeschlagen hatten: Wenn die USA auf den umstrittenen Raketenabwehrschirm in Polen und Tschechien verzichteten, dann erwarte Amerika, dass Russlands Waffenhandel mit Iran eingestellt werde. Auch solle Moskau mithelfen, das iranische Nuklearprogramm zu stoppen. Obama schlug nach dem Treffen mit Medwedew tatsächlich erneut einen konzilianten Ton an. Er sagte, dass er noch im Juli der russischen Hauptstadt einen Besuch abstatten wolle. Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten machten «grossartige Fortschritte», sagte der amerikanische Präsident – was auch von seinem Gegenüber bestätigt wurde. Dabei soll es nicht bei atmosphärischen Lockerungsübungen bleiben: Die beiden Staatschefs vereinbarten während ihres einstündigen Treffens, die Verhandlungen über ein «neues und umfassendes» Abrüstungsabkommen umgehend aufzunehmen. Die Übereinkunft solle möglichst vor Dezember 2009 erzielt werden, wenn der Abrüstungsvertrag für strategische Atomwaffen (Start 1) aus dem Jahr 1991 ausläuft. Diplomaten sagten nach dem Treffen, mit dem neuen Abkommen könnte die Zahl der atomaren Sprengköpfe von je 2200 auf je 1500 reduziert werden. Ganz ohne Meinungsverschiedenheiten blieb das Treffen aber nicht. Medwedew deponierte erneut seine Kritik am amerikanischen Raketenschild. In einer Konzession an die US-Regierung rief er allerdings das iranische Regime auf, zu beweisen, dass sein Nuklearprogramm ausschliesslich zivilen Zwecken diene.Auch das Treffen mit Hu Jintao endete mit einer Einladung an den amerikanischen Präsidenten. Obama will nun Peking in der zweiten Jahreshälfte besuchen. Die beiden Politiker versicherten allerdings, dass ein «amerikanisch-chinesischer Dialog über Strategie und Wirtschaft» noch vor dieser Reise aufgenommen werden solle. Obama sagte, die Menschenrechte würden dabei nicht ausgeklammert.Heikle Geschenk-Diplomatie Der krönende Abschluss des hektischen Tages war für den amerikanischen Präsidenten ein Treffen mit dem britischen Staatsoberhaupt. Zusammen mit seiner Frau Michelle wurde Obama von Königin Elisabeth II. und ihrem Gatten Prinz Philip im Buckingham Palast empfangen – er ist der zwölfte US-Präsident, den die Königin kennenlernt. Elisabeth II. nahm sich zwanzig Minuten, um mit den Obamas bei einer Tasse Tee zu plaudern. Über den Inhalt des Gesprächs wurde nichts bekannt. Hingegen sickerte durch, mit welchem Geschenk der Präsident seine Gastgeberin beglückte: einem iPod mit Filmmaterial vom letzten US-Besuch der Königin im Jahr 2007. Obama seinerseits erhielt, gemäss der Tradition, ein Bild der Königin und ihres Mannes.Angesichts der Probleme, die heute beim G20-Treffen einer Lösung harren, mag dieser Austausch von Präsenten wie ein unwichtiges Detail klingen. Aber ein aktuelles Beispiel zeigt, dass zwischenstaatliche Beziehungen leiden können, wenn sich eine Seite brüskiert sieht. So berichteten britische Zeitungen nach der letztmonatigen Visite von Gordon Brown im Weissen Haus säuerlich, dass er von Obama nur eine Sammlung von amerikanischen Filmen auf DVD als Präsent erhalten habe – die auf einem britischen DVD-Spieler nicht abspielbar waren, weil sie den falschen Ländercode hatten. Brown sei darüber nicht amüsiert gewesen.>

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