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Nach Gipfeltreffen in HanoiWollen Sie mitfliegen Mr. Kim Jong-un?

Eine neue Dokumentation hat eine Anekdote aus Donald Trumps Amtszeit zum Vorschein gebracht. Der Ex-US-Präsident machte dem nordkoreanischen Diktator ein ungewöhnliches Angebot.

«Ich kann dich in zwei Stunden nach Hause bringen, wenn du willst», soll Ex-US-Präsident Donald Trump seinem vermeintlichen Freund Kim Jong-un nach dem Treffen in Hanoi angeboten haben. (27. Februar 2019)
«Ich kann dich in zwei Stunden nach Hause bringen, wenn du willst», soll Ex-US-Präsident Donald Trump seinem vermeintlichen Freund Kim Jong-un nach dem Treffen in Hanoi angeboten haben. (27. Februar 2019)
Foto: Evan Vucci (Keystone)

Die BBC hat eine Serie lanciert, in der sie auf die Präsidentschaft von Donald Trump zurückblickt: «Trump takes on the World» – «Trump nimmt es mit der Welt auf», so der sinnige Titel des Dreiteilers unter der Regie von Tim Stirzaker, der sich filmisch auch schon mit Trumps Vorgängern Bill Clinton und George H. W. Bush, aber auch mit Wladimir Putin auseinandergesetzt hat.

Aus der dritten Trump-Episode kursiert nun eine kuriose Randgeschichte, die sich nach dem Gipfeltreffen der beiden Machthaber Trump und Kim Jong-un im Februar 2018 in Hanoi ereignet hat und über die BBC berichtete und die CNN sich von einer beteiligten Person bestätigen liess.

Mit Sonderzug nach Vietnam

Kurzer Rückblick: In der Ära Trump kam es im Streit um atomare Abrüstung zu zwei Gipfeltreffen mit Nordkoreas Führer – Trump nannte ihn damals «Rocket Man». Das erste fand im Juni 2018 in Singapur statt, das zweite im Februar 2019 in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi – es wurde ergebnislos abgebrochen.

Beide Delegationen fuhren in ihre Hotels zurück. Doch bevor Trump losfuhr, machte er dem Diktator, der für das Treffen die 4500 km lange Strecke zwischen seiner Heimat und der vietnamesischen Hauptstadt grösstenteils in einem gepanzerten Sonderzug zurückgelegt hatte, ein erstaunliches Angebot.

«Ich bring dich nach Hause»

Laut Matthew Pottinger, er war als Asien-Experte und stellvertretender Sicherheitsberater im Trump’schen Tross, soll der US-Präsident zu Kim gesagt haben: «Ich kann dich in nur zwei Stunden nach Hause bringen, wenn du willst.» Trump wusste, dass Kim über mehrere Tage mit dem Zug angereist war; dass Kim an der Grenze zwischen Vietnam und China in ein Auto umgestiegen war, mit dem er zweieinhalb Stunden später in der vietnamesischen Hauptstadt eintraf.

Trotzdem habe der Diktator das Angebot für den Heimflug dankend abgelehnt, verriet Pottinger der BBC.

CNN wiederum beruft sich auf einen namentlich nicht genannten Offiziellen, der in Hanoi dabei war. Erfahrenste Diplomaten seien erstaunt gewesen, dass Trump vorher nicht bei seinem Stab nachgefragt habe, ob ein solches Angebot eventuell Probleme machen könnte, berichtete CNN.

Air Force Un am Boden

Zum ersten Sondergipfel war Kim mit einer Boeing 747-Maschine von Air China geflogen. Damals wurde spekuliert, dass die nordkoreanische Regierungsmaschine vom Typ Iljuschin, auch Air Force Un genannt, nicht flugfähig ist. Diese Spekulationen dauern bis heute an.

Das Rückflugangebot aus Hanoi habe Trump aufgrund seiner herzlichen Beziehung zu Kim unterbreitet, sagte der Offizielle zu CNN – Trump habe dies «für seinen Freund gemacht». Auch der frühere nationale Sicherheitsberater John Bolton hatte damals bemerkt: «Trump dachte tatsächlich, er hätte einen neuen besten Freund.»

Er flog immer standesgemäss: Donald Trump beim Betreten der Präsidentenmaschine Air Force One.
Er flog immer standesgemäss: Donald Trump beim Betreten der Präsidentenmaschine Air Force One.
Foto: Keystone

Bolton selbst veröffentlichte nach seinem Rücktritt ein Buch über Trump, in dem er unter anderem schrieb, dass die Bedrohung durch Nordkorea heute grösser sei als zu Trumps Amtsantritt. Nach Erkenntnissen der UNO haben Nordkorea und der Iran im vergangenen Jahr zudem ihre geheime Kooperation bei der Entwicklung von Langstreckenraketen wieder aufgenommen.

Dass Kim sein Freund sei, dachte Trump wohl auch noch ein Jahr später. Kim Jong-un hatte im Juni letzten Jahres bekannt gegeben, dass er einen persönlichen Brief von Donald Trump erhalten habe; einen Brief mit «hervorragendem Inhalt», wie die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA damals vermeldete.

Lesen Sie dazu auch: Diktatorenerbe, Onkelmörder, NBA-Fan – Wer ist Kim Jong-un?

Dass sich der ehemalige US-Präsident vom Nordkoreaner hat umschmeicheln lassen, weiss der legendäre «Washington Post»-Journalist Bob Woodward. Für sein im September letzten Jahres veröffentlichtes Buch hatte Woodward Zugriff auf Briefe, die Kim an Trump geschickt hat, bekommen.

Schmeicheleien aus Pyongyang

In einem Brief schrieb der Diktator, er befürworte ein weiteres historisches Treffen zwischen ihm und «Eurer Exzellenz». Schon ihr erstes Treffen habe Kim an «Szenen aus einem Fantasyfilm erinnert». Seine Treffen mit Trump seien eine «wertvolle Erinnerung». Sie unterstreichen, wie die «tiefe und besondere Freundschaft zwischen uns als magische Kraft wirken wird». Wer will da widerstehen.

Post aus den USA: Kim Jong-un liest den Brief von US-Präsident Donald Trump. (23. Juni 2019)
Post aus den USA: Kim Jong-un liest den Brief von US-Präsident Donald Trump. (23. Juni 2019)
Foto: Korean Central News Agency/Korea News Service (via AP/Keystone)

Laut Woodward soll Trump besonders davon beeindruckt gewesen sein, dass der dicke Jungdiktator ihn mit «Eure Exzellenz» ansprach. Kim sei weit mehr als nur klug, sagte Trump.

Trumps früherer Verteidigungsminister Jim Mattis hatte – damals noch im Amt – eine klare Haltung zum Umgang mit einem Feind der Menschenrechte: «Der Präsident hat keinen moralischen Kompass.»

Joggende Bodyguards: Zwölf Leibwächter begleiteten Kim Jong-uns Limousine im Laufschritt.
Video: Tamedia/AFP/Reuters

nag

9 Kommentare
    Rolf Zach

    Kim ist das Geschöpf der Weltmacht China und wird benützt als "Schreckmüpfeli" für die USA und Südkorea. Alles was über die südkoreanische Atommacht erzählt wird, ist in vielem wahrscheinlich ein Märchen. China ist es recht, wenn ein unfähiges Regime die Nordkoreaner so richtig drangsaliert. Vor 40 Jahren hätte wahrscheinlich China ein neutrales vereinigtes Korea in kapitalistisch demokratischer Art ohne US-Truppen akzeptiert. Aber die Weltmacht China will heute ein solches Korea nicht, es will überhaupt nicht ein Korea, dass beinahe mit der Wirtschaftskraft von Japan konkurrieren könnte. Die

    Südkoreaner müssten ihre Demokratie abschaffen und ein Status als chinesisches autonomes Gebiet wie Tibet akzeptieren, wenn sie eine Wiedervereinigung wollen. Die Chinesen haben die ganze Macht-Elite in Nordkorea unter Kontrolle im Gegensatz zu den

    Sowjets 1989 in der DDR und deshalb ist ein Aufstand gegen diesen Abschaum gegen das

    Volk in Nord-Korea absolut unmöglich.