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Aus dem Arbeitsrecht: Vor Gericht gehen oder Einigung suchen?

Mein Arbeitgeber hat mir per Ende Monat gekündigt, mir aber mitgeteilt, er sei bereit , einen neuen Vertrag mit anderen Konditionen abzuschliessen. Kann ich diese Kündigung vor Gericht anfechten?Grundsätzlich kann ein Arbeitsvertrag nie einseitig, sondern nur im gegenseitigen Einverständnis abgeändert werden. Der Arbeitgeber müsste deshalb korrekterweise den Vertrag unter Einhaltung der ordentlichen Frist (gemäss Vertrag, wenn nichts steht im ersten Jahr 1 Monat, danach 2 Monate) kündigen und Ihnen einen neuen anbieten. Die Angestellten können frei entscheiden, ob sie den neuen Vertrag annehmen wollen oder nicht. Bei Ablehnung eines zumutbaren neuen Vertrages drohen jedoch Einstelltage bei der Arbeitslosenversicherung.Falls ein Arbeitnehmer seine Stelle behalten möchte, ist dringend davon abzuraten, den Arbeitgeber vor Gericht einzuklagen. Da in der Schweiz in der Privatwirtschaft das freie Kündigungsrecht gilt, darf der Arbeitgeber auch ohne Verschulden des Arbeitnehmers kündigen, ausser die Verschlechterung der Konditionen erfolge willkürlich bei einzelnen Personen und ohne wirtschaftliche Not. Selbst dann ist die Kündigung gültig und kann nicht vom Richter aufgehoben werden. Der Arbeitgeber kann höchstens zu einer Entschädigung von 6 Monatslöhnen verurteilt werden. Er kann aber in der Privatwirtschaft nie gezwungen werden, eine entlassene Person wieder einzustellen.Wenn man an einer Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses interessiert ist, ist es besser, eine gütliche Einigung anzustreben. Infolge des Machtungleichgewichts ist es für Arbeitnehmer oft schwierig, allein mit dem Arbeitgeber zu verhandeln. Es kann deshalb sinnvoll sein, einen Anwalt beizuziehen oder eine Mediation durch einen neutralen Gesprächsleiter vorzuschlagen. Dieser versucht, übereinstimmende Interessen zu finden und mit den Parteien eine akzeptable Lösung zu erarbeiten. Im vorliegenden Fall störte es den Arbeitgeber, dass er der Arbeitnehmerin im Krankheitsfall 100 Prozent Lohn zahlen musste, von der Krankentaggeldversicherung jedoch nur 80 Prozent zurückerhielt. Er wollte diesen Punkt im Vertrag ändern, war aber sonst mit der Arbeitnehmerin zufrieden. In der Mediation konnte eine Lösung gefunden werden, indem sich der Arbeitgeber bereit erklärte, als Ausgleich für diese Verschlechterung den Lohn um 5 Prozent zu erhöhen.Obschon die Arbeitnehmerin vor Gericht gute Chancen gehabt hätte, dass die Kündigung als missbräuchlich beurteilt worden wäre, nützte es ihr mehr, mittels einer Mediation zu einer Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses mit angepasstem Vertrag zu kommen. Auch bei der Auflösung von Arbeitsverträgen können so harte Konfrontationen vermieden werden, die auf beiden Seiten zu Verlusten an Image, Geld und Gesundheit führen. In letzter Zeit werden Mediationen zunehmend auch durch Rechtsschutzversicherungen vorgeschlagen. Mit Inkrafttreten der eidgenössischen Zivilprozessordnung am 1.1.2011 werden die Parteien die freie Wahl haben, ob sie vor einem Prozess eine Schlichtung oder eine Mediation machen wollen.

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