Heizender Fels unter dem Ferienhaus

Wie das Reka-Feriendorf Blatten-Belalp auf Betriebstemperatur kommt.

Nahezu autark: Die neue Reka-Siedlung Blatten-Belalp. Foto: Grafik Fux

Nahezu autark: Die neue Reka-Siedlung Blatten-Belalp. Foto: Grafik Fux

Hans Galli

Der Nationalrat hat soeben Ja gesagt zur Energiestrategie 2050. Ob sie aufgeht, wird die Praxis zeigen. Das Bundesamt für Energie zeigt mit sogenannten Leuchtturmprojekten an, wohin die Reise gehen soll. Ein solcher Leuchtturm ist das neue Feriendorf der Reisekasse (Reka) im Oberwalliser Dorf Blatten, das am kommenden Wochenende die ersten Gäste empfangen wird.

Die sieben Reka-Häuser mit 50 Ferienwohnungen, Hallenbad und Kinderspielplätzen produzieren ihre Energie selber – und zwar CO2-frei. Möglich wird das durch Technologien, die erstmals in dieser Breite eingesetzt werden. So sind die Dächer der Ferienhäuser mit Solarenergiemodulen bedeckt, welche sowohl Strom als auch Warmwasser produzieren. Hergestellt wurden sie von der Firma Meyer Burger in Thun.

Die Solarmodule sind ein wichtiger Bestandteil des Heiz- und Warmwasserkonzepts: Hierzu wurden Erdsonden 170 Meter tief in den felsigen Boden getrieben. Dieser weist dort eine Temperatur von 12 Grad Celsius auf. Im kommenden Winter wird ihm mittels ebendieser Erdsonden und mit Solarstrom betriebenen Wärmepumpen ein Teil der Wärme entzogen. Damit wird das Heizwasser auf 35 Grad und das Duschwasser auf 60 Grad aufgeheizt. Der felsige Boden kühlt sich dadurch auf etwa 8 Grad Celsius ab.

Im kommenden Sommer wird der Fels dann wieder aufgeheizt, indem die durch Sonnenkollektoren erwärmte Flüssigkeit in den Erdsonden wieder nach unten geleitet wird. Die Temperatur des Felsens wird dann wieder auf 12 bis 14 Grad steigen, sodass im Winter wieder genügend Erdwärme für die ­Heizung des Feriendorfes zur Verfügung steht – so sehen es zumindest die Berechnungen der Ingenieure vor.

Strom aus Sonne und Wasser

Auch beim Strom ist das Feriendorf übers Jahr gesehen praktisch selbstversorgend. Zum Ausgleich von Schwankungen ist es aber ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. An schönen Tagen im Sommer liefern die Solarzellen überschüssigen Strom, der ins Netz eingespeist wird. Am Abend und vor allem im Winter, wenn die Solarzellen keinen oder zu wenig Strom liefern, muss das Feriendorf Strom aus dem Trinkwasserkraftwerk der Gemeinde Naters beziehen. Im Jahresdurchschnitt produzieren die Solarzellen 70 Prozent des Stroms, 30 Prozent stammen aus der Trinkwasserturbine, wie Matthias Sulzer, Geschäftsleiter der Gebäudetechnikfirma Lauber Iwisa in Brig, am Wochenende gegenüber den Medien ausführte.

Das Bundesamt für Energie (BFE) unterstützt das Energiekonzept des Feriendorfes in den kommenden zweieinhalb Jahren mit 900 000 Franken. Es wird in dieser Zeit Messungen vornehmen und die Erfahrungen für weitere Projekte auswerten. Das Leuchtturmprojekt Blatten-Belalp sei ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Verwirklichung der Energiestrategie 2050, sagte Philippe Müller, Leiter Cleantech beim BFE. Es gebe bei künftigen Projekten noch Erweiterungsmöglichkeiten. In Blatten sei beispielsweise auf Solarzellen an den Fassaden verzichtet worden, weil sie schlecht zum Unesco-Welterbe Aletsch und den sonnengebräunten Holzhäusern im Dorfkern gepasst hätten. Auch gebe es keine Speicher für Solarstrom: Weil die Technologie für dezentrale Speicher erst noch entwickelt werde, sei es heute sinnvoller, überschüssigen Strom ins Netz einzuspeisen und in ­Speicherseen zu lagern.

Die Hausfassade entspricht laut den Erbauern dem Minergie-A-Standard; weil auf eine Komfortlüftung verzichtet wurde, hat die Siedlung jedoch das ­Minergie-Label nicht erhalten.

Die Reka und die Gemeinde Naters, zu welcher Blatten gehört, tragen die Investitionskosten von 28 Millionen Franken für das Feriendorf gemeinsam. Die Pionierlösung für die Energieversorgung sei teurer als ein herkömmliches Heizungs- und Warmwassersystem, sagte Reka-Geschäftsleiter Roger Seifrig. Die Investition werde sich erst über einen Zeitraum von 40 Jahren rentieren. Aufgrund der Zusatzkosten müssten die Mieter etwas mehr bezahlen.

Bereits gut belegt

Laut Katalog kostet die kleinste Wohnung mit 2½ Zimmern und 4 Betten je nach Saison zwischen 756 Franken und 1512 Franken pro Woche, für die grösste mit 6½ Zimmern und 10 Betten müssen zwischen 1253 Franken und 2597 Franken pro Woche bezahlt werden. Trotz des Preisaufschlags seien die Wohnungen für diesen Winter bereits zu 70 Prozent ausgebucht. Seifrig sagte deshalb: «Reka hat warme Betten, nicht kalte.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt