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Die gute Fee, die Studijobs vermittelt

Die gefragtesten Jobs unter Studierenden sind kleinere Teilpensen im Bürobereich und im Gastgewerbe – mit möglichst flexiblen Arbeitszeiten. Die Bologna-Reform hat die Situation von erwerbstätigen Studierenden verschärft.

Es erinnert an ein Hexenhäuschen, das Gebäude der StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB) im Innenhof der Unitobler. Unter den blauen Ziegeln hausen aber keine Hexen, sondern wirken die SUB-Feen und -Heinzelmännchen, die Bedürfnisse der Studierenden zu erfüllen versuchen. Die SUB vertritt nicht nur die Studentenschaft, sie bietet auch Dienstleistungen an, etwa Rechtshilfe sowie die Vermittlung von Wohnungen und Arbeitsstellen.

Für das Angebot «Studijob» ist Eveline Menzi zuständig. Ihre Klientel bekommt sie selten zu Gesicht, die Vermittlung geschieht meist per Telefon oder über die SUB-Webseite, wo Unternehmen und Private Jobangebote selber aufgeben können. Noch am gleichen Tag erscheinen diese auf der Stellenplattform, auf die 13000 Studierende Zugriff haben. «Manchmal wird ein Angebot am Montag aufgeschaltet und ist am Mittwoch vergeben», erzählt Menzi.

Bologna wirkt

Gefragt sind bei den Studierenden vor allem Anstellungen mit kleineren Pensen zwischen 20 und 40 Prozent – und mit flexiblen Arbeitszeiten. Durch die Bologna-Reform sind vermehrt Erwerbsmöglichkeiten gesucht, denen abends oder am Wochenende nachgegangen werden kann. Hat doch die Hochschulreform zu strafferen Studienplänen und mehr Prüfungen geführt.

Unter den Studierenden beliebt seien in erster Linie Stellen im administrativem Bereich und im Gastgewerbe. Ein typischer Studijob, der in den Inseraten oft auftauche, sei etwa auch Nachhilfeunterricht. Manchmal rufen bei Menzi Eltern an, um nicht nur den Inseratetext zu diktieren, sondern gleich noch ihr Herz auszuschütten. «Ich beruhige hin und wieder Eltern, dass manche Kinder halt den Knopf etwas später aufmachen.» Das gehöre zwar nicht unbedingt in ihr Aufgabenfeld, aber auch solches übernehme sie gerne, sagt Menzi, die selber Mutter ist. Einmal rief auch eine Dame an, die jemanden suchte, der ihren Gatten überwache. Menzi versuchte zu bedenken zu geben, dass man damit einer Ehe möglicherweise mehr schade als nütze. Die Frau verzichtete schliesslich auf ein Inserat.

Einmaliges Angebot

Auch für die Studenten und Studentinnen hat die «Studijob»-Verantwortliche immer ein offenes Ohr und gute Tipps – gerade was Bewerbungen angeht. «Studijob» bietet nämlich nicht nur ein eine Stellenplattform auf dem Web an, sondern auch eine Dossiervermittlung – ein Angebot, dass an Schweizer Universitäten einzigartig ist. 1600 Dossiers lagern derzeit bei der SUB-Jobvermittlung. Darin geben die Studenten und Studentinnen an, was sie suchen und was sie können. Hintergedanke des Angebots: Manche Arbeitgeber haben keine Zeit, Berge von Bewerbungsschreiben zu bearbeiten. Menzi trifft daher eine Vorauswahl von zwei bis vier Kandidaten. Eine Aufgabe, die psychologisches Gespür erfordert – und manchmal ästhetische Treffsicherheit. Versucht doch Menzi auch dann den Ansprüchen der Arbeitgeber Genüge zu tun, wenn «ansprechendes Äusseres» gefordert ist. Ein Kriterium, das gerade bei Messejobs öfters auftauche.

Selten gefordert wird dagegen Fingerfertigkeit: Handwerkliche Stellenangebote sind selten, stellt Menzi fest. «Es herrscht das Vorurteil, dass Studierende zwei linke Hände haben – was nicht stimmt.» Gerade unter den Studenten würden manche gerne neben dem kopflastigen Studium einer körperlichen Arbeit nachgehen.

Vorurteile über Studis

Ohnehin hänge den Studenten manchmal der Ruf an, dass sie keine zuverlässigen Arbeitnehmer seien – da sie etwa in Prüfungszeiten nicht mehr zu gebrauchen seien. Auch das will Menzi nicht bestätigen: «Die Studierenden, die sich aktiv um einen Job bemühen, sind meist motiviert und engagiert.» Viele seien schlicht darauf angewiesen, Geld zu verdienen – und nähmen dafür teilweise auch strapaziöse Arbeitsbedingungen und niedrigen Lohn in Kauf. Laut Erhebungen des Bundesamtes für Statistik von 2006 gehen 80 Prozent der Studierenden einer Erwerbstätigkeit nach – mit dieser finanzieren sie 40 Prozent ihres Lebensunterhalts selber.

Pro Monat werden auf der SUB-Webseite durchschnittlich 100 bis 150 Stellen angeboten. Etwa fünf Dossiervermittlungen tätigt Menzi monatlich. Gerne würde sie mehr Vermittlungen übernehmen: «Das Angebot ist wohl noch zu wenig bekannt», glaubt sie. Ohnehin ist die Zahl der Inserate in letzter Zeit gesunken – die dunklen Wolken der Krise hängen auch schon über dem SUB-Häuschen. Noch immer gibt es aber Jobs, die keine Interessenten finden. Kürzlich wurden etwa für einen Anlass Darsteller für die Daltons, der Räuberbande aus Lucky Luke, gesucht – vergeblich. Für die ausgeschriebenen Stellen als Lokführer einer Kindereisenbahn, als Bademeister und als Poker-Dealer fanden sich dagegen geeignete Bewerber.

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