Der oberste Tiger

Einige der Tamilen-Rebellen Sri Lankas wollen sich im

Ausland neu formieren – als

politische Kraft, nicht als

Terrororganisation, sagt ihr angeblich neuer Anführer.

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Zwei Monate nach der vernichtenden Niederlage der sri-lankischen Tamilen-Rebellen der LTTE scheint in der tamilischen Diaspora immer noch ein Machtkampf um die Führung und den künftigen Kurs zu schwelen. Überreste der LTTE beriefen nun nach eigenen Angaben ein Führungskomitee ein, dass Selvarasa Pathmanathan alias Kumaran Pathmanathan zum neuen Anführer ernannte. Der 54-Jährige fungierte bisher als Leiter der LTTE für internationale Beziehungen. Faktisch soll er, so wird ihm vorgeworfen, den Waffenschmuggel organisiert haben. Die LTTE sind führungslos, seit ihr Chef Velupillai Prabhakaran im Mai nach 26 Jahren Bürgerkrieg getötet worden war.

Unterstützung der Basis fehlt

Auf der Internet-Seite «tamilnet», die als Sprachrohr von Prabhakarans LTTE galt, wurde aber angezweifelt, dass Pathmanathan die Unterstützung der tamilischen Basis geniesst. «Tamilnet» soll angeblich auch keine Stellungnahmen mehr von ihm veröffentlichen. Pathmanathan hatte zuvor einen Kurswechsel angedeutet. Die LTTE würden ihren Kampf für einen eigenen Tamilen-Staat weiterführen, aber gewaltlos. Damit ging er auf Gegenkurs zu den Hardlinern. Angeblich soll er sich irgendwo in Südostasien versteckt halten. Möglicherweise in Malaysia, so wird gemunkelt.

Nach eigenen Worten will Pathmanathan die Separatisten-Organisation, die bisher von Prabhakaran mit eiserner Faust regiert worden war, demokratisieren und offenbar vom Ausland aus als politische Kraft wiederbeleben. Ihm bleibt allerdings kaum etwas anderes übrig. Zwar ist nicht auszuschliessen, dass sich in Sri Lanka noch ein paar versprengte LTTE-Kämpfer versteckt halten und auf Racheanschläge sinnen. Aber als militärische Organisation sind die LTTE faktisch zerschlagen. Ihre Milizen wurden getötet oder sind ins Ausland geflohen. 10000 mutmassliche Rebellen wurden interniert.

Tatsächlich existieren die LTTE nun vor allem in der tamilischen Diaspora weiter, wo sie – so sagen viele – zuletzt mehr Sympathisanten hatten als unter den gebeutelten Tamilen Sri Lankas. Die LTTE agieren nun von einer Position aus, die schwächer kaum sein könnte.

Die Regierung von Präsident Mahinda Rajapakse hat etwa 250000 Tamilen wie Kriegsgefangene in Internierungslager gesteckt. Die internationale Gemeinschaft sorgt sich um ihr Schicksal. Helfer haben nur begrenzten Zutritt zu den Lagern. Inzwischen hat die Regierung erklärt, die Tamilen spätestens in sechs Monaten freizulassen. Die Frage ist, ob sie Wort hält.



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Erstellt: 24.07.2009, 01:15 Uhr

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