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Der Zorn über Paris

Die Generalstreiks gegen die hohen Lebenskosten greifen von Guadeloupe und Martinique in den Antillen auf ein weiteres französisches Übersee-Departement über. In Paris versucht die Regierung, auf Zeit zu spielen.

Erstmals äusserte sich gestern Präsident Nicolas Sarkozy im Ministerrat zur Krise in den französischen Antillen. Er hatte sich dafür reichlich Zeit gelassen und bittet die Landsleute in Übersee nun um mehr Geduld. Ein interministerieller Rat soll in den kommenden Monaten Vorschläge für eine Revision der Politik in diesen Departementen ausarbeiten. In Guadeloupe, wo der Generalstreik, der die ganze Insel lähmt, bereits seit 25 Tagen andauert, und in Martinique, wo seit neun Tagen ein Streik die Wirtschaft stilllegt, erwartet die Bevölkerung aber sofort Zugeständnisse. Gerüchte über Vorbereitungen zur gewaltsamen Beendigung des Streiks zirkulieren, und nun greift die Bewegung auf andere Ex-Kolonien über: Die Gewerkschaften auf La Réunion im Indischen Ozean haben zu unbefristeten Kampfmassnahmen gegen die übersetzten Lebenshaltungskosten aufgerufen. Mächtige Ex-KolonialistenSarkozy zeigt Verständnis für das Malaise auf den Übersee-Inseln: Er wolle der Bevölkerung in den Antillen, die den Eindruck habe, dass Paris ihr kein Gehör schenke, beweisen, dass die Republik all jenen, welche die Vielfalt Frankreichs verkörpern, mehr Platz einräume, erklärte er pathetisch. Gleichzeitig warnte er vor «Scheinlösungen, die in Wirklichkeit nur die Zukunft belasten». Die wirtschaftliche Entwicklung dieser Aussenposten der französischen Republik müsse indes von «einer gerechteren Verteilung des Reichtums begleitet» sein. Er sei gegen eine «Gesellschaft, in der eine soziale Kategorie vorankommt, während die anderen stagnieren oder von der Sozialhilfe abhängig bleiben». Sarkozy spielte damit auf die Vormacht einiger Familien einheimischer Weisser an, die seit Generationen in Guadeloupe und Martinique die Zuckerrohr- und Bananenproduktion, die Rum-Destillerien, die Importe und den Detailhandel beherrschen. In einer Reportage des Senders Canal Plus mit dem Titel «Die letzten Herren von Martinique» hatte ein Vertreter einer dieser Dynastien bedauert, dass die Historiker sich nie für die «positiven Seiten der Sklaverei» interessiert hätten, und er sprach sich offen gegen eine Mischung von Weissen und Schwarzen aus, weil «die Kinder in unterschiedlichen Farben ohne Harmonie» auf die Welt kämen. Die Justiz in Fort-de-France hat nun eine Strafuntersuchung gegen ihn wegen Anstiftung zu Rassenhass eingeleitet. >

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