Zum Hauptinhalt springen

Piloten verlernen das Fliegen

Heute halten sich Flugzeuge beinahe von selbst in der Luft. Automatische Systeme verdrängen die klassischen Aufgaben von Piloten. Diese verlernen ihr Handwerk, wie eine Studie zeigt. Mit verheerenden Folgen.

Der Pilot dieser Maschine hatte zu wenig Übung: Das Wrack einer Turkish-Airlines-Maschine nach dem Absturz im Februar 2009 in Amsterdam.
Der Pilot dieser Maschine hatte zu wenig Übung: Das Wrack einer Turkish-Airlines-Maschine nach dem Absturz im Februar 2009 in Amsterdam.
Reuters

Es sind nur noch wenige Minuten beim Start und bei der Landung, die ein Pilot heutzutage sein Flugzeug wirklich selbst in der Hand hat. In den Stunden dazwischen steuert der Autopilot die Maschine von allein. Nun hat eine Studie der Federal Aviation Administration (FAA) eine von Experten schon lange gehegte Vermutung bestätigt: Piloten verlernen das Fliegen.

Wie ABC News und zahlreiche weitere US-Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP berichtet, hat die FAA 46 Flugunfälle, 734 freiwillige Berichte von Piloten und anderen Beteiligten sowie die Daten von mehr als 9000 Flügen untersucht. Das erschreckende Ergebnis: Bei über 60 Prozent der Unfälle hatten die Piloten Mühe, das Flugzeug von Hand zu steuern.

«Automatisierungssucht»

«Mit der zunehmenden Automatisierung der Maschinen werden sich Flugunfälle häufen», sagt Rory Kay, Flugkapitän und Co-Vorsitzender des FAA-Komitees für Pilotenausbildung, gegenüber AP. «Wir verlernen das Fliegen», fügt er an und spricht zudem von einer «Automatisierungssucht» der Piloten.

Laut der Studie hat die ungenügende Flugpraxis der Piloten in der Vergangenheit schon oft zu Unfällen geführt. Bekanntestes Beispiel ist der Absturz der Air-France-Maschine 447 im Juni 2009. Nachdem das Flugzeug über dem Atlantik in starke Stürme geraten war, sei der Autopilot ausgestiegen. Anstatt die Nase des Flugzeugs zu senken und damit die Geschwindigkeit zu erhöhen, habe der Pilot die Nase hochgezogen und damit 228 Passagiere in den Tod gerissen.

Selber Üben

Die Studie beschreibt zwei weitere Flugunglücke, bei denen das Fehlverhalten der Piloten zum Absturz und zu unzähligen Todesopfern führte. Im Jahr 2009 machten Piloten einer Colgan-Air-Maschine, die über dem Bundesstaat New York abstürzte, denselben Fehler wie die Besatzung der Air France. Nur zwei Wochen später stürzte eine Maschine der Turkish Airways in Amsterdam aus demselben Grund zu Boden.

Abschliessend wird in der FAA-Studie den Piloten empfohlen, ihre Maschinen häufiger selbst zu fliegen, um in Übung zu bleiben. So, dass sie im Notfall schnell und richtig reagieren, wenn es die Autopiloten nicht mehr können.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch