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Schöner Geigen dank Fäulepilzen

Ein Empa-Forscher verbessert den Klang von Geigen durch den Einsatz von besonderen Pilzen, die Teile des Holzes gezielt zersetzen.

Vorbild für die Wissenschaft: Eine echte Stradivari aus dem Jahr 1729 bei einer Auktion in New York.
Vorbild für die Wissenschaft: Eine echte Stradivari aus dem Jahr 1729 bei einer Auktion in New York.
Keystone

Nach Angaben der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) sollen Instrumente, die auf diese Art fabriziert sind, ähnliche Eigenschaften aufweisen wie das Material des legendären Geigenbauers Stradivari. Ein Stradivari-Nachbau aus dem speziell behandelten Holz wurde nun zum ersten Mal beim «Swiss Innovation Forum» in Basel präsentiert.

Möglich wird die klangliche Verbesserung laut der Empa dank des Pilzes Xylaria longipes, eines Erreger der Weissfäule. Der Pilz treibt Fäden in das Bergahorn-Holz, das für die Bodenplatte der neuen Geige verwendet wurde. Die Fäden nagen die Zellwände an ganz bestimmten Stellen ab und verringern so die Holzdichte.

Günstiges Klima für Stradivari

Wie die Empa behauptet, wird es mit diesem Trick möglich, eine ähnliche Holzqualität zu erreichen wie in Stradivaris Werkstatt. Der italienische Meister profitierte nämlich vom Klima im 17. Jahrhundert. Damals herrschten nämlich während der so genannten Kleinen Eiszeit aussergewöhnlich tiefe Temperaturen.

Die langen Winter und kühlen Sommer sorgten dafür, dass die Bäume in den Südalpen nur langsam, dafür aber gleichmässig wuchsen. Das Holz hatte deshalb regelmässige, dünne Jahresringe und eine relativ geringe Dichte – hervorragende Voraussetzungen für einen guten Klang.

Eindruck von gealtertem Holz

Die biotechnische Pilzbehandlung der Empa-Forscher sorgt nicht nur für einen verbesserten Klang, sondern auch dafür, dass das Holz älter aussieht. Auch dies komme den Geigenbauern entgegen, sagt Empa-Forscher Francis Schwarze, der die Methode entwickelt hat.

Bei dem in Basel präsentierten Geigenmodell ist nur der Geigenboden von schwarzen Pilzen durchsetzt. In einem nächsten Schritt soll nun eine komplette Violine aus dem speziellen Holz entstehen. Dazu sind allerdings auch andere Pilze als der auf Ahorn spezialisierte Xylaria longipes nötig: Für den Geigendeckel wird nämlich Fichtenholz verwendet.

SDA/raa

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