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Trip-Hop-EntdeckungWohlfühlen, wie wenn es 1995 wäre

Von Kruder & Dorfmeister ist ein neues – respektive altes – Album aufgetaucht. Die Mini-Besprechung.

Das Duo Peter Kruder und Richard Dorfmeister zu ihrer Hochzeit.
Das Duo Peter Kruder und Richard Dorfmeister zu ihrer Hochzeit.
Foto: BEZ

In der Fernsehserie «Friends» erhält eine der drei Frauen viele Jahre nach ihrer Schulzeit die Gelegenheit, mit dem Kerl auszugehen, den sie damals angehimmelt hat. Leider macht der dann dieselben Sprüche wie früher. Am Ende sagt sie: Ich habe immer von einem High-School-Date mit ihm geträumt, jetzt hatte ich ein High-School-Date mit ihm. So ähnlich ist es mit «1995» von Kruder & Dorfmeister.

Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs (also ungefähr zur Zeit von «Friends») hoffte man immer, die beiden würden endlich mal ein ganzes Album aufnehmen. Kam aber nie. Neben den vielen Remixen blieb es bei einer Handvoll eigener Stücke. Die beiden gefielen sich ganz gut in ihrer Rolle als strenge Qualitätskontrolleure, sie behaupteten, nicht mal ihre eigenen Stücke entsprächen ihren Ansprüchen.

25 Jahre später veröffentlichen sie nun doch, was sie damals beisammen hatten. Und wer sich immer ein Album von K&D in den Neunzigern gewünscht hat, kriegt jetzt genau das: ein Album von K&D in den Neunzigern. Jazzige Drumloops, rauchiges E-Piano, kurze Vokal-Schnipsel, ordentlich Echo. Viele Menschen betrachten ja heute diese Zeit etwas abfällig. «Friends»? Altbackene Witzelei. Kruder & Dorfmeister? Wohlfühl-Trip-Hop. Das ist etwas ungerecht. Man darf sich auch freuen, dass diese Stücke jetzt zu hören sind. Andere Musiker und DJs verlassen sich auf öde Jubiläumsboxen mit Musik, die jeder längst kennt. Die zwei Wiener dagegen spielen Archäologen in eigener Sache.

Kruder & Dorfmeister: 1995.