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China fürchtet Racheakte an Gastarbeitern

Xinjiang Nach den schweren Unruhen zwischen Uiguren und Han-Chinesen im fernen Westen Chinas, bei denen seit dem 5. Juli über 190 Menschen ums Leben gekommen sind, wächst die Sorge um die Sicherheit von Chinesen in einigen muslimischen Regionen des Auslands. So hat ein Zweig der Terror-Organisation Al-Kaida zur Rache für getötete Muslime in der chinesischen Grenzregion Xinjiang aufgerufen. Das berichtete zu Wochenbeginn die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post». Die Gruppe, die sich «Al-Kaida im islamischen Maghreb» nennt, habe vor allem chinesische Arbeiter und Bauprojekte im Nordwesten Afrikas im Visier. Die Information stammt von der Londoner Unternehmensberatung Stirling Assynt, die sich auf die Analyse politischer Risiken für internationale Geschäfte spezialisiert. In Algerien und in anderen Ländern der Region bauen Zehntausende Chinesen Strassen, Eisenbahnen, Kanäle sowie Wohn- und Geschäftsviertel. Die ethnischen Konflikte in Xinjiang haben auch aussenpolitische Konsequenzen für Peking. Mit grossem Zorn und Unverständnis reagieren Funktionäre und Medien auf Proteste gegen Chinas diplomatische Vertretungen im Ausland. Besonders empört ist die Regierung über den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der die Krawalle in Urumqi als «Völkermord» geisselte. In schneidenden Kommentaren forderten Chinas amtlich kontrollierte Zeitungen den türkischen Regierungschef auf, diese Behauptung zurückzunehmen. Die Uiguren sind ein Turkvolk, ihre Sprache ähnelt dem Türkischen. In der Türkei leben Tausende Uiguren, die sich kulturell eng mit dem Gastland verbunden fühlen. Anwälte werden überwachtIn den Strassen Urumqis blieb die Lage in den vergangenen Tagen gespannt, aber ruhig. Polizeiminister Meng Jianzhu rief die Soldaten in Urumqi aber dazu auf, in «höchster Alarmbereitschaft» zu bleiben: «Sie müssen sich klarmachen, wie kompliziert die Situation derzeit in Urumqi ist», erklärte er vor Polizeioffizieren. «Die Lage verbessert sich, aber die Separatisten werden nicht so leicht aufgeben und weiter Sabotageakte verüben.» Nachdem die Behörden in Razzien bereits weit über Tausend Menschen verhaftet haben, dürften bald die ersten Prozesse beginnen. Die Regierung hat harte Strafen angekündigt – und Anwaltskanzleien ermahnt, sich zurückzuhalten, um die «Einheit des Landes» zu schützen. Auf der Webseite der Pekinger Justizbehörde erschien ein Hinweis, wonach jeder Anwalt, der einen Fall im Zusammenhang mit den Unruhen von Urumqi übernimmt, dies sofort den Justizbehörden melden und deren «Überwachung und Anleitung» akzeptieren müsse. Jutta Lietsch, Peking>

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