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Ein Schutzwall für die Ratten

Ein gigantischer Schutzwall soll Venedig ab 2014 vor Hochwasser schützen. Doch Experten bezweifeln, dass das Stauwehrsystem die Stadt dauerhaft retten kann und prognostizieren deren Untergang.

Die Einheimischen kämpfen gegen Massentourismus und Hochwasser: Verkleidete Demonstranten im Jahr 2008.
Die Einheimischen kämpfen gegen Massentourismus und Hochwasser: Verkleidete Demonstranten im Jahr 2008.
AFP
Starker Regenfall verursacht regelmässig Überschwemmungen: Postbote auf dem Markusplatz.
Starker Regenfall verursacht regelmässig Überschwemmungen: Postbote auf dem Markusplatz.
Keystone
Experten prophezeien, dass Venedig bei anhaltender Klimaerwärmung in 100 Jahren nicht mehr bewohnbar ist.
Experten prophezeien, dass Venedig bei anhaltender Klimaerwärmung in 100 Jahren nicht mehr bewohnbar ist.
Keystone
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Venedig gilt für viele als romantischste Stadt auf Erden. Doch für Einheimische kann «die Lagune der Galeeren», wie die Stadt auch genannt wird, zum Albtraum werden: Gemäss dem «Spiegel» besuchen jährlich rund 15 Millionen Touristen die Stadt an der adriatischen Küste. Von Venezianern werden die Feriengäste hämisch «Ratten» genannt.

Im Jahr 2008 wurde gar eine Demonstration organisiert, die auf den verstärkten Touristenstrom aufmerksam machen sollte. Als Ratten verkleidet skandierten aufgebrachte Venezianer «die Stadt ertrinkt und wir sterben aus». Vor ein Paar Monaten sank die Einwohnerzahl von Venedig erstmals unter 60'000.

Mit 78 Stahltanks gegen das Hochwasser

Doch die Venezianer drohen nicht nur im Touristenmeer zu ertrinken, sondern auch im Meerwasser, da der Wasserpegel der Adria ständig steigt. Das ist schon länger bekannt. Doch im Zuge der Klimaerwärmung wird die Diskussion zusätzlich angeheizt. Nach starken Regenfällen gleicht die Stadt jeweils einer grossen Pfütze. Nach dem Jahrhunderthochwasser im Jahr 1966 erdachten Ingenieure deshalb ein Stauwehrsystem, wie es die Welt noch nicht gesehen hat: Gemäss dem «Spiegel» werken 3600 Arbeiter seit sieben Jahren und rund um die Uhr an dem viereinhalb Milliarden Euro teuren Bau.

Läuft alles nach Plan dürfte der Schutzwall im Jahr 2014 realisiert sein. 78 Stahltanks in der Grösse von 20 mal 30 Meter sollen rund um die Stadt ins Wasser gelassen werden. Ist das Meer ruhig, so befinden sich die Behälter angekettet am Meeresboden. An die Wasseroberfläche gelangen sie erst, wenn der Wasserpegel in der Stadt die Höhe von 1,1 Meter erreicht hat. Der Schutzwall, der auf den Namen «Moses» («Modulo Sperimentale Elettromeccanico») getauft wurde, soll die Stadt vom Wasser trennen und somit eine Katastrophe verhindern – die Stadt würde von einer Art Stahlwand geschützt.

Lebensdauer von 100 Jahren

Doch «Moses» ist umstritten. Das Milliardenprojekt soll aus der Staatskasse bezahlt werden. Vor allem die Wirksamkeit des Schutzwalls wird in der Öffentlichkeit angezweifelt. Gegenüber dem «Spiegel» attestiert der verantwortliche Ingenieur Giovanni Cecconi «Moses» eine Lebensdauer von 100 Jahren. Spätestens bis dann erwarten Experten, dass der Wasserpegel in der Adria-Lagune um 50 Zentimeter höher sein wird. Die Stadt würde dann während 250 Tagen im Jahr unter Wasser stehen.

Vorausgesetzt das Klima erwärmt sich weiter, so dürfte Venedig als prominentestes Klimaopfer in die Geschichte eingehen. Die Touristenströme würden ausbleiben und die Lagune würde dann höchstens noch von echten Ratten besiedelt.

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