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Die Queen soll Sarkozy aus der Sonne

An den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie geht für den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ein grosser Wunsch in Erfüllung.

Er trifft sich mit Barack Obama zum Tête-à-Tête und wird Seite an Seite mit mit dem US-Präsidenten öffentlich auftreten. Ob dieser grossen Freude vergass Sarkozy allerdings – welche Peinlichkeit – die britische Königin zum Jubiläum einzuladen.

Seit seiner Wahl hatte der französische Präsident mehrmals versucht, Obama zu einem Besuch nach Paris zu bewegen – erfolglos. Höchst frustriert war Sarkozy ob der Tatsache, dass Obama bereits zahlreichen Ländern Höflichkeitsbesuche abgestattet hat, sich aber nicht in die französischen Hauptstadt locken liess. Auf die Frage, ob Sarkozy aus Ehrgeiz nicht zu sehr seinem amerikanischen Amtskollegen hinterherrenne, hatte sein Berater Claude Guéant geantwortet: «Nein, er spielt seine Rolle als Staatschef mit dem Ehrgeiz, den er Frankreich schuldet.»

Obama, ganz Staatsmann und bestens beraten, wusste, diesmal gibt es keine Ausrede: Die Einladung zu dem historischen Jubiläumstreffen in der Normandie, wo am 6. Juni 1944 mit der Landung der alliierten Truppen die Befreiung Frankreichs von deutscher Besetzung begann, kann kein US-Präsident ausschlagen.

An der Küste, auf den Schlachtfeldern und den Soldatenfriedhöfen finden am kommenden Wochenende zahlreiche Gedenkfeiern statt, bei denen Veteranen aus allen beteiligten Nationen – Sieger und Besiegte – friedlich vereint teilnehmen. Doch Sarkozy wollte seine Begegnung mit dem amerikanischen Präsidenten als exklusiven französisch-amerikanischen Anlass gestalten. Auf den Fotos neben dem Star aus Washington sollte ihm kein anderes Staatsoberhaupt den Platz streitig machen. Ein Einladung sandte Paris zwar an die Premierminister von Grossbritannien und Kanada, sie sollten aber, wie auch der deutsche Botschafter, beim Treffen in der Normandie einzig als Statisten auftreten.

Die britischen Medien waren darob «not amused» – und Frankreichs Affront, das einzige heutige Staatsoberhaupt, das in Uniform am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hatte, nicht zum Gedenkanlass einzuladen, wurde zur Schlagzeile. Nicht nur die Journalisten, auch die Queen sei «wütend» und «beleidigt», meldete der «Daily Mail».

Vielleicht hätte sich nach dieser «Majestätsbeleidigung» die Situation noch retten lassen. Doch Frankreichs Regierungssprecher Luc Chatel hat noch eins draufgegeben: Die Briten und ihre Königin seien «natürlich willkommen», falls sie kommen wollten, sagte er. Aber es handle sich halt doch in erster Linie um eine Feier für die französisch-amerikanischen Freundschaft.

Elizabeth II – offenbar wenig angetan von der Vorstellung, das dritte Rad am Wagen zu spielen – liess mitteilen: In diesem Fall werde kein Mitglied der Königsfamilie kommen. Sarkozy blieb schliesslich nichts anderes übrig, als eine eigenhändige Einladung an Prinz Charles zu senden – er nimmt diese nun grossmütig – und amüsiert – an.

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