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Das Land lebt über seine Verhältnisse

Kuba «Sparen oder Tod» lautet die neuste Devise, welche die kubanische Regierung angesichts der Wirtschafts- und Energiekrise ausgegeben hat. Seit dem 1. Juni müssen die Kubaner Strom sparen, das heisst, ihre Klimaanlagen abstellen, aber auch weniger Auto fahren. «Wenn das Land weiter über seine Verhältnisse lebt, nehmen wir eine Hypothek auf die Zukunft auf», heisst es in der Parteizeitung «Granma». Kuba müsse mehr produzieren und weniger importieren. Das sagt auch Präsident Raul Castro bei jeder Gelegenheit. Er möchte die staatliche Mangel-Planwirtschaft mit kleinen, kapitalistischen Reformen modernisieren und effizienter machen. Doch durch die Wirtschaftskrise ist sein Reformprogramm verpufft. Zudem werden die Folgen der drei verheerenden Wirbelstürme vom vergangenen Jahr erst jetzt richtig spürbar: Die Ernteausfälle und die Schäden an der Infrastruktur belaufen sich auf rund zehn Milliarden Dollar. Kuba muss zurzeit mehr Lebensmittel importieren als die bisherigen 60 Prozent seines Gesamtbedarfs. Gleichzeitig brechen Tourismus und die Heimatüberweisungen der Exilkubaner massiv ein – die wichtigsten Devisenbringer des Landes. Nutzlose «Energierevolution»Die Regierung prognostiziert für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von höchstens 2,5 Prozent – anvisiert waren 6 Prozent. Ausländische Unternehmer im Land klagen über riesige Zahlungsrückstände der kubanischen Regierung. In Fernsehspots und Zeitungsartikeln werden die Kubaner nun eindringlich aufgefordert, weniger Energie zu verbrauchen – die auf Kuba grösstenteils mit Dieselgeneratoren erzeugt wird. Das Schweröl, das vor der kubanischen Küste gefördert wird, deckt nur 47 Prozent des kubanischen Bedarfs ab, der Rest muss importiert werden. 2006 hat die Regierung zwar die «Energierevolution» ausgerufen und zahlreiche Pilotprojekte für alternative Energien gestartet. Genützt hat es bisher kaum etwas, das Energiedefizit besteht weiter. Chavez und seine VersprechenZwölf Prozent Energie müssten mindestens eingespart werden, hat Wirtschaftsminister Marino Murillo erklärt, denn die Regierung habe in den ersten vier Monaten dieses Jahres 15 Millionen Dollar mehr als geplant für Erdölimporte ausgegeben. Nun will die Regierung den Konsum durch Zwangsmassnahmen senken. Das kann nur eines bedeuten: regelmässiges Stromabschaltungen. Der Verdacht liegt nahe, dass das Bruderland Venezuela – selbst in Liquiditätsproblemen wegen des stark gesunkenen Erdölpreises – Kuba nicht mehr wie bis anhin unterstützen kann. 90000 Fass verbilligtes Erdöl täglich hatte Chavez den Kubanern einst versprochen. Die Kubaner reagieren auf die Aufforderung zum Sparen mit Skepsis und der üblichen Gelassenheit: «Mal abwarten, wir üben ja schon seit vielen Jahren den Umgang mit der Mangelwirtschaft», sagte der Kellner Norberto Sanchez – und schaltete die Klimaanlage ein. (swm) >

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