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Vandalismus im MuseumWoher kommt die Schmiere auf dem Sarkophag?

In Berlin wurden mindestens 63 Kunstwerke mit Öl bespritzt. Täter und Motiv sind nach wie vor unbekannt.

In der Alten Nationalgalerie und zwei anderen Museen auf der Berliner Museumsinsel wurden mindestens 63 Kunstwerke von Vandalen beschädigt. Die Stiftung Preussischer Kulturbesitz, zu der die Museen gehören, hat am 21. Oktober informiert.
In der Alten Nationalgalerie und zwei anderen Museen auf der Berliner Museumsinsel wurden mindestens 63 Kunstwerke von Vandalen beschädigt. Die Stiftung Preussischer Kulturbesitz, zu der die Museen gehören, hat am 21. Oktober informiert.
Foto: Getty Images

Am 3. Oktober beschädigte ein Besucher des Berliner Pergamonmuseums Dutzende von Kunstwerken mit einer öligen Flüssigkeit. Er bediente sich dabei einer Flasche, eines Sprays. Derselbe – oder andere – Täter tat dies am selben Tag auch in den benachbarten Häusern der Museumsinsel, im Neuen Museum, in der Alten Nationalgalerie. Weder die Besucher noch das Wachpersonal bemerkten etwas davon.

Schwer zu glauben, aber so war es. 63 Werke wurden auf diese Weise beschädigt, laut einiger Ermittler sogar fast 80. Erst abends fiel der Schaden auf. Und erst zwei Tage später tauschten sich die Verantwortlichen untereinander aus und erfuhren von den Fällen bei ihren Kollegen.

Am Mittwoch steht nun die Direktorin des Ägyptischen Museums, Friederike Seyfried, im Ägyptischen Hof und zeigt auf Flecken und Spritzer. Wie dem auf einer Grabplatte: Auf dem Stein ist eine dunkle Stelle zu erkennen. Auch auf dem Sarkophag des Propheten Ahmose ist ein dunkler Fleck, oder über dem Augenpaar auf einem sandsteinfarbenen Grabrelief.

Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums, zeigt auf einen Ölfleck auf einem ägyptischen Sarkophag.
Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums, zeigt auf einen Ölfleck auf einem ägyptischen Sarkophag.
Foto: Getty Images

Die Stiftung Preussischer Kulturbesitz (SPK), zu der die Museen gehören, hat in den vergangenen Wochen den Schaden erfassen und bewerten lassen, Restauratoren haben bei den Exponaten Kompressen angelegt und Flächen gereinigt. Die Schäden sind nicht gering, aber sie lassen sich, je nach Material, mehr oder weniger leicht beheben, so viel steht fest. Ein Ölfleck auf Sandstein ist schwerer zu entfernen als einer auf Holz.

Alles andere ist aber unklar. Etwa, wie es der oder die Täter geschafft haben, in dem engen Ägyptischen Hof inmitten der Besucher unbemerkt Substanzen zu verspritzen, ohne dass es aufgefallen wäre. Einige der beschädigten Steinfiguren im Pergamonmuseum liegen exponiert – schräg gegenüber dem Eingang, an dem der Kartenabreisser steht und die Grösse der Taschen kontrolliert.

Auf der Überwachungskamera ist nichts zu erkennen

Es gebe nur eine Überwachungskamera, die Bilder geliefert habe, so ein Ermittler, und auf diesen sei nichts zu erkennen, sagt Carsten Pfohl, Kriminaldirektor am Berliner LKA bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. War der Täter mit einer versteckten Spritzflasche unterwegs? Oder mit einer Scherzartikel-Blume, aus der sich Wasser verspritzen lässt? Auch ihm erscheint die Tat rätselhaft.

Mindestens 63 Kunstwerke wurden mit Öl bespritzt.
Mindestens 63 Kunstwerke wurden mit Öl bespritzt.
Foto: Getty Images

Die Schäden sind vergleichsweise klein, der oder die Täter wollte nicht bemerkt werden, und – so sagen alle, die mit dem Fall befasst sind – ein Motiv geht aus den Attacken nicht hervor. Es gibt kein Bekennerschreiben, keinen inhaltlichen Zusammenhang der angegriffenen Werke. Pfohl sagt es so: «Eine Propaganda der Tat ist nicht feststellbar.»

Darüber, dass in den Berliner Museen nun erneut die Sicherheitssysteme versagt haben, zeigte sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters unverhohlen verärgert. Die Museen müssten sich «Fragen stellen lassen». Von SPK-Präsident Hermann Parzinger verlangt sie nun Aufklärung darüber, «wie diese vielen Beschädigungen unbemerkt vonstatten gehen konnten und wie solche Angriffe in Zukunft verhindert werden sollen.»

6 Kommentare
    Rolf Thalmann

    Es ist krass sexistisch, nur von einem Täter zu sprechen. Es muss heissen: "Täterin oder Täter".