Zum Hauptinhalt springen

«Selbstvertrauen und Mut sind Trumpf»

«Es ist nicht wirklich alles schlechter geworden, sondern nur anders», schreibt Bewerbungstrainer Dieter Schmich. Und: Man sollte keine Floskeln verwenden in Bewerbungsschreiben. Als Buchautor hält er sich leider nicht daran.

Wenn ein Buch mit der Aufforderung beginnt, man möge es doch bitte seinen Freunden weiterempfehlen, beginnt man die Lektüre mit einer guten Portion Skepsis. Diese Skepsis wächst, wenn man auf den folgenden Seiten liest, das Buch sei nicht nur für jene geschrieben, die sich beruflich verbessern möchten, sondern auch für die, die sich wegen immer schlechter werdender Bedingungen an ihrem aktuellen Arbeitsplatz beruflich verändern wollen. Und für jene, die sich noch nicht im Klaren sind, dass sie sich längst für berufliche Alternativen interessieren sollten. Und dann ist es noch jenen gewidmet, die stellenlos und deshalb auf Jobsuche sind. Ein Buch für fast alle also, das folgerichtig mit einer Situationsanalyse beginnt, der niemand widersprechen mag: «Es ist nicht wirklich alles schlechter geworden, sondern nur anders!» Darauf folgt das Versprechen: «Ich werde Ihnen moderne und vor allem erfolgversprechende Strategien zur Arbeitsplatzfindung aufzeigen.» Und die Einschränkung: Davon könne nur profitieren, wer die «aktuellen Gegebenheiten» akzeptiere und sich keinen Arbeitsplatz wünsche, auf dem er seine «komplette Lebensplanung aufbauen» könne.Es folgt der Rat, ein berufliches Profil für sich selber zu erstellen («es ist sehr schwierig, sich selbst objektiv zu bewerten») und sich vor Augen zu führen, dass ein Stellensuchender jemanden sucht, der ihm «jeden Monat einen Geldbetrag überweisen soll!», kurz: dass man einen Nutzen stiften sollte. «Der entscheidende Faktor ist das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt!», schreibt Autor Dieter L. Schmich, der solche Sätze fett zu markieren und mit Ausrufezeichen zu akzentuieren pflegt.Keine Floskeln? Schön wärs!Wie aber besteht man in diesem Spiel? Wie setzt man sich durch in Zeiten, in denen das Angebot an nutzenbewussten Arbeitnehmern wieder von Tag zu Tag wächst? Man sucht nach vakanten Arbeitsstellen, verrät der Autor. Solche finde man in Printmedien, im Internet und durch eigene Recherchen. Aber Achtung: Entgegen anderslautenden Gerüchten ist es «nicht mehr zeitgemäss, Unternehmen ziellos mit Standardbewerbungsunterlagen zuzupflastern!» Vielmehr sollte es das Ziel eines Bewerbers sein, «informierter zu sein als alle anderen Bewerber!» Zum Thema Bewerbung erfährt man ferner, dass aus den Unterlagen die wichtigsten Stärken rasch ersichtlich sein sollten und dass sie «immer häufiger (...) online versendet werden» dürfen. Es folgen Beispiele, die zeigen sollen, wie man Lebenslauf, Erfahrungsprofil und Bewerbungsschreiben am besten gestaltet. Daraus geht unter anderem hervor, dass im Lebenslauf die letzten Stationen zuoberst aufgeführt sein sollten, dass das Erfahrungsprofil im Verlauf der Zeit wachsen müsste und dass Bewerbungsschreiben keine Floskeln enthalten sollten (was manche Leser auch von Büchern erwarten), ausser der ersten Zeile: Dort schreibt man mit Vorteil etwas Nettes über den Wunscharbeitgeber. In einem weiteren Unterkapitel erläutert der Autor, worauf bei Arbeitszeugnissen zu achten ist und in welchen Fällen codierte Formulierungen zum Bumerang werden können.«Haben Sie alle bisherigen Ratschläge befolgt, werden Sie gleich über mehrere Einladungen zu Gesprächen verfügen», frohlockt der Autor und skizziert in der Folge, worauf es beim Bewerbungsgespräch ankommt. Ein erster Befund lautet: Es ist wichtiger, wie man etwas sagt, als was man sagt. Ferner empfehle es sich, nur über Stärken zu reden, ein Vorstellungsgespräch sei der falsche Ort für Bescheidenheit. In den Worten von Dieter Schmich liest sich das so: «Selbstvertrauen und Mut sind Trumpf!» Und, als kleine Ermahnung: «Machen Sie immer deutlich, dass Sie an der Position interessiert sind!»Am besten überall zusagenWer kraft seines mutigen Auftritts eine mündliche Zusage erhalte, aber noch unsicher sei, ob er die Stelle wirklich antreten solle, tue gut daran, «zunächst einmal bei allen mündlichen Angeboten entschieden» zuzusagen, schreibt Schmich. Das falle zwar dem einen oder anderen vielleicht etwas schwer, aber eine Bewerbungssituation sei nicht der Ort, «unangebrachte Moralvorstellungen auszuleben». Vielmehr sei der Bewerber Teil eines wirtschaftlichen Systems, das nach Gewinnmaximierung strebt. «Tun Sie das Gleiche! Spielen Sie mit und nutzen Sie den Arbeitgeber für Ihre Zwecke!» Verbindlich geregelt sei die Sache erst, wenn der Vertrag von beiden Seiten unterschrieben sei.Ob jemand Schmichs Ratgeber für seine Zwecke nutzen kann, hängt davon ab, ob er sich schon jemals intensiv mit einer Bewerbungssituation auseinandergesetzt hat. Jene, die das nicht getan haben, finden im Buch eine gute Übersicht über die einzelnen Schritte.Dieter Schmich Die clevere Suche nach dem besseren Job. Orell Füssli 2009. 192 S., Fr. 34.90.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch