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Die verunsicherte Minderheit

US-Bürger mit arabischen Vorfahren, vor allem wenn sie islamischen Glaubens sind, kämpfen gegen starke Vorurteile an. Führende Vertreter der Gemeinschaft fordern deshalb, der Präsident müsse den Dialog mit ihnen intensivieren.

Was haben Apple-Chef Steve Jobs, Schlagersänger Paul Anka und der US-Sondergesandte George Mitchell gemein? Sie alle gehören der Gruppe der arabischstämmigen Amerikaner an, die je nach Schätzung zwischen 1,25 und 3,5 Millionen Personen umfasst. Und sie alle machen darüber kein grosses Aufheben. Denn nicht erst seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 kämpfen US-Bürger mit arabischen Vorfahren gegen zahlreiche Vorurteile an, vor allem wenn sie Muslime sind – was längst nicht für alle zutrifft. Die heutige Ansprache von Barack Obama in Kairo an die arabische und islamische Welt wird deshalb auch im Heimatland des Präsidenten sehr aufmerksam verfolgt.

«Loyalität, Respekt und Liebe»

Nirgendwo ist das Interesse wohl grösser als in Dearborn, dem inoffiziellen Zentrum der arabisch-amerikanischen Gemeinschaft in der Nähe von Detroit. Dearborn weist unter den grösseren amerikanischen Städten den höchsten Anteil an Amerikanern mit arabischen Vorfahren auf: Rund ein Drittel der 100000 Einwohner stammen aus Ländern wie Irak, Jemen und Libanon. Die meisten der Einwanderer sind Muslime. Dearborn hat deshalb einige Strassenzüge, die aussehen, wie man sich in den USA eine Stadt im Morgenland vorstellt, Moscheen, Halal-Supermärkte, arabische Schriftzüge und verschleierte Frauen inklusive.

Aushängeschild von Dearborn ist das Arab American National Museum, das von der heimischen Autoindustrie und arabischen Regierungen mit grosszügigen Spenden unterstützt wird. Auf zwei Geschossen entlang der Hauptstrasse gibt die im Jahr 2005 eröffnete Ausstellung Einblick in die arabische Geschichte, den islamischen Glauben und den Alltag der arabischstämmigen Amerikaner.

Vermittelt werden soll die Botschaft, dass die Unterschiede zwischen den Kulturen und Religionen nicht allzu gross sind. «Loyalität, Respekt und Liebe» für Amerika seien auch für Immigranten zentrale Werte, sagt Shamel Rushwin, der Präsident des Museumsbeirats. Das Interesse an diesem aufklärerischen Ansatz in den christlich geprägten USA ist aber gering: Pro Jahr besuchten nur 50000 Menschen das Museum, wie eine Sprecherin sagt, die Hälfte davon Schüler.

Grosses Misstrauen

Das erstaunt nicht weiter: In den Beziehungen zwischen den verschiedenen Religionen herrscht immer noch Misstrauen vor. 40 Prozent der Amerikaner glauben gemäss Meinungsumfragen, dass die muslimische Welt ihrem Land ablehnend gegenüberstehe. James Zogby, der Gründer der Lobby-Organisation Arab American Institute, sagt deshalb im Gespräch: «Obama steht vor keiner einfachen Aufgabe.» Angesichts der zahlreichen Problemfelder, die der Präsident in seiner Rede ansprechen müsse – Afghanistan, Irak, Palästina, Iran –, rechne er nicht damit, dass Obama auch die arabische Gemeinschaft in den USA erwähnen werde.

Zogby beklagt zudem, dass das Weisse Haus es im Vorfeld der Rede unterlassen habe, sich mit prominenten arabischstämmigen Amerikanern in Verbindung zu setzen.«Einige von uns sind darüber gar nicht glücklich, denn wir hätten ihm wichtige Inputs geben können.» Bereits während des letztjährigen Wahlkampfes unterliess es der Präsident ganz bewusst, sich öffentlich mit Arabern zu treffen – weil er Angst hatte, ein Treffen würde der Schmutzkampagne Auftrieb geben, die durch seine exotische Biografie ausgelöst worden war.

«Viele fühlen sich bereits sicherer»

Zogby findet, dass Obama den Dialog mit den heimischen Muslimen und Arabern intensivieren und persönliche Gespräche führen müsse. «Das betrifft nicht nur Dearborn», sagt der Lobbyist. «Jede amerikanische Grossstadt weist einen grossen Anteil an arabischstämmigen Bewohnern auf.» Er räumt aber ein, dass seit dem Amtsantritt seines Parteikollegen Obama im atmosphärischen Bereich grosse Verbesserungen feststellbar seien. Gegenüber der Präsidentschaft von George W. Bush sei der Unterschied wie «Tag und Nacht».

Das bestätigt auch Jack Shaheen, der sich als Professor vor allem mit der Stereotypisierung der Araber in Amerika befasst hat. «Viele fühlen sich sicherer», sagt er, auch wenn Obama noch nicht lange im Amt ist. Nun sei es wichtig, dass die Schikanierung der arabischstämmigen Bevölkerung ein Ende nehme.

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