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«Die Macht ist konzentriert»

«Bund»:Herr Goicoechea, warum wehren Sie sich gegen die Aufhebung der Amtszeitbeschränkung? Die Möglichkeit einer unbegrenzten Wiederwahl eines Staatschefs gibt es doch in vielen Ländern.Yon Goicoechea: Aber meist handelt es sich dabei um parlamentarische Systeme, in denen der Regierungschef jederzeit durch ein Misstrauensvotum gestürzt werden kann. Hier in Venezuela ist die Macht extrem konzentriert. Der Präsident kontrolliert Justiz, Parlament und Militär. Zudem zieht die Armee die Fäden: 70 Prozent des Kabinetts und die Hälfte der Gouverneure sind Militärs. Wenn wir jetzt noch die unbegrenzte Wiederwahl ermöglichen, öffnen wir dem Totalitarismus die Türe.Was ist mit den traditionellen Oppositionsparteien passiert? Derzeit sind es nur die Studenten, die sich Hugo Chavez in den Weg stellen. Die Parteien machen Politik in den Medien und hinter verschlossenen Türen. Das lehnt das Volk ab. Die Venezolaner schreien heute nach einer politischen Alternative, die es aber noch nicht gibt. Unsere Herausforderung ist es, eine solche Alternative zu bilden. Wir versuchen es, indem wir auf die Strasse gehen und mit den Leuten sprechen. Aber wir sind keine Partei. Wir verstehen uns nur als demokratische Stimme.Wie könnte eine Alternative zu Chavez aussehen?Das Land ist heute in zwei nahezu gleich grosse Gruppen gespalten. Das eine Lager steht hinter Chavez, das andere will eine demokratische Alternative zum Caudillismo, der charismatischen Führerherrschaft von Chavez. Die beiden Lager müssen versöhnt werden. Chavez hat scharf erkannt, dass ein grosser Teil der Bevölkerung sich diskriminiert fühlt. Für sie hat er Sozialprogramme geschaffen, die teilweise nötig und gut sind, aber nicht ausreichen. Die Bevölkerung bekommt Sozialhilfe, findet aber keine Arbeit. Seine Diagnose war richtig, aber die Behandlung ist falsch.Gespräch: Sandra Weiss>

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