Ypsomed plant neue Arbeitsplätze in Burgdorf

Bis zu 25 Millionen Franken will das Unternehmen am Hauptsitz investieren. So sollen in Burgdorf zwischen 60 und 80 neue Arbeitsplätze entstehen.

Ypsomed will am Hauptsitz einen neuen Büroturm bauen.

Ypsomed will am Hauptsitz einen neuen Büroturm bauen.

(Bild: Valérie Chételat)

Mischa Stünzi

Ypsomed stellt alle Weichen auf Expansion. Es ist noch nicht lange her, dass in Solothurn eine neue Produktionslinie eingeweiht wurde und im September soll eine weitere folgen. Im ostdeutschen Schwerin, wo für rund 100 Millionen Franken ein neues Werk entstehen soll, ist noch nicht einmal der Spatenstich durchgeführt (er ist für September vorgesehen). Und schon kündet Ypsomed den nächsten Millionen-Ausbau an. Diesmal am Hauptsitz in Burgdorf.

Bereits in zwei Wochen, Anfang Juni, fahren die Bagger auf, wie Konzernchef Simon Michel sagt. Bis im August soll der bestehende Trakt abgerissen sein. Dann beginnen, sofern das Bewilligungsverfahren nach Plan läuft, die Arbeiten am Neubau. Geplant ist ein neuer Büroturm, und die Räumlichkeiten für den Werkzeugbau und das Labor sollen deutlich erweitert werden. Der Marschplan sieht vor, dass der Bau Anfang 2019 fertiggestellt ist. 20 bis 25 Millionen Franken will das Medtech-Unternehmen in den Standort Burgdorf investieren.

Neue Märkte im Visier

So entstehen zwischen 60 und 80 neue Büroarbeitsplätze. Allein die Zahl der in Burgdorf beschäftigten Ingenieure soll von derzeit 100 auf 150 steigen. Die neuen Arbeitsplätze würden in den nächsten drei Jahren mit neuen Angestellten besetzt, stellt Michel in Aussicht.

Grund für den Ausbau in Burgdorf sind die strategischen Ziele des jungen Chefs – er übernahm die Konzernleitung 2014 von seinem Vater, Ypsomed-Gründer Willy Michel. Denn Michel Junior hat mit Ypsomed Grosses vor. Bis in drei Jahren ist der Markteintritt mit der neuen Insulinpumpe in den USA und in China vorgesehen. Schon im laufenden Geschäftsjahr soll die Pumpe, die bisher in vier Ländern zu haben ist, in zehn weiteren Ländern auf den Markt kommen. Zudem will Ypsomed in den nächsten Jahren ins Geschäft mit sogenannten Sensorpumpen, also Insulinpumpen, die selber den Insulinspiegel messen und sich so automatisch einstellen, einsteigen. Michel wittert auch deshalb grosse Wachstumschancen, weil Konkurrenten wie Roche ihren Fokus weg vom Insulinpumpengeschäft bewegten oder sich aus einzelnen Märkten zurückzögen.

Michel wird zudem nicht müde, auch für das zweite Standbein neben den Pumpen, die Injektionsgeräte, die vielversprechenden Markttrends zu betonen. Etwa, dass die meisten Medikamente, die derzeit entwickelt würden, nicht eingenommen werden könnten, sondern gespritzt werden müssten. Oder dass in den nächsten Jahren zahlreiche Medikamente ihren Patentschutz verlören, was Nachahmern, die allenfalls mit Ypsomed zusammenspannen, Tür und Tor öffne. Angst davor, selber zum Opfer von Nachahmern zu werden, haben die Michels nicht. Simon Michel betont, Ypsomed sei auf dem Gebiet nicht nur Technologie-, sondern auch Kostenführer. Der Schlüssel sei die Automatisierung der Produktion, ergänzt Willy Michel, der die Ypsomed präsidiert. Und genau damit habe China, woher Kopien wenn schon stammten, Schwierigkeiten.

Aktie taucht um 10 Prozent

So viel Expansion ist nicht gratis zu haben. Das zeigt der Ausblick von Ypsomed auf das laufende Geschäftsjahr 2017/18. Zur Enttäuschung der Analysten rechnet Ypsomed zwar mit einem weiterhin stattlichen Umsatzwachstum von 15 Prozent, aber nur mit einem gleichbleibenden oder leicht höheren Betriebsgewinn. Der Aktienkurs gab denn am Mittwoch auch um 10 Prozent nach.

Im abgelaufenen Jahr erreichte Ypsomed ein Umsatzplus von über 15 Prozent auf knapp 390 Millionen Franken. Der Reingewinn legte um fast 30 Prozent auf 46,2 Millionen zu. Die Dividende wird von 1 auf 1.30 Franken angehoben.

Der Bund

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