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«Die Mutter aller Verträge»

Die USA und Russland wollen sich bis im Dezember über einen neuen Vertrag um Abbau der Arsenale strategischer Atomwaffen einigen. In Moskau herrscht aber Zweifel.

Gestern haben russische und amerikanische Unterhändler in Moskau die Beratungen über einen neuen Vertrag zum Abbau der Arsenale strategischer Atomwaffen aufgenommen. Es wird unter Zeitdruck verhandelt, weil die beiden Präsidenten Barack Obama und Dmitri Medwedew vergangenen April in London erklärten, man wolle sich einigen, bevor der geltende Start-1-Vertrag am 5. Dezember ausläuft. Und bis zu Obamas erstem Moskaubesuch am 8. Juli soll ein vorzeigbares Konzept fertig sein.Laut dem US-Aussenministerium verfügte Russland zu Jahresbeginn über 814 Träger und 3909 Atomsprengköpfe, die USA über 1198 Träger und 5576 Gefechtsköpfe. Beide Seiten signalisierten Bereitschaft, ihr Arsenal auf 1500 bis 1000 Gefechtsköpfe zu reduzieren. Warum Moskau zweifeltAber in Moskau herrschen starke Zweifel, dass man sich rechtzeitig einigen wird. Denn Russland fordert, auch eingelagerte Gefechtsköpfe sowie Bomber, U-Boote und Raketen, also Träger, zu verschrotten. Während die Amerikaner in dem neuen Vertrag nur einsatzbereite Sprengköpfe festschreiben wollen. Ausser diesen schon traditionellen Argumenten werden die russischen Unterhändler aller Voraussicht nach auch «benachbarte» Rüstungsprobleme auf den Tisch bringen. Dazu gehören vor allem die US-Pläne, in Osteuropa ein Raketenabwehrsystem zu installieren.Eine ImagefrageAllerdings unterstrichen Diplomaten beider Seiten in den vergangenen Tagen ihre Kompromissbereitschaft. «Der Vertrag ist für Moskau wie für Washington vor allem eine Imagefrage», schreibt die russische Zeitung «Kommersant». «Schliessen sie ihn rechtzeitig ab, wäre das der erste Beweis für einen wirklichen ,Neustart‘ihrer Beziehungen.» Gennadi Jewstafjew, General a.D. und Atomwaffenexperte des Moskauer Zentrums für Politische Studien, erklärte gegenüber dem «Bund», man spüre das ernsthafte Interesse beider Seiten an einer Einigung. «Start 1 ist so etwas wie die Mutter aller Verträge. Ohne ihn gibt es keine Möglichkeit zur Kontrolle mehr», sagte er.Stefan Scholl, Moskau>

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