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«Philae hat nur noch einige Stunden Lebensdauer»

Die Batterien des Minilabors, das auf dem Kometen Tschury gelandet ist, gehen zur Neige. Doch es gibt Hoffnung.

Visualisierung des Ortes, an dem sich Philae befinden könnte. (13. November 2014)
Visualisierung des Ortes, an dem sich Philae befinden könnte. (13. November 2014)
ESA
Bilderserie zeigt den Hüpfer von Landeeinheit Philae auf dem Kometen  67P/Churyumov-Gerasimenko: Das erste Bild (l.) zeigt den Ort vor der Landung Philaes, das zweite kurz nach dem Aufprall mit dem Schatten des aufgewirbelten Staubs. Das dritte Bild ist das selbe wie das zweite, die kleinen roten Kreise zeigen die wahrscheinliche Position von Philae und ihrem Schatten. (12. November 2014)
Bilderserie zeigt den Hüpfer von Landeeinheit Philae auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko: Das erste Bild (l.) zeigt den Ort vor der Landung Philaes, das zweite kurz nach dem Aufprall mit dem Schatten des aufgewirbelten Staubs. Das dritte Bild ist das selbe wie das zweite, die kleinen roten Kreise zeigen die wahrscheinliche Position von Philae und ihrem Schatten. (12. November 2014)
ESA/Rosetta/Philae/CIVA/NAVCAM, AFP
Nach sechs Milliarden Kilometern: Im November soll der Landeroboter auf dem Himmelskörper abgesetzt werden.
Nach sechs Milliarden Kilometern: Im November soll der Landeroboter auf dem Himmelskörper abgesetzt werden.
EPA/ESA, Keystone
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Mit nur noch einigen Stunden Batteriereserven hat der Forschungsroboter Philae auf dem Kometen Tschury weitere Versuche vorgenommen. «Er hat nur noch einige Stunden Lebensdauer mit seiner Batterie», sagte Projektleiter Philippe Gaudon von der französischen Raumfahrtbehörde CNES. «Danach sollen eigentlich die Solarbatterien übernehmen, aber der Roboter ist im Schatten.» Die wissenschaftliche «Ernte» sei aber bereits jetzt beträchtlich.

Das kühlschrankgrosse Minilabor Philae war am Mittwochnachmittag auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, genannt Tschury, gelandet, rund 510 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Nach wie vor ist unklar, wie lange Philae arbeiten kann. Die Batterien des Labors seien auf etwa 60 Stunden ausgelegt, sagte der ESA-Sprecher. Da Philae sich in einer eher schattigen Position befinde, sei noch nicht sicher, ob die Batterie über Kollektoren wieder nachgeladen werden könne.

Option Winterschlaf

Im ungünstigsten Fall müsste Philae nach Angaben der ESA womöglich am Wochenende die Arbeit beenden. Allerdings könnte sich auch Tschury noch so günstig zur Sonne hin drehen, dass Philae neue Energie bekommt. Ingenieure überlegten auch, wie sie die Sonnensegel anders ausrichten könnten, um die Energieversorgung zu verbessern.

Möglicherweise könnte die Arbeit mit Philae auch nur unterbrochen werden. Dies zumindest schlägt Philippe Gaudon von der französischen Raumfahrtbehörde CNES gegenüber der französischen Zeitung «Le Monde» vor. Philae könne eine Art Winterschlaf halten, bis die Sonneneinstrahlung optimal wäre, erklärt er gegenüber der Zeitung. Dies würde unter Umständen mehrere Monate dauern: Die maximale Sonneneinstrahlung wäre nach Gaudons Angaben im August 2015 erreicht, wenn sich Komet Tschury am nächsten bei der Sonne befinde.

Philae bohrt und setzt Thermometer aus

Der Forschungsroboter Philae hat auf dem Kometen Tschuri eine Bohrung vorgenommen – die Ergebnisse der Untersuchung werden die Erde aber womöglich nie erreichen. «Wir sind nicht sicher, ob Philae ausreichend Energie hat, um die Daten zu übertragen», sagte Stephan Ulamec von der europäischen Raumfahrtbehörde ESA heute in Darmstadt. Die Bohrung von 25 Zentimeter Tiefe sollte eine Analyse des Kometengesteins ermöglichen. Die ESA hatte zunächst gezögert, den Bohrer einzusetzen, weil Philae nicht stabil stand und aus dem Gleichgewicht zu geraten drohte.

Philae hatte zuvor auch ein Thermometer auf dem Felsbrocken ausgesetzt. Damit meisterte das kleine Speziallabor seine erste «mechanische Operation», wie die ESA mitteilte. Am Freitag mass Philae unter anderem mithilfe von Sensoren Dichte und Temperatur der Kometenoberfläche und mit einem sogenannten Spektrometer deren Zusammensetzung. Die Wissenschaftler erhoffen sich von der Mission unter anderem neue Erkenntnisse über die Frühzeit des Sonnensystems.

Philae erhält nur eineinhalb Stunden Sonne

Noch immer haben die Wissenschaftler auf der Erde Philae nicht genau lokalisiert, wie sie berichteten. Angenommen wird, dass die Sonde im Schatten eines Felsen steht und deshalb nicht genug Sonnenlicht zum Laden ihrer Batterien bekommt. Womöglich landete Philae an einem Kraterrand oder in einer Felsspalte.

Der Roboter bekommt deshalb nicht wie geplant sechs oder sieben Stunden Sonnenlicht am Tag ab, sondern nur eineinhalb. Eine der Stützen des Minilabors hängt zudem in der Luft – und weil zwei Harpunen nicht funktionierten, mit denen der Roboter im Kometenboden verankert werden sollte, steht er relativ instabil.

AFP/thu

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